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Nachrichten Kultur Tom Zickler baut an der Traumfabrik Babelsberg
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19:13 14.08.2017
Eigentlich wollte er Kameramann werden: Filmproduzent Tom Zickler
Eigentlich wollte er Kameramann werden: Filmproduzent Tom Zickler Quelle: Foto: imago/Mike Schmidt
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Potsdam

Eine Traumfabrik für deutsche Filme. So stellt sich Filmproduzent Tom Zickler die Zukunft der traditionsreichen Babelsberger Studios vor. Viele heimische Filmschaffende will er auf das Gelände locken, kreative Talente sollen sich dort bald tummeln und Projekte entwickeln. „Auf der Internetseite von Studio Babelsberg las ich nur Namen von Amerikanern, Brad Pitt, George Clooney. Höchstens Tom Tykwer tauchte mal auf. Das hat mich richtig traurig gemacht“, sagt der 53-Jährige und beschloss, an den Ort zurückzukehren, an dem er einst selbst alles über das Filmemachen lernte.

Erfolgreicher Filmproduzent

Tom Zickler ist einer der erfolgreichsten Filmproduzenten in Deutschland.

Zusammen mit Til Schweiger hat er zwischen 1990 und 2000 Filme wie „Keinhohrhasen“, „Zweiohrküken“ oder „Barfuss“ gedreht.

Seine erste Filmproduktion war „10 Tage im Oktober“, ein Dokumentarstreifen über das Gefühl der Ostberliner unmittelbar nach dem Mauerfall. Entstanden ist der Film an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, aus der später die Filmuniversität Babelsberg hervorgegangen ist.

Gemeinsam mit Studio Babelsberg hat Zickler Anfang dieses Jahres die gemeinsame Produktionsfirma „Traumfabrik Babelsberg“ gegründet.

Zickler, der fast jeden Kinohit der vergangenen 20 Jahre zu verantworten hat, der gemeinsam mit Til Schweiger die Firma Barefoot betrieb und Kassenknüller wie „Knocking on Heavens Door“, „Keinohrhasen“, „Kokowääh“, „Honig im Kopf“ oder „Tschiller: Off Duty“ auf die große Leinwand brachte, stieg aus dem Berliner Unternehmen aus und ließ sich auf dem Studiogelände nieder. Und gründete mit der Studio Babelsberg AG die Produktionsfirma Traumfabrik Babelsberg. „Ich will Geschichten erzählen, das hatte ich in der letzten Zeit etwas aus den Augen verloren. Das passiert, wenn man nur noch damit beschäftigt ist, Verträge zu studieren und Abbrechnungen zu prüfen“, sagt er. Mittlerweile sind schon zwei Traumfabrik-Produktionen im Dreh: Christian Alvarts Actionthriller „Steig. Nicht. Aus“ mit Christiane Paul und Wotan Wilke Möhring sowie Markus Gollers Roadmovie durch Deutschland „25 km/h“ mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel.

Ausgerechnet farbenblind

Tom Zickler ist einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten. Dabei wollte er eigentlich Kameramann werden, schaffte sogar die Aufnahmeprüfung an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam-Babelsberg. Doch zunächst musste er zum Militärdienst und der machte seinen Plan zunichte. Bei einer simulierten Übung zur Flugabwehr auf einem Monitor konnte Tom Zickler die roten und grünen Punkte nicht auseinander halten, er brachte die Guten und die Bösen durcheinander und löste Alarm aus. „Da habe ich dann die Wahrheit gesagt.“ Tom Zickler ist farbenblind.

Der Ausbildungsplatz zum Kameramann war damit weg, doch zum Film wollte er trotzdem. Er heuerte bei der Defa als Aufnahmeleiter an, und erlebte eine tolle Zeit. An diversen Märchenfilmen hat er mitgearbeitet, Hunderte von Komparsen organisiert, alle Details kalkuliert. „Ich habe alles kennengelernt, vom Ton bis zur Maske, das nutzt mir noch heute. Vor allem weiß ich jetzt, wie wichtig es ist, sich Zeit zu lassen und Respekt vor den einzelnen Gewerken zu haben“, so Zickler.

Mit kleinen Tricks durch die Planwirtschaft

Und noch etwas hat er gelernt bei der Defa: Wie man sich mit Tricks die besten Bedingungen schafft. „Für alle Filme waren 56 Drehtage vorgesehen, es war schließlich eine Traumfabrik unter sozialistischen Verhältnissen“, so Zickler. Drehte man mit Kindern oder Tieren habe es fünf Tage mehr gegeben. „Deshalb stand in jedem Drehbuch am Ende des ersten Akts: Rückblende, der Held als kleiner Junge, der mit einem Hund spielt. Und schon gab es zehn Tage mehr!“, erzählt er. Die Szene sei später allerdings nie im Film zu sehen gewesen. An zehn Filmen parallel wurde damals auf dem Studiogelände gearbeitet, es gab mehrere Schneideräume, in die man immer mal wieder hineinschaute und der kreativste Raum war die Kantine.

Nach zweieinhalb Jahren bei der Defa begann er das Produktions-Studium an der HFF. „In der Filmhochschule konnte ich das Fenster in meinem Zimmer nicht öffnen, weil es zum Grenzgebiet hinaus ging. Ich hatte immer den Traum, die Welt zu sehen, die dahinter ist“, sagt Zickler. Besonders die Golden Gate Bridge faszinierte ihn schon lange, sie symbolisierte die Freiheit für ihn. Als die Mauer fiel, unterbrach er das Studium und machte sich mit seinem besten Freund auf nach Amerika. Das Geld reicht erstmal nur bis New York und mit den Englischkenntnissen hapert es auch – trotzdem erreichen die beiden nach vielen irrwitzigen Erlebnissen irgendwann San Francisco.

In den USA war es auch nicht einfach

2009 wird die Ossi-Odyssee mit Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke verfilmt, unter dem Titel „Friendship“ produzierte Zickler seine eigene Geschichte. Ein großes Problem während der Verfilmung war es, von den Behörden eine Drehgenehmigung für die Golden Gate Bridge zu bekommen. Zickler holte das Produzenten-Duo Wiedemann und Berg an Bord. Die hatten mit „Das Leben der anderen“ einen Oscar gewonnen und der öffnet in Amerika alle Türen. „Ein halbes Jahr lang haben wir wöchentlich bei der Verantwortlichen angerufen, bis wir die Genehmigung hatten“, erzählt er.

Tom Zickler ist hartnäckig und weiß, was er will. Ein Geschichtenerzähler, der das Kino liebt. Keine schlechten Voraussetzungen für die Traumfabrik in Babelsberg.

Von Claudia Palma

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