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Kultur „Tonfilm ist Kitsch!“
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20:57 24.03.2013
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„Zehntausend Kinomusiker wurden damals mit der Einführung des Tonfilms arbeitslos“, erzählt Ulrich Illing Besuchern, die vor dem historischen Flugblatt an der Wand des „Kleinen Tonfilmmuseums“ auf dem Areal des Studios Babelsberg verweilen. Doch hauptsächlich sind in dem schallgedämmten Raum im Haus 4, in dem auch das Deutsche Filmorchester Babelsberg sein Domizil hat, knatternde und flimmernde Schätze aus mehr als einem Jahrhundert Tonfilmgeschichte untergebracht. Die Studio-Bosse, für die Illing, ehemaliger Chef der Tonabteilung, inzwischen beratend tätig ist, haben ihn bei der Einrichtung des Museums „großzügig unterstützt“.

Der Diplomingenieur hat immer wieder technische Raritäten vor dem Sondermüll gerettet, wie zum Beispiel jenes tragbare Filmtonaufnahmegerät, gebaut 1953 in Hamburg. Auf der Originalspule erhalten sind Szenen vom letzten Einsatz des Geräts: beim Dreh zum Defa-Kinderfilmklassiker „Alfons Zitterbacke“ von 1965. Ebenfalls aus einer „Rettungsaktion“ stammt das originale Magnettonband zum ersten Musikfilm der Defa, „Figaros Hochzeit“, von 1949, das Illing seinen Besuchern voller Stolz vorspielt: „Früher hieß es ja, Magnettonbänder halten nur ein paar Jahre – von wegen.“

Vom Reisz-Mikrofon aus dem Jahre 1926 über Nadel- und Schellackplatten, Grammophone bis zu transportablen Aufnahmegeräten: Alles, was seit dem vergangenen Jahr im Kleinen Tonfilmmuseum zu sehen ist, funktioniert noch oder erst wieder dank Illing: Er hat einen, 1877 von Edison erfundenen Phonographen (ein Gerät, mit dem man Schallwellen aufzeichnen und wiedergeben kann) wieder zum Klingen, verschiedene Projektoren aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wieder zum Laufen gebracht.

Die antiken Geräte stammen nicht nur aus alten Studio-Beständen, manche ersteht Illing bei Auktionen im Internet. Besuchern führt der kundige Illing – der seit 1970 Defa-Angestellter war, zunächst als Toningenieur, später als Leiter der Abteilung Tontechnik – gern Zeugnisse des cineastischen Frühschaffens vor. Mit Zylinder auf dem Kopf tritt der 65-Jährige dann als „Filmoperateur“ auf: Während vom Plattenspieler Marschmusik läuft, kurbelt Illing im Takt der Bilder einer „Kaiserparade“ von 1912. Mit seinen filmhistorischen Raritäten will Illing dem Filmmuseum (das wegen Brandschutzarbeiten jetzt ohnehin für ein Jahr schließt) keine Konkurrenz machen, betont er. Diese Frage zum Abschluss muss sein: Was macht eigentlich die Panzerfaust im Schirmständer? Illing lacht. „Das ist ein Requisit aus einem von Kurt Maetzigs ,Thälmann’-Filmen.“ Und, na klar, Illing hat auch die Panzerfaust kurz nach der Wende vor dem Müll bewahrt.

Das Kleine Tonfilmmuseum hat keine festen Öffnungszeiten. Wer sich für eine Führung interessiert, meldet sich bitte über Studio Babelsberg, Angelika Müller, 0331/7212132 an. (Von Ricarda Nowak)

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