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12:05 12.07.2017
Rich Robinson hat alte Spiel-Kameraden aktiviert und neue für The Magpie Salute hinzugewonnen.
Rich Robinson hat alte Spiel-Kameraden aktiviert und neue für The Magpie Salute hinzugewonnen. Quelle: Shervin Laines
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Potsdam

Ein Abschied auf Raten war es und ein trauriger Moment, als die Black Crowes aus Atlanta, Georgia zum abgeschlossenen Kapitel der Rock-Historie wurden. Das Ende zog sich hin: 2001 war erstmals Schluss, dann 2010 und schließlich 2015. Es hatte oft und lange geknallt zwischen den Geschwistern Robinson. Chris, der Sänger mit der exaltierten Soul-Stimme, ging seiner Wege und gründete seine sehr psychedelisch angehauchte Brotherhood.

Bruderherz Rich suchte sich hernach ebenfalls eine neue Beschäftigung: Sein neues Projekt nannte er The Magpie Salute. Von der alten Truppe holte er Mark Ford und Sven Pipien am Bass. Das unschlagbare Gitarristen-Duo Robinson/Ford machte damit endlich wieder gemeinsame Sache. Das ist bei den Aufnahmen zum gleichnamigen Debüt der Band sofort zu spüren. Sie hatte sich nach einem alten Aberglauben der britischen Insel benannt: Krähen stehen in der Mythologie für Licht und Schatten. Sie können weiß und schwarz sein. Sie beeinflussen die Dinge des Lebens. Daher muss den Krähen den Gruß erweisen.

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Da hat Dave Kincaid aber lange an seinem Heimstudio in Staten Island rumgeschraubt. Jahre eigentlich. Sollte doch alles tipptopp werden. Dann stimmt die Einrichtung, aber die Software spielte nicht so mit, wie es sich der Boss der Brandos vorstellte. Schließlich galt es, den guten Ruf einer ehrlichen, mitreißenden und geradlinigen Rockband zu verteidigen, als die man sie seit den späten Achtzigern kennt. Und auch, weil dieser mittlerweile ein wenig ramponiert war. Doch Kincaid und Co. - fast alle alte Bekannte aus der Bandgeschichte – bekamen den authentischen Sound, der ihnen vorschwebte, hin. Sie sind wieder da. Älter, aber zupackend wie ehedem.

The Brandos: Los Brandos. Blue Rose Records/Soulfood.

Allison Moorer, man könnte sie auch Frau Earle nennen, da sie mit dem Country-Rocker Steve Earle verheiratet ist, und ihre vier Jahre ältere Schwester Shelby Lynne arbeiten sich auf ihrem ersten gemeinsamen Album durch eine Reihe von Songs, die aus ganz gegensätzlichen Genres stammen. Es ist beachtlich, was die beiden da aus „My List“ von The Killers oder gar aus „Lithium“ von Kurt Cobain machen. Als Songwriterinnen, die eine Weile dem Country verhaftet waren, finden sie zudem überzeugende Lösungen für Stücke von den Louvin Brothers oder dem unvergessenen Troubadour Townes Van Zandt. Souverän, weil sie eine unnachahmliche schwesterliche Magie im Gesang aufbieten. Ein Zauber wie damals in Alabama als kleine Kinder.

Shelby Lynne & Allison Moorer: Not Dark Yet. Silver Cross/Thirty Tigers/Alive.

Hell und dunkel glühen die Stücke, die The Magpie Salute einspielten. Aus dem Repertoire der Black Crowes wurde einiges hinübergerettet. Zudem gibt es umwerfende Versionen von Delaney and Bonnie und War. Die Gitarren erweisen sich abwechselnd Referenz, umwerben einander. Es gibt glutvolle Slides und solistische Duelle. Außerdem hört man die warme, höchst sensible Tasten-Arbeit von Eddie Harsch – der Keyboarder verstarb im November.

Der Song „Time Will Tell“ von Bob Marley gehört ebenfalls längst zum Bestand. Nun wird er mit großer Finesse wiederaufgeführt. Überhaupt die Liebe zum Ausschweifen. Es wird wie ehedem gejammt, dass es eine Freude ist. Und wer hätte wohl gedacht, dass die Südstaatler samt Bezügen zu Blues, Folk und Country-Rock so eine Version von „Fearless“ (Pink Floyd) hinlegen und zu etwas ganz Eigenem machen?

Das Publikum klatscht und johlt entzückt. Denn bis auf ein Stück wurde das Debüt vor einem kleinen Kreis ausgesuchter Gäste live im Studio eingespielt. Übrigens in Woodstock. Unweit davon entstand 1968 das Album „Music From Big Pink“ von The Band. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Nur so viel: Es gibt doch etliche viele Berührungspunkte…

Konzert: The Magpie Salute spielen am Freitag, dem 14. Juli, um 20.30 Uhr im Huxleys in Berlin-Neuköln.

Von Ralf Thürsam