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Kultur Wechsel an der Spitze der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Nachrichten Kultur Wechsel an der Spitze der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
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20:21 04.04.2018
Das Schloss in Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz). Im September 2015 wurden die restaurierten Festsäle übergeben. Quelle: Fotos: dpa
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Potsdam

Wolfgang Illert hat sich um die märkische Kulturlandschaft verdient gemacht. Sein heutiger letzter Arbeitstag als Geschäftsführer der Brandenburgischen Schlösser GmbH (BSG) verläuft für den gebürtigen Hessen aber alles andere als nach Plan. „Ich will keine Abschiedsfeier, denn ich hätte gern noch weitergemacht“, sagt der 59-Jährige, der seit 2008 in Doppelfunktion auch Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist. Im Frühjahr hatte sich der Stiftungsrat ohne Gegenstimme entschieden, Illerts Vertrag nicht zu verlängern.

Auch wenn der promovierte Kunsthistoriker nicht verrät, was gegen ihn gesprochen haben könnte, seine Meriten sind mit den Händen zu greifen. Die 1992 gegründete Schlösser GmbH ist ohne ihn kaum denkbar. Vor 25 Jahren überzeugte der damalige Gebietsreferent der DSD seinen Arbeitgeber in Bonn, mit dem Land Brandenburg eine beispiellose Kooperation einzugehen. Die öffentliche Hand übertrug der privatrechtlichen, deutschlandweit agierenden Körperschaft das Eigentum an 16, zum Teil völlig heruntergekommenen Adelssitzen und zog sich später als Gesellschafter und Geldgeber zurück.

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Die BSG sorgt seither für ihre Erhaltung, für den Wiederaufbau und in zehn Fällen auch für eine denkmalgerechte Nutzung. So flossen 50 Millionen Euro aus privatem Spendenaufkommen zusätzlich nach Brandenburg.

Denn eines steht fest: So sehr die alten Schösser Dörfer und Regionen prägen und aufwerten, für ihre Sanierung und auch für ihren laufenden Unterhalt vermag kaum eine Kommune aufzukommen. In den 1990er Jahren winkten viele Glücksritter und Fantasten mit unseriösen Versprechen. Nicht wenige trieb die Vision, ein Schloss rein privat zu nutzen und die Öffentlichkeit aus den Parks auszusperren. Die DSD garantiert aber per Satzung die Zugänglichkeit. An dieser Klausel scheiterte in einem Fall der mögliche Weiterverkauf einer Anlage, da als Nutzung eine Botschafter-Residenz vorgesehen war.

„Wir sind immer in drei Schritten vorgegangen“, erklärt Illert. „Zunächst hieß es: Fenster vernageln, Dach decken, den Wettlauf gegen die Zeit beenden. In Phase zwei sanieren wir dann die äußere Hülle und stellen die Statik, die Stuckdecken, Fußböden, Fenster und Türen wieder her.“ In diesem „eingemotteten“ Zustand befindet sich seit Jahren das Schloss Lieberose (Dahme-Spreewald), in das immerhin 1,3 Millionen Euro Baukosten geflossen sind. Mit einem nutzungsbezogenen Ausbau wird noch gewartet, weil sich bisher kein Mieter fand.

Sanierungs- und Ausbaukosten werden von der BSG nicht auf die Miete umgelegt. „Wir nehmen etwa 5,50 Euro pro Quadratmeter, um den laufenden Unterhalt abzusichern.“ Illert weiß, dass sich in Lieberose kein Hotelbetrieb lohnt. Seine Hoffnung, dass reiche Berliner ihre Zöglinge bald nicht mehr nach England oder Oberbayern in ein Privatinternat schicken, sondern nach Lieberose, hat sich bisher nicht erfüllt. Aber: „Die Rettung eines Schlosses ist aus unserer Sicht kein Fehler. Wenn man rein wirtschaftlich denkt, sind alle Schlösser ein Fehler“, so Illert, der selbst als Mieter in einem Altbau in Berlin-Wilmersdorf lebt.

Dank der BSG ist Schloss Blankensee heute ein Tagungshaus. Schloss Diedersdorf (beide Teltow-Fläming) wurde an ein Steuerberatungsbüro vermietet. Und in Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) wurden 24 Millionen Euro verbaut. Nach 17 Jahren kam hier u.a. ein Luxushotel unter.

Die Gefahr, dass die Schlösser weiterverkauft werden, besteht laut Illert nicht. Das wachsende Anlagevermögen der BSG werde nicht beliehen. „Ich habe immer nur das Geld ausgegeben, das ich schon hatte“, sagt Illert stolz. „Das hat mich einmal fast den Kopf gekostet, weil ein Mann der hohen Politik von mir wollte, dass ich Aufträge erteile, ohne die Deckung dafür zu haben.“

Worauf ist er besonders stolz? Dass er dafür gesorgt hat, dass die DSD eigene denkmalgeschützte Häuser bezogen hat. In Bonn arbeiten die etwa 150 Mitarbeiter nun in einem Bau von Sep Ruf aus den 1950er Jahren. Die Berliner Geschäftsstelle zog ins Nicolaihaus, ins älteste Gebäude der Hauptstadt.

Und was kommt nach Illert? „Mein Nachfolger ist kein Kunsthistoriker. Ich finde es natürlich nicht gut, dass an der Spitze der Deutschen Stiftung Denkmalschutz künftig zwei Betriebswirte stehen.“

Von Karim Saab

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