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Kultur Urgewaltig die einen, spinnert die anderen
Nachrichten Kultur Urgewaltig die einen, spinnert die anderen
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07:32 12.12.2016
Vier Briten kommen mit muskulösem Classic Rock um die Ecke.
Vier Briten kommen mit muskulösem Classic Rock um die Ecke. Quelle: Rob Blackham
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Potsdam

Die kommen ohne Umschweife zur Sache. Schon nach ein paar Sekunden lassen The Temperance Movement die Slide-Gitarre in den höchsten Tönen jubilieren. Der Rest marschiert schnurstracks geradeaus. Phil Campbell – er hat keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zum Saiten-Quäler von Motörhead gleichen Namens – schont seine Stimmbändern kein bisschen; Paul Sayer und Nick Fyffe nicht die sechs oder vier Saiten, währenddessen Damon Wilson straff und stoisch den Takt vorgibt. Das Quartett aus London stürmt geradezu durch seine aktuelle, Achtung gebietende und doch erst zweite Langrille „White Bear“. Ihren Bekanntheitsgrad haben die Briten schon beträchtlich verbessert – nicht zuletzt, weil sie vor zwei Jahren die Rolling Stones auf ihren Europa-Konzerten unterstützen durften – hierzulande auf der Berliner Waldbühne. Und so kochen sie ungerührt weiter an einem äußerst schmackhaftem Süppchen, indem die vier Burschen Hardrock und Blues-Elemente mit etwas Southern-Rock-Feeling sämig abschmecken. Markig und robust.

Steve ’n’ Seagulls kleiden Metal und Hardrock in ein besonderes Kostüm. Quelle: Jaako Manninen

Rotzfrech und liebenswert: Schon für „Brothers in Farms“, dieses Wortspiel im Album-Namen, muss man Steve ’n’ Seagulls – huch, noch ein Kalauer – einfach lieben. Diese Finnen spinnen. Polka-Metal nennen die Jungs bescheiden ihre beschwingte Musik, die sie frohgemut zu Kontrabass, Mandoline, Gitarre, Akkordeon und Drums vortragen. Ein Youtube-Phänomen sind sie – groß geworden mit Spaß-Videos. Bitte antesten!

Ungezügelte Lust an der Verfremdung

Das Eröffnungsstück „Aces High“ stammt ja eigentlich von Iron Maiden. Doch ähnelt es vielmehr einem flotten Balkanbeat-Stampfer. Akustisch preschen die fünf dann weiter schön voran, selbst „Sad But True“ von Metallica kommen bei ihrem flinken Bluegrass nicht unter die Hufe. AD/DC schunkeln, fein geklöppelt am Schlagzeug, vorbei. Zudem werden Nightwish, Guns ’N Roses und Nirvana gebührlich verfremdet. Dass die Hayseed Dixies aus den USA schon länger diesen unkomplizierten Umgang mit Stücken der härteren Rock-Szene pflegen, tut dem liebenswerten wie eigenwilligen Vorgehen der Finnen keinerlei Abbruch. Sie sind wie ein Überfallkommando. Bei ihrer Attacke bleibt kein Auge trocken – vor lauter Freude.

Konzerte: The Temperance Movement spielen Dienstag, dem 13. Dezember, um 20 Uhr im Lido in Berlin-Kreuzberg.

Steve ’n’ Seagulls treten am Mittwoch, dem 14. Dezember, um 20 Uhr im Musik & Frieden in Berlin-Kreuzberg auf.

Von Ralf Thürsam

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