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17:50 25.11.2019
Henrike Commichau als Naturforscherin Jeanne Baret, die sich mit ihrer roten Arbeitermütze im Stück „Jeanne. Ein Fest.“ im Nikolaisaal als Mann verkleidet. Foto: Detlev Scheerbarth Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Sie wollte an den Blumen riechen, für eine Frau schien das noch legitim, aber sie wollte auch die Welt entdecken, in der die Blumen wachsen. Das wirkte vollständig verstiegen. Weil es in die weite Welt und zu den Blumen nur den Weg über das Meer gab, hat sie sich als Mann verkleidet, um auf ein Schiff zu kommen. Nach den Maßgaben der Zeit, in der sie lebte, war so viel Kampfgeist unvorstellbar, er war des Teufels. Jeanne Baret hat im Nach-Barock gelebt, sie kam aus einem mittellosen Haus.

Jeanne Baret war kein Blumenmädchen, sondern Botanikerin. Sie wollte die Pflanzen nicht pflücken, sondern sie entdecken. Ein Unterschied, den man bierernst und mit Traktaten unterm Arm erklären könnte – der sich aber auch leidenschaftlich und lebendig aufbereiten lässt, wenn man die Zugewandtheit und den Schwung von Henrike Commichau besitzt, die als Treibstoff ihres Plädoyers nur eine Tasse Kaffee braucht, auf dessen Schaum der Kellner ihr ein Herz gestreuselt hat.

Der Natur auf der Spur

Das Leben der Naturforscherin Jeanne Baret (1740 -1807) wird vom Chor und Orchester der Universität Potsdam als „halbszenische Semioper“ unter dem Titel „Jeanne. Ein Fest“ inszeniert.

Die Musik stammt aus Opern von Jean-Philippe Rameau (1683-1764).

Die beiden Schauspielerinnen Henrike Commichau (geboren in Potsdam) und Mona Vojacek Koper (geboren in Los Angeles) teilen sich die Rolle der Jeanne Baret. Der Text stammt von Regisseur Swen Lasse Awe.

Jeanne. Ein Fest.“ wird am 26. und am 27. November im Potsdamer Nikolaisaal aufgeführt. Beginn der Vorstellung ist jeweils um 19 Uhr. Karten an der Abendkasse.

Commichau ist neulich 27 Jahre alt geworden, gemeinsam mit ihrer Freundin und Schauspielkollegin Mona Vojacek Koper wird sie diese Jeanne Baret im Potsdamer Nikolaisaal verkörpern. Verkörpern? Sie werden singen, tanzen, sich vorstellen, dass sie ins Meer zu den Haien springen, wenn es darum geht, die Matrosen zu spielen, die „getauft“ werden, wenn sie das erste mal über den Äquator segeln – eine Taufe, bei der sie nackt ins kalte Meer hüpfen, von einem Netz aufgefangen, knapp darunter schwimmen Haie. Henrike Commichau sagt, in der Inszenierung, die von der Universität Potsdam erarbeitet wurde, gehe es manchmal wie in einem 5-Freunde-Roman zu. Was nicht heißt, dass die Geschichte verjuxt wird. Davor schützt das große Wort, das über der Premiere an diesem Dienstag steht – Henrike ölt die Kehle mit Kaffee, dann sagte sie es in einem Zug und fehlerfrei: „halbszenische Semioper“, das ist die Gattung, auf die der Abend hört.

Das Orchester und der Chor der Potsdamer Universität spielen die Musik von Jean-Philippe Rameau, einem Mann aus dem französischen Barock. Wenn Henrike und Mona sich als Jeanne ausgeben, die sich wiederum als Mann verkleidet, dann setzen sie die rote Kappe auf. Eine phrygische Arbeitermütze, mit der Jeanne Baret auf Malereien, die es sehr selten von ihr gibt, dargestellt wird. Das Zeichen ihrer imitierten Maskulinität.

Hinab zum Hai gesprungen

Halbszenische Semioper, das heißt zum Einen, nicht alles explizit zu spielen, was im Text verlangt wird – Mona und Henrike, die sich die Rolle der Jeanne teilen, werden nicht über Bord zu den Haien springen, wenn sie den Äquator überqueren. Was auch dadurch zu erklären ist, dass Potsdam ziemlich weit vom Äquator entfernt liegt. Die beiden Schauspielerinnen wurden an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule ausgebildet, sie haben sich gemeinsam am Theaterhaus Jena beworben, sie wurden genommen und arbeiten eng zusammen, „das macht uns besser“, glaubt Henrike. Nun teilen Sie sich auch die Rolle im Nikolaisaal, sie lesen aus dem Text, den Regisseur Swen Lasse Awe der Jeanne auf den Leib geschrieben hat. „Es geht darum, dass wir ihr eine Stimme geben, denn was im Logbuch des Kapitäns steht, wirkt wie Verklärung und Legende“, glaubt Henrike.

Dort wird behauptet, sie wurde auf Tahiti enttarnt, von den Eingeborenen, die im Logbuch als „Edle Wilde“ gelten. Das hält Henrike für Illusion. „Die Wahrheit ist oft viel prosaischer, wahrscheinlich wurde sie an Bord entlarvt und hatte sehr viel zu erleiden.“

Sie ist auf Mauritius ausgesetzt worden, was in der Textfassung vom Swen Lasse Awe zur schönen Idee führt, dass die blaue Mauritius, die berühmteste Briefmarke der Welt, das Gesicht von Jeanne Baret trägt – als Trost dafür, dass Baret die Pflanze der Bougainvillea zwar entdeckt hat, doch bis heute nicht ihren Namen trägt. Ein Unrecht, das im Nikolaisaal revidiert wird. Nicht immer mit der Akribie eines Botanikers, zuweilen aber mit dem Sturm auf offener See. „Wenn im Text der Wind Text pfeift, muss sich der Nikolaisaal festhalten, dann geht es rund“ – Henrike Commichau lacht.

Von Lars Grote

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