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Kultur Wie der Produzent von „Traumfabrik“ die Achtziger in Babelsberg erlebte
Nachrichten Kultur Wie der Produzent von „Traumfabrik“ die Achtziger in Babelsberg erlebte
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00:30 23.06.2019
Tom Zickler auf dem Studiogelände bei den Dreharbeiten zur „Traumfabrik“. Quelle: Julia Terjung
Potsdam

Das Büro der Traumfabrik liegt an der Rückseite der Marlene-Dietrich-Halle. Mittendrin im Gewusel auf dem Gelände von Studio Babelsberg. Das ist ganz nach dem Geschmack von Tom Zickler. „Ich liebe es, wenn viel passiert! Als ich 1986 bei der Defa arbeitete, entstanden hier im Jahr 16 Kinofilme“, erzählt der leidenschaftliche Cineast. 2017 ließ sich Tom Zickler an diesem Standort nieder und gründete mit der Studio Babelsberg AG die Produktionsfirma mit dem schönen Namen Traumfabrik.

„Mir schwebt eine Traumfabrik für deutsche Filme vor. Es herrscht hier auf dem Studiogelände eine kreative Atmosphäre“, sagt der Erfolgsproduzent, der fast jeden Kinohit der vergangenen Jahre zu verantworten hat.

Tom Zickler betrieb mit Til Schweiger die Firma Barefoot, sie brachten Kassenknüller wie „Knocking on Heavens Door“, „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ oder „Honig im Kopf“ auf die große Leinwand. „Während der Zeit mit Til hatten wir immer mal Drehtage in Babelsberg. Und ich bin ein großer Fan von Filmen, die nach dem Studioprinzip entstehen“, so Zickler. Und schließlich entschied er sich, zurückzukehren zu seinen Ursprüngen.

Emil kommt zum ersten Mal mit dem Bus auf das Studiogelände Quelle: Julia Terjung

Der 1964 Geborene wollte eigentlich Kameramann werden, schaffte sogar die Aufnahmeprüfung an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg (HFF). Doch beim Militärdienst kam heraus, dass er farbenblind ist.

Kameramann konnte er nicht mehr werden, zum Film wollte Tom Zickler aber trotzdem. Er heuerte bei der Defa als Aufnahmeleiter an und lernte dort die Gewerke kennen, vom Ton bis zur Maske. Nach zweieinhalb Jahren bei der Defa begann er ein Produktions-Studium an der HFF und startete anschließend durch.

Große Liebe im Sommer 1961

Und jetzt also Traumfabrik – im doppelten Sinn. „Ich trug schon länger die Idee mit mir herum, einen Film über eine Traumfabrik im Sozialismus zu machen,“ so Zickler. Er lud Regisseur Martin Schreier gemeinsam mit dem Drehbuchautoren Arend Remmers auf das Studio-Babelsberg-Gelände ein und zeigte ihnen alles.

„Dann sind wir für drei Tage nach Mecklenburg-Vorpommern in ein kleines Haus gefahren und ich habe ihnen Defa-Filme und meine Fotoalben gezeigt“, erzählt Zickler. So entstand der Plot zu dem opulenten Liebesfilm „Traumfabrik“, den er mit Studio Babelsberg produziert hat: Im Defa-Studio verliebt sich im Sommer 1961 der Komparse Emil, gespielt von Dennis Mojen, in die französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle). Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch durch die Grenzschließung am 13. August werden die beiden voneinander getrennt.

Emil (Dennis Mojen) und Alex (Ken Duken) fahren mit der Ameise über das Studiogelände in dem Film „Traumfabrik“ Quelle: Julia Terjung

Ähnliches kennt auch Tom Zickler. „Meine erste große Liebe mit 15 war Lily, ein Mädchen aus Chile, das nach dem Putsch von Pinochet nach Jena-Neulobeda kam. 1979 musste sie die DDR erlassen. Es gab keine Möglichkeit, sich wiederzusehen. Und Briefe waren wochenlang unterwegs.“ Es sind viele Episoden im Film, die auf Tom Zicklers Leben basieren.

„So wie Emil, unser Protagonist, habe ich es auch erlebt: Ich kam von der Armee und das Defa-Studio war der schönste Platz für mich,“ schwärmt Zickler. Wie Emil hatte auch Tom Zickler zu Beginn seiner Arbeit in den Defa-Studios keine Wohnung. „Ich schlief manchmal in Potsdam/West am Bahnhof. Dann habe ich bemerkt, dass in den Dekos Betten herumstanden. Und die habe ich genutzt“, so Zickler.

Verliebt: Milou (Emilia Schüle) und Emil (Dennis Mojen) in dem Film „Traumfabrik“ Quelle: Julia Terjung

In „Traumfabrik“ gibt es außerdem eine große Szene mit Gänsen, die auch auf Zicklers Leben beruht. „Bei dem Film „Gänsemagd“ 1988 haben wir im Februar angefangen zu drehen, die Gänse aber schon im Dezember gekauft, damit die nicht alle im Kochtopf landen zu Weihnachten“, erzählt er.

„Als wir die Tiere aus Brandenburg abholen wollten, ist erst eine über den Zaun entwischt und dann sind die anderen hinterher – durch den Dreck! Ich kam zurück ins Studio mit den schmutzigen Gänsen.“ Und Tom Zickler hatte die Aufgabe, 100 Gänse zu waschen. „Alle lachten und ich war völlig überfordert“, erinnert er sich.

43 Drehtage, 2000 Komparsen

Keine Frage: „Traumfabrik“ ist eine Herzensangelegenheit für den großen Geschichtenerzähler Tom Zickler. Acht Millionen Euro hat der Film gekostet, an 43 Tagen wurde gedreht, 2000 Komparsen gecastet. Das Stammteam bestand aus 120 Mitarbeitern. „Um Leute ins Kino zu locken, brauchen wir ein Spektakel, tolle Bilder in bester Qualität.“ Und dafür sind große Summen nötig.

Der Aufwand hat sich gelohnt, das haben Testscreenings bereits gezeigt. Und auf dem Filmmarkt in Cannes wurde „Traumfabrik“ nach China, Russland, Italien, Spanien, Israel, Polen, Ungarn und Tschechien verkauft.

Und wie geht es weiter in Tom Zicklers Traumfabrik? „Ich wünsche mir zwei deutsche Filme in der Vorbereitung, zwei im Dreh und zwei in der Postproduktion. Dann wäre ich ein glücklicher Mensch.“

Von Claudia Palma

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