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Kultur Was dem Deutschen alles spanisch vorkommt
Nachrichten Kultur Was dem Deutschen alles spanisch vorkommt
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17:15 15.08.2018
Buchtitel Quelle: PR
Potsdam

Der Urlauber beamt sich mit Auto oder Flugzeug in ein anderes Land und wundert sich, dass anderswo immer noch andere Sitten gelten. Dabei will er doch nur ein Höchstmaß an Sonne und Entspannung tanken und den Alltag hinter sich lassen. „Eine kleine Warnung vorab: Die Spanier sind manchmal etwas merkwürdig“, steht auf der Rückseite eines kleinformatigen Taschenbuches, das es in dieser Ausfertigung auch für „die Franzosen“, „die Österreicher“ und „die Japaner“ gibt.

Der Urlauber freut sich, wenn eine Busfahrt vom Strand zurück ins andalusische Städtchen nur 70 Cent kostet. Aber beim Einsteigen werfen die dort Heimischen dem Touristen vernichtende Blicke zu. Warum? Eine Frau zeigt erbost auf eine Warteschlange, die sich wie von selbst gebildet hat. Der Bus ist leer, alle werden einen Sitzplatz bekommen. Das kommt dem deutschen Touristen spanisch vor.

„Andere Länder, andere Sitten“, sagte man früher. Doch dann kamen Globalisierung und das vereinte Europa. Unterschiedliche Währungen, früher ein erstes Signal für bestehende Differenzen, wurden abgeschafft. Bis die vielen Flüchtlinge aus den anderen Erdteilen kamen und den Europäern den Spiegel vorhielten. Die Engländer erkannten sich plötzlich als Engländer, die Polen als Polen und die Italiener als Italiener. Jeder ist sich heute selbst der nächste. Nationale Egoismen und Eigenheiten haben Konjunktur.

„Die Fremdenversteher“ heißt die Buchreihe, die diesen Trend aufgreift. Bisher erschienen 15 Bücher, Stückpreis 8,90 Euro, mit Titeln wie „So sind sie die Belgier“, „So sind sie, die Australier“. Dass es sich dabei um Übersetzungen aus dem Englischen handelt, erklärt Birgit Hempel vom Reise Know-How-Verlag. „Die Originale in England heißen ,The Xenophobe’s Guide‘, also ,Fremdenhasser-Führer‘“, erzählt sie. „Wir hatten Angst, dass der englische Humor in Deutschland falsch verstanden wird. Aber wir wollen über das Lachen Verständnis für andere Nationen herstellen.“

Island und Schweden hätten sich bisher am besten verkauft, Polen so gut wie gar nicht. Und gerade ist auch „So sind sie, die Deutschen“ erschienen. Wer darin liest, versteht auch die Spanier besser, denn es heißt: „Die Deutschen halten nicht viel vom Schlangestehen. An Bushaltestellen tun sie es aus Prinzip überhaupt nicht. Einen Sitzplatz ergattert man nur mittels Ellebogen.“ In Firmenkantinen funktioniere das Schlangestehen in Deutschland dagegen „mit militärischer Präzision“. Daraus wird gefolgert, dass die Deutschen, nur wenn sie sich sozial kontrolliert fühlen, diszipliniert, gerecht und nett miteinander umgehen.

Die merkwürdigen Spanier lassen den deutschen Touristen jedenfalls nicht zur Ruhe kommen. Dafür wartet das Büchlein mit einer weiteren Erklärung auf: „Das Getöse eines kraftvollen Motors ist in Spanien der Beweis dafür, dass man am Leben ist. Es ist die Stille, die verstört. Das ist auch der Grund, warum das Spanische nicht gesprochen, sondern geschrien wird.“

Der englische Humor zündet aber nicht immer. Möchte man wissen, wer das Buch über die Deutschen geschrieben hat, erfährt man, dass Ben Barkow „ein Deutscher alter Schule“ sei, der heute in London lebt. Doch was hat das zu bedeuten: „1956 in Berlin geboren, verbrachte er seine prägenden Jahre mit Lobbyarbeit für den Bau einer Mauer, da er die sozialistische Form der Wäscheaufhängung zutiefst missbilligte.“

Von Karim Saab

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