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Kultur Van Goghs Weg zum Licht
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19:23 24.10.2019
Vincent van Goghs „Stillleben mit Orangen, Zitronen und blauen Handschuhen“ von 1889. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Irgendwann einmal wollte er ein Bild nur aus Gelbtönen malen. 1889 war es dann endlich soweit: Vincent van Gogh hatte seine berühmten Sonnenblumen auf die Leinwand gebannt. Eine Ikone der Kunstgeschichte und eines der bekanntesten Bilder des Wegbereiters der modernen Malerei.

Die Sonnenblumen sind heute über die ganze Welt verstreut. Sie hängen in London, Washington, Tokio, München oder Amsterdam. Sieben Versionen gibt es davon. Nicht alle sind sie ganz in Gelbtönen geraten.

Van Gogh hat 170 Stillleben hinterlassen

Aber sie zeigen deutlich, wie hart van Gogh auf dieses Ziel hinarbeitete. Sie gehören zu den rund 170 Stillleben, die innerhalb von zehn Jahren er gemalt hat. Immerhin 27 davon sind von Sonnabend an im Museum Barberini in Potsdam zu sehen. Die Sonnenblumen sind freilich nicht dabei. Die lässt kein Museum mehr reisen. Dafür sind im Barberini einige durchaus gleichwertige Perlen zu entdecken.

Düster hat er begonnen, hell und dynamisch sind seine bekanntesten Werke. Im Potsdamer Museum Barberini sind ab Samstag 27 Stillleben von Vincent van Gogh zu sehen. Die MAZ zeigt eine kleine Auswahl.

Die Ausstellung „Van Gogh. Stillleben“, die am Freitagabend eröffnet wird, verfolgt die künstlerische Entwicklung des großen niederländischen Malers. „Es ist die erste Ausstellung, die sich ganz auf die Stillleben van Goghs fokussiert“, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider am Donnerstag bei der Vorstellung der Schau.

Das ist erstaunlich, denn van Gogh ist allseits beliebt. Mit einer van-Gogh-Ausstellung kann man eigentlich nichts falsch machen. Die Besucher strömen zuverlässig. Zu allen möglichen Themen wurden seine Bilder schon zusammengestellt. Zu bestimmten Genres wie Porträts oder Landschaften oder zu seinem bewegten, tragischen Leben.

London, Frankfurt, Potsdam

Erst im August endete in der Londoner Tate Gallery eine Ausstellung über Bezüge van Goghs zur britischen Malerei. Das Frankfurter Städelmuseum hat vor wenigen Tage eine Schau eröffnet: „Making van Gogh“ fragt danach, warum gerade dieser Maler zu einem Idol der Deutschen wurde. Und nun also die Stillleben im Barberini. Ein hochinteressanter Blickwinkel.

„Das Stillleben ist der Anfang von allem“ hatte van Gogh einmal gesagt. Und in der Tat, die Potsdamer Ausstellung zeigt auf beeindruckende Weise anhand dieses Genres, wie sich die Arbeiten van Goghs von den dunklen, von den alten niederländischen Meistern geprägten Bildern unter dem Einfluss der französischen Impressionisten hin zu den hellen, dynamischen Ikonen der Kunstgeschichte entwickelten.

Stillleben waren für van Gogh das Experimentierfeld, auf dem er seine künstlerische Entwicklung vorbereitet und vorgedacht hat“, sagte der Chefkurator des Barberini, Michael Philipp. Sie waren der Ausgangspunkt für seine berühmten Landschaftsbilder und Porträts.

Das erste Stillleben

Den Auftakt macht im Barberini das im Werkverzeichnis mit der Nummer eins versehene Gemälde „Stillleben mit Kohl und Klompen“, ein düsteres, weitgehend in Brauntönen gehaltenes Bild aus dem Jahr 1881.

Doch beim genauen Hinsehen ist bereits zu erkennen, wie der Maler, der sich zu jener Zeit an Rembrandt und Frans Hals orientierte, bereits vorsichtig mit den Farben spielt. Zaghafte Rottöne kontrastieren grünliche Anklänge. Was der spätere van Gogh mit der drastischen Kontrastierung von Komplementärfarben erreicht, kommt hier noch zaghaft zur Geltung: Die Farben leuchten in dieser Kombination deutlich heller.

Um die Werkentwicklung van Goghs nachvollziehbar zu machen, hat Kurator Michael Philipp sich für einen chronologischen Aufbau der Schau entschieden. Der Besucher durchläuft die Lebensstationen des Künstlers von Den Haag über Paris, die südfranzösische Orte Arles und Saint Rémy bis nach Auvers, wo van Gogh 1890 an den Folgen einer Schussverletzung, die er sich selbst zugefügt hatte, starb.

Zwei Museen, zweimal van Gogh

Gleich zwei Museen zeigen derzeit den niederländischen Maler Vincent van Gogh (1853–1889).

Das Städelmuseum in Frankfurt am Main zeigt in der Ausstellung „Making van Gogh“ 50 Werke. Es ist die umfangreichste Van-Gogh-Schau seit 20 Jahren.

Das Museum Barberini wartet mit immerhin 27 Bildern auf: Van Gogh. Stillleben. Museum Barberini Potsdam. Alter Markt, tägl. außer Di, 10-19 Uhr. 26. Oktober 2019 bis 2. Februar 2020.

Eine durchschlagende Erfahrung war freilich die Begegnung mit den französischen Impressionisten in Paris. Obwohl van Gogh enttäuscht war, als er deren Werke erstmals im Original sah, haben sie ihn doch nachhaltig beeinflusst. Unverkennbar ist dies etwa an der 1887 gemalten Restaurant-Szene. Ein Bild, das etwas aus dem Rahmen der Ausstellung fällt, ist es doch kein klassisches Stillleben.

Van Gogh als Pointilist

Doch van Gogh malt die leeren Tische und Stühle fast im Stil des Pointilisten Paul Signac, den er in der französischen Hauptstadt getroffen hatte. Er setzt Farbpunkt neben Farbpunkt, so dass diese zu oszillieren beginnen. Auch wenn van Gogh bald wieder seinen eigenen Weg ging. Die Helligkeit blieb. Dazu kamen die dynamische Pinselführung, die bewegten Flächen und seine Hinwendung zur reinen Farbe, womit er den Expressionismus vorbereiten sollte.

Sein in Auvers entstandenes letztes Werk bildet den Abschluss der Schau: „Blühende Kastanienzweige“, ein durch helle, transparente Farben betörendes Gemälde mit strahlend weißen Blüten und üppig grünen Blättern vor einem kräftig blauen, dynamisch flirrenden Hintergrund. So kennen wir van Gogh.

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