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Kultur „Toy Story 4“: Weißer, alter Mann in der Spielzeugkiste
Nachrichten Kultur „Toy Story 4“: Weißer, alter Mann in der Spielzeugkiste
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19:23 13.08.2019
Suchen ihren Platz im Kinderzimmer und im Leben: Spaceranger Buzz Lightyear (v. l.), und Cowboy Woody. Quelle: Disney/Pixar.
Hannover

Für die Spielfiguren in „Toy Story“ waren die Wünsche der Kinder stets eine existenzielle Angelegenheit. Schließlich ging es um die eigene Daseinsberechtigung. Denn auch wenn Woody und seine Freunde ein reges Eigenleben hinter verschlossener Zimmertür führten, blieb der Dreh- und Angelpunkt doch das Kind, das mit ihnen spielte. In drei Folgen haben die Pixar-Studios die Welt aus Spielzeugperspektive aufgearbeitet. Im bislang letzten Teil kam es zu einer therapeutischen Schlusswendung, in der Cowboy Woody lernen musste, seine herangewachsene Bezugsperson loszulassen und mit einem anderen Kind in einem anderen Spielzimmer von vorn anzufangen.

Sehen Sie hier den Trailer zu „Toy Story 4“:

Woody auf dem Abstellgleis

Zu Beginn von „Toy Story 4“ hat die neue Besitzerin Bonnie schon wieder das Interesse an der Westernfigur verloren. Immer öfter bleibt Woody unbespielt im Schrank zurück und muss seinen Sheriffstern an Cowgirl Jessie abgeben. Auch in der Spielzeugkiste gehört der weiße, alte Mann zu den Abgehängten. Aber statt Populisten in die Arme zu laufen, hält Woody an der Loyalität zu seiner Besitzerin fest.

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Bonnie bringt vom Schnuppertag in der Vorschule ein selbst gebasteltes Wesen mit nach Hause. Ein Plastik-Göffel als Körper, Pfeifenreiniger für die Arme und ein ungleiches Paar aufgeklebte Augen zieren Bonnies neues Lieblingsspielzeug. Ähnlich wie seinerzeit Frankensteins Monster kommt dieser Forky mit seiner Lebenserweckung nicht recht klar. „Ich bin Abfall“ ruft er und stürzt sich in suizidaler Mission in den nächstbesten Mülleimer.

Gabby Gabby wird zur Entführerin

Woody erkennt, wie sehr Bonnies Herz an dem Göffel-Männchen hängt und findet als Beschützer des todessehnsüchtigen Kerlchens eine neue Aufgabe. Aber nicht nur die Aufsichtspflichten fordern den Cowboy heraus. Bei einem Familienausflug trifft er seine alte Flamme Porzellinchen wieder. Die hat ihre Zeit als dekorative Lampenfigur längst hinter sich gelassen.

Sie ist nun als „verlorenes Spielzeug“ auf eigene Faust unterwegs und pfeift auf den Kinderwunsch, von dem der ewig treue Woody sich nicht freimachen kann. Und da ist auch noch die ungeliebte Puppe Gabby Gabby, die ihr Leben aufgrund eines Defekts in einem staubigen Antiquitätenladen verbracht hat. Ihr sehnsüchtiger Blick richtet sich auf Woodys Sprachmodul, mit dessen Hilfe sie die Aufmerksamkeit eines Kindes zu erwecken hofft. Um an ihr Ziel zu kommen, nimmt sie Forky als Geisel.

Geniale emotionale Tiefenbohrungen

Wieder einmal ist es Pixar gelungen auf der Oberfläche eines Familientrickfilms psychologische und lebensphilosophische Tiefenbohrungen vorzunehmen. Es ist schon genial, wie hier anhand von Spielzeugfiguren Fragen emotionaler Abhängigkeitsverhältnisse, Freiheitssehnsüchte und Liebesbedürftigkeit verhandelt werden – und das nicht nur als Bonmot für die mitgebrachten Eltern, sondern auf eine kindgerechte Weise.

Dazu gehört auch der Schlussgag nach dem Abspann: Bonnie bringt aus der Schule ein weiteres aus einem Plastikmesser gebasteltes Männlein mit. Überfordert tritt das neue Spielzeug aus dem Rucksack heraus und stellt die Frage aller Fragen: „Warum lebe ich?“ „Ich weiß es nicht“, flüstert Forky und entlässt das Kinopublikum ins eigene Dasein.

„Toy Story 4“ – Filminfo

Kinostart in Deutschland: 15. August 2019

Deutscher Titel: „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“

Regie: Josh Cooley

Darsteller: Tom Hanks, Tim Allen, Annie Potts

Filmlänge: 100 Minuten

Altersfreigabe: ab 0 Jahren

Von Martin Schwickert / RND

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