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Kultur Tobias Wellemeyer verabschiedet sich mit einem Fest
Nachrichten Kultur Tobias Wellemeyer verabschiedet sich mit einem Fest
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18:36 24.05.2018
Der noch amtierende Intendant des Hans Otto Theaters Potsdam: , Tobias Wellemeyer. Quelle: Ralf Hirschberger (Archiv: 2016)
Potsdam

Eigenlob stinkt, sagt der Volksmund. Gilt das auch für ein Theater? Für das Abschiedsfest, mit dem Intendant Tobias Wellemeyer und 15 Schauspieler am 25. Mai Potsdam Adieu sagen, wirbt Chefdramaturgin Ute Scharfenberg mit folgenden Worten: „Neun Jahre starkes Ensemble, starke Stücke, starke Handschriften für die Stadt. Neun Jahre lebendiges Programm, lebendige Debatte, lebendige Partnerschaften. Neun Jahre direkte Fragen, direkte Begegnungen, direktes Aufeinanderzugehen. Neun Jahre offenes Haus, offene Perspektiven, offene Einladung an alle Neugierigen in der Stadt  ... usw.“

Es mag vielleicht Theaterbesucher geben, die wirklich des Lobes voll sind für die fast 200 Inszenierungen. Ihnen wird es nicht gerade leicht gemacht, heute noch ultimativere Worte zu formulieren. Dass sich Theaterleute auch in eigener Sache als Stimmungsmacher verstehen, wird man ihnen bis zu einem gewissen Grade nachsehen. Problematisch aber ist es schon, wenn Bravo-Rufe nach einer Premiere von den Mitarbeitern des Hauses kommen.

Es war sicher vieles gut in der Ära Wellemeyer, aber eben nicht alles. Das Hans-Otto-Theater unter dem schwerblütigen Sachsen setzte auf Entschleunigung und wollte vor allem eines: die dunklen Abgründe der bürgerlichen Gesellschaft ausleuchten. Auf der Bühne wurden in äußerst ernsthafter und realistischer Manier Geschichten über Kleinstädte, Familien und getriebene Individuen verhandelt. Wellemeyer selbst stand für das große Format, Inszenierungen wie „Auferstehung“ und „Nathan der Weise“ bleiben in guter Erinnerung. Mit „Der Turm“ gelang ihm 2010 ein wichtiger Publikumserfolg, der nach einem Fehlstart auch ein Befreiungsschlag war.

Auch die Stücke für Kinder und Jugendliche waren in der Regel sehr problem- und wenig spaßorientiert. Dem Spielplan hätte sicher eine besser Durchmischung gut getan – mal eine krachende Farce zwischendurch, eine federleichte Komödie oder auch ein Dokumentartheaterformat, das die Verhältnisse vor Ort konkret spiegelt. Um auch „sexy“ zu sein und um Quote zu bringen, setzte Wellemeyer auf Musical-Produktionen. Die waren solide, aber auch glatt und verzichteten auf Irritationen.

In den neuen Jahren fehlte dem Intendanten auch manchmal das nötige Quäntchen Glück. Das Kultpotenzial großartiger Inszenierungen wie „Schlangenei“ von Niklas Ritter, „Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe“ von Sascha Hawemann und vor allem „Wellen“ von Barbara Bürck wurde weder vom Potsdamer Publikum noch von der überregionalen Kritik entdeckt. Mit Lukas Langhoff sollte ein Regisseur die Experimentierschiene fahren. Er scheiterte und wurde vom Publikum als schlechter Castorf-Verschnitt abgelehnt.

Im Umgang mit dem 25-köpfigen Ensemble, das auf Gedeih und Verderb einem Intendanten ausgeliefert ist, bewies Wellemeyer nicht immer ein glückliches Händchen. 2016/17 reagierte er auf eine intern geäußerte Kritik, indem er den gewählten Ensemblesprecher Axel Sichrovsky vor die Tür setzte. Über Monate herrschte ein Klima der Angst, der Kollege wurde geopfert, niemand wollte auch noch in Ungnade fallen. Das Verhältnis zwischen Wellemeyer und Geschäftsführer Volkmar Raback galt ohnehin als zerrüttet. Und auch die freie Szene am Standort Schiffbauergasse wurde vom HOT zu wenig ernst genommen.

Bleibt zu hoffen, dass der Abschied heute kein Abschied von der Ernsthaftigkeit ist, mit der Wellemeyer in die Welt schaut. Denn wehe dem Theater, das ohne Melancholie und ohne Bedürfnis nach Transzendenz auskommen möchte!

Abschiedsfest, 25. Mai, 19.30 Uhr.

Von Karim Saab

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