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Kultur Volksbühne zeigt „No-Future“-Bilder
Nachrichten Kultur Volksbühne zeigt „No-Future“-Bilder
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18:02 01.02.2018
Jugendliche Kraft: Das Projekt „Waffenruhe" von Michael Schmidt auf der Fassade der Berliner Volksbühne. Quelle: Foto: dpa
Berlin

Am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin steht wieder die Mauer. Zumindest für einige Minuten. Dann verschwindet sie wieder, doch sie kehrt immer wieder zurück – aber nur bei Nacht. Dann werden nämlich Fotos des Betonwalls auf die neoklassizistische Fassade der Berliner Volksbühne projiziert. Seit Mittwochabend sind dort verstörende Bilder des 2014 verstorbenen Berliner Fotografen Michael Schmidt zu sehen. Dazu erscheinen Textzeilen des 2001 gestorbenen Schriftstellers und Theaterregisseurs Einar Schleef.

Die Kombination ist kein Zufall. Fotos und Texte entstammen dem 1987 in Westberlin erschienenen Fotoband „Waffenruhe“. Darin waren 39 Fotos von Schmidt und ein Auszug des 1. Kapitels von Schleefs Buch „Zigaretten“ enthalten. Eine gleichnamige Ausstellung im selben Jahr im Gropius-Bau zeigte die Bilder zusammen mit 14 Sätzen dieses Schleef-Textes. Der Foto-Band war lange vergriffen und wurde zeitweise zu Preisen um die 600 Euro und mehr gehandelt.

Täglich von Sonnenuntergang bis Mitternacht

Nun ist beides wieder zu haben. Das Buch ist in einer kleinen Auflage bei Koenig Books in Londen wiedererschienen. Und Teile der legendären Ausstellung sind bis 11. März auf der Fassade der Volksbühne zu sehen. 41 Minuten dauert die Performance. Von Sonnenuntergang bis Mitternacht wird der Zyklus täglich jeweils sieben mal gezeigt.

Es sind schroffe Bilder der geteilten Mauerstadt. Michael Schmidt hat das Westberlin der 80er-Jahre aus befremdlicher Perspektive fotografiert. Es war ein neuer Stil. Schmidt, der 1976 in Kreuzberg die „Werkstatt für Photographie“ gegründet hatte, arbeitete nicht mehr streng dokumentarisch. Seine Schwarz-weiß-Aufnahmen haben Unschärfen. Die Kamera fährt teilweise so nahe an den Gegenstand, dass schwarze Flächen entstehen. Es ist eine Fotografie, die kommentarlos in die Welt eintaucht.

Teile der Berliner Mauer auf der Fassade der Volksbühne. Quelle: dpa

Schmidts Bilder verkörpern das Lebensgefühl der jungen Generation in der eingemauerten Stadt. Sie zeigen Wut und Frustration, Widerstand und Verzweiflung. „Waffenruhe“ dokumentiert die Pause in einem permanenten Kriegszustand. „Er beabsichtigte keine Veränderung. Er wollte den Schnitt jeden Tag spüren“, schreibt Einar Schleef. Das ist das „No-Future“-Gefühl der 80er-Jahre. Doch im Nachhinein kündigen gerade diese Bilder, einen Epochenbruch an – den Fall der Mauer nur wenige Jahre später.

Schmidt und Schleef sind längst zu Klassikern geworden

Dieser subjektive Blick auf das Berlin der Vergangenheit wird nun auf die Volksbühne von heute geworfen. Wird damit gewaltsam aktualisiert, was längst ins Museum gehört? Schmidt und Schleef sind heute schon Klassiker ihrer Disziplin. „Waffenruhe“ landete schon 1988 im MoMa in New York.

Trotzdem hat die Projektion auf die Volksbühne ihren eigenen Reiz. Die durchbrochene Fassade erlaubt auch eine gebrochen Sicht auf Schmidts Berlin-Bilder. Die grauen Landschaften und Straßenzüge passen gut zur Volksbühne, die Kraft, die die jugendlichen Gesichter ausstrahlen, könnte Aufbruch versprechen. Durch private Videos von der Performance, die wohl bald auf Youtube zu finden sein werden, dürften neue, demokratisierte Massen-Kunstwerk entstehen.

Michael Schmidt: Waffenruhe. Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, tägl. nach Sonnenuntergang bis Mitternacht. Noch bis 11. März

Von Mathias Richter

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