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Kultur Berliner Nachtleben steht still – DJs legen jetzt im Livestream auf
Nachrichten Kultur Berliner Nachtleben steht still – DJs legen jetzt im Livestream auf
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17:11 18.03.2020
Tanzende Menschen in einem Berliner Club – das war einmal. Nun findet das Nachtleben virtuell statt. Quelle: Sophia Kembowski/dpa
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Berlin

In Krisenzeiten wird das Wohnzimmer nicht nur zum Home Office oder Sportstudio, sondern auch zur Tanzfläche. Weil wegen der Corona-Pandemie nicht mehr im Club gefeiert werden darf, gibt es die DJ-Sets aus den Berliner Hotspots nun als Livestream – auf der neu gegründeten Plattform unitedwestream.berlin startet von Mittwoch an täglich ab 19 Uhr ein mehrstündiges Musikprogramm.

>> Lesen Sie auch: MAZ und RBB streamen Konzert von Lang Lang live

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Los geht es mit dem Watergate an der Kreuzberger Oberbaumbrücke, wo unter anderem Claptone und Monika Kruse auflegen. Der virtuelle Club soll neben der Live-Übertragung von DJ-Sets und Konzerten auch Performances, Gesprächsrunden, Vorträge und Filme bieten. Ein „Eintrittsgeld“ wird nicht verlangt, aber zu Spenden auf der Crowdfunding-Seite betterplace.org aufgerufen – soll das Ganze doch dazu dienen, die Mitarbeiter der Clubszene in der Krise finanziell zu unterstützen.

The World's biggest club opens its virtual doors! Opening Wednesday 19h CET live at Watergate...

Gepostet von United We Stream am Dienstag, 17. März 2020

Seit dem 13. März sind alle Berliner Clubs und Konzerthäuser geschlossen, um der Ausbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken. Zuletzt hatten sich zahlreiche Corona-Patienten in Clubs angesteckt. Rund 9000 Mitarbeiter und zehntausende Kunstschaffende sind von der Zwangspause betroffen. Ihnen fehlt nun mindestens ein Monatsgehalt – und wann ihr Arbeitsplatz wieder geöffnet wird, ist noch völlig ungewiss.

„Mit nur 10, 20 oder 30 Euro pro Monat wirst Du unser Förderer und erhältst als Dankeschön eine virtuelle Clubmarke. Zusätzlich kannst Du auch Clubs und Veranstaltern direkt spenden oder Soli-Merch erwerben“, heißt es auf der Webseite der Initiative. „Wir wollten die Sache in die eigene Hand nehmen – und nicht warten, bis die Politik uns Hilfe anbietet“, sagte Lutz Leichsenring, der Sprecher der Berliner Clubcommission, dazu auf radioeins.

Dieser Zettel klebt am Kreuzberger Club „Musik und Frieden“. Quelle: Paul Zinken/dpa

Die Clubcommission und die Initiative Reclaim Club Culture haben „United We Stream“ in Partnerschaft mit Arte Concert ins Leben gerufen, wo schon seit Jahren erfolgreich Opern, Festivals, Schauspiel und Konzerte gestreamt werden, etwa aus dem Neuköllner Club Schwuz.

„Die Idee ist, dass sich alle Clubs in Berlin solidarisch zeigen und jeder an einem anderen Abend ein Streaming anbietet und auf die Spendenplattform aufmerksam macht, damit ein Fördertopf zusammenkommt, über den man dann Nothilfen ausschütten kann“, erklärt Pamela Schobeß, Betreiberin des Clubs Gretchen und Vorstandvorsitzende der Clubcommission. Für die Ausschüttungen des Fonds hat die Clubcommission einen Kriterienkatalog entwickelt und eine unabhängige Jury beauftragt. Acht Prozent der Einnahmen gehen zudem an den Stiftungsfond „Zivile Seenotrettung“.

Im Gretchen fand am Dienstag bereits ein Pre-Opening von „United We Stream“ statt, das vom rbb-Sender Radio Eins übertragen wurde. Wer sich warm tanzen möchte, kann es hier noch einmal anschauen:

#UnitedWeStream

Wir leiten #UnitedWeStream mit einem Pre-Opening aus dem Gretchen ein. Feiert mit uns und rettet damit die Berliner Clubkultur.

Gepostet von radioeins am Dienstag, 17. März 2020

Einen Vorteil hat der digitale Club übrigens: Es gibt weder Türsteher, noch muss man lange Schlange stehen –und um Mitternacht ist schon wieder Schluss. Schlafmangel ade! Gute Boxen sollte man allerdings haben.

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Von Maike Schultz

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