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Kultur Virtueller Rundgang durch das Cabinet des Dr. Caligari
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17:51 12.02.2020
Noch heute stilbildend: Conrad Veidt als Cesare in dem Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“. Quelle: Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
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Berlin

Man würde es heute wohl „Guerilla-Marketing“ nennen. Überall in Berlin tauchten Plakate mit einer zunächst sinnlosen Botschaft auf: „Du musst Caligari werden!“ stand darauf. Darunter zwei knöchrige Hände, die nach irgendetwas greifen wollen – womöglich die eines Mörders.

Worum es sich bei diesem mysteriösen Caligari handelte, war zunächst nicht klar. Aber überall in der Stadt wurde darüber gesprochen. Bis dann endlich bekannt wurde: Es geht um einen Film der Firma Decla – „Das Cabinett des Dr. Caligari“.

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Robert Wienes Werk hat Filmgeschichte geschrieben

Ein Streifen, der in die Filmgeschichte eingehen sollte. Fast genau vor 100 Jahren, am 26. Februar 1920, kam der Stummfilmklassiker in die Kinos. Anlass für die Deutsche Kinemathek in Berlin, ihm parallel zur Berlinale eine Ausstellung zu widmen – unter der Überschrift: „Du musst Caligari werden!“

In der Schau können die Besucher tatsächlich Caligari werden. Denn der Clou der Ausstellung ist ein begehbarer Film. Mit Hilfe einer Spezialbrille bewegen sich die Zuschauer in der Traumlandschaft des Filmes und können den Protagonisten quasi über die Schulter schauen.

Plakat aus der damaligen Werbekampagne. Quelle: Deutsche Kinemathek – Schriftgutarchiv

Dafür wurde die damals im Lixie-Atelier in Berlin-Weißensee erstandene surreale Welt per Computeranimation als virtuelle Realität nachempfunden. Die polnischen Schauspieler Arkadius Jakubik und Jakub Gierszal als Caligari und sein Patientenopfer Cesare wurden zudem mit neuester 3D-Technik, einem sogenannten volumetrischen Verfahren, aus allen Perspektiven in einem Spezialstudio der Firma Volucap in Potsdam-Babelsberg aufgenommen. So erscheinen die Figuren plastisch. Man kann quasi um sie herumgehen.

In einem gesonderten Raum ist freilich auch der Originalstreifen in einer restaurierten Fassung von 2014 zu sehen. Das Werk von Regisseur Robert Wiene hat nicht zuletzt wegen seiner expressionistischen Bildsprache Filmgeschichte geschrieben.

Ein verrückter Plot mit verrücktem Ausgang

Aber auch wegen seiner mehrdeutigen Botschaft. Der über sechs Akte angelegte Plot handelt von dem Schlafwandler Cesare, der von Dr. Caligari aus dem Schlaf erweckt wird. Cesare steht im Verdacht, drei Menschen ermordet zu haben.

Werner Krauß als Dr. Caligari in dem Film von 1920.        Quelle: Deutsche Kinemathek – Fotoarchiv

Als der verrückte Psychiater am Ende als Urheber und Manipulator seines Patienten überführt wird, dreht sich die Handlung. Ausgerechnet derjenige, der seine Machenschaften mit aufgedeckt hat, wird zum Irren erklärt und in die Psychiatrie eingewiesen. So bleibt am Ende offen, was Traum und was Wirklichkeit ist.

Vorbild für viele Filme

Das Cabinet des Dr. Caligari war stilbildend für zahlreiche später entstandene Filme, angefangen bei Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ von 1922, dem ersten Horror-Film, über die Tradition der Psycho-Thriller. Die harten Kontraste und langen Schlagschatten im Film finden sich ebenso bei Alfred Hitchcock wieder wie in den sogenannten schwarzen Filmen der 40er-Jahre in den USA. Aber auch sein Inhalt löste zahlreiche politische Interpretationen aus.

Cesares Traumwelt kommt aus Babelsberg

Der Virtual-Reality-Film „Der Traum des Cesare“ wurde vom Goethe-Institut Warschau und der Filmfirma Ufa X produziert.

Das Filmkonzept von Krysztof Stanislawski wurde in einem Spezialstudio der Firma Volucap in Potsdam-Babelsberg umgesetzt. Volucap verfügt über eines der wenigen volumetrischen Studios weltweit, in dem Menschen in hoher Qualität dreidimensional aufgenommen werden können.

Du musst Caligari werden! Deutsche Kinemathek Berlin, Mi-Mo, 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr. Bis 20. April.

So deutete der Filmtheoretiker Siegfried Kracauer 1947 in seinem berühmten Buch „Von Caligari zu Hitler“ den Film als irrationale Suche nach einer Autorität.

Die Ausstellung in der Kinemathek zeichnet in groben Umrissen sowohl die Entstehungs- wie die Wirkungsgeschichte des Films nach. Zudem sind nachgebaute Modelle sowie Zeichnungen des Filmarchitekten Herrmann Warm zu sehen, der die Dekors damals mitentworfen hatte.

Johnny Depp und Joaquin Phoenix

Welche Wirkung die Ästhetik des Films bis heute hat, zeigen Porträts von Johnny Depp aus Tim Burtons Film „Edward mit den Scherenhänden“ von 1990, dem The-Cure-Sänger Robert Smith oder Joaquin Phoenix aus dem unlängst erschienenen Film „Joker“. Conrad Veidt als Cesare bleibt mit seinem schwarzen Rollkragen, den zerzausten Haaren und dem Kajalstrich unter den Augen bis heute stilbildend.

Von Mathias Richter

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