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Kultur Trümmer aus den Bergen des Wahnsinns
Nachrichten Kultur Trümmer aus den Bergen des Wahnsinns
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07:37 13.12.2017
Diese Gesellen machen unglaublich Druck: Deadsmoke. Quelle: Tiberio Sorvillo
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Potsdam

Deadsmoke stürzen uns in einen Abgrund. In ein Ödland ohne menschliche Regung. Matteo, Maurice und Gianmaria aus Italien verbannen uns in ein steinernes Verlies tief unter der Erde. Mit einem monumentalen felsenschweren Mahlen im Sound. „Mountain Legacy“, das zweite Werk der Band, lässt keine Raum zum atmen. Sein Dröhnen ist so brutal gewalttätig, so vernichtend, so niederschmetternd, dass Abwehrkräfte schnell erlahmen – einerseits. Andererseits inszeniert der Vierer, bei dem nun der Tastenmann Claudio Rocchetti für geisterhaft fiese Geräusche und Überleitungen zuständig ist, einen Festschmaus für die Anhänger jener Gemeinden, denen Doom und Sludge heilig sind und den Mittelpunkt ihrer Welt bedeuten.

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Rückblende: Berlin wird 750 Jahre alt. US-Präsident Ronald Reagan fordert den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow vor dem Brandenburger Tor auf, die Mauer niederzureißen. Thomas Gottschalk moderiert erstmals „Wetten, dass...?“ Tennisspielerin Steffi Graf gewinnt ihren ersten von 22 Grand-Slam-Titeln. Und sonst? Whitesnake erschüttern die Welt des Hard Rock mit ihrem Album „1987“. Besser, diese Welt liegt der Band um David Coverdale, den Sänger, der zuvor schon bei Deep Purple seine Stimmband-Akrobatik vorgeführt hatte. Die Platte, die zum 30. Jubiläum überarbeitet vorliegt, landete Hit um Hit. Besonders in den USA liebte man die Truppe mit den schön toupierten Haaren. Allerdings: Zwischen der kommerziell immens erfolgreichen Veröffentlichung und den grandiosen Live-Auftritten ’87/88 wechselte bis auf Anführer Coverdale das Personal komplett. Ebenfalls nachvollziehbar auf der Jubiläumsausgabe. Feuerwerk auf der Bühne und ausgeflippte Fans davor. Einer der neuen formidablen Gitarristen heißt übrigens Adrian Vandenberg. Whitesnake auf dem Rock-Olymp? Nur kurz, denn eine Truppe aus Los Angeles war bereits auf dem Weg dorthin. Gun N’ Roses zeigte einen großen „Appetite for Destruction“.

Whitesnake: 1987 30th Anniversary Edition. Rhino/Warner.

Sein Maler-Leben hängte Adrian Vandenberg, der einst bei Whitesnake mit von der Partie war und der mit deren Chef in Japan mit „Starkes in Tokyo“ ein enorm spannendes Akustik-Set der übergroßen Bandsongs eingespielt hatte, vorübergehend erneut an den berühmten Nagel. Für seine Moonkings, für die er wiederum drei jüngere musikalisch muskulöse Mitstreiter rekrutierte. Somit verknüpft der Saiten-Könner auf der zweiten Platte der „Mondkönige“ seit 2014 den Hard Rock der Goldenen Siebziger mit den härteren Klängen der Gegenwart. Sehr zum Gefallen älterer wie jüngerer Fans. Hach, ja.

Vandenberg’s Moonkings: MK II. Mascot Records/Rough Trade.

Das monströse Grollen steht also im Vordergrund. Die Band bedrängt jeden Zuhörer ganz außerordentlich mit der beispiellosen Schwere und der unnachgiebigen Wucht seiner Songs. Nur gelegentlich lässt der Druck nach, dann winden sich melodiöse Trümmer aus einer Schlucht an die felsige Oberfläche. Wie ein Wimmern von Mönchen, denen nie wieder eine Offenbarung zuteil wird. Bruchstücke des Wahnsinns, der einen in den Finster-Bergen plötzlich ereilen kann. Das Quartett spielte die sieben finsteren Stücke seinen Zweitling übrigens in Bozen ein – ganz in der Nähe eines Friedhofs ein. Sagt uns das was? Vielleicht, dass vieles in Stein gemeißelt steht, an das wir uns lieber nicht erinnern sollten. Denn klein sind wir im Anblick der Berge.

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Das Konzert: Deadsmoke spielen am Freitag, dem 15. Dezember, um 20 Uhr im Badehaus in Berlin-Friedrichshain.

Von Ralf Thürsam

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