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Kultur „Widows" und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur „Widows" und mehr DVD-Tipps
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12:35 20.06.2019
Quelle: Getty Images/iStockphoto
Hannover

Der Spitzenkandidat. Ein Film aus den Zeiten, als Politiker noch moralisch zur Kasse gebeten wurden, in denen die Boulevardpresse aus privaten Verfehlungen Kapital schlug und sie nichtbilligte. 1988 war der Senator Gary Hart der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA. Ein relativ junger, dynamischer Politiker, der die Sehnsucht Amerikas nach einem neuen Amerika hätte erfüllen können. Was ihn zu Fall brachte, war die Affäre mit einer jüngeren Frau.

Hugh Jackman spielt den Mann von morgen, der wegen eines Zeitungsartikels im Miami Herald zum Mann von gestern wird bevor er auch nur einen Tag der Mann von heute sein kann. Jackman ist gut – ein ambivalenter Polit-Superstar mit Kanten und Empfindlichkeiten. Die Kamera in Jason Reitmans („Juno“, „Up in the Air“) Drama ruht allerdings beinahe allein auf ihm, andere Darsteller wie Vera Farmiga (Harts Ehefrau) und J. K. Simmons (Harts Wahlkampfchef) werden nur gestreift.

Ein sehenswerter Film in Zeiten, in denen amtierende Präsidenten öffentlich und ohne Folgen für die Karriere ein Begrapschungsrecht des anderen Geschlechts für sich reklamieren und die Medien der Unehrlichkeit bezichtigen. Ein Plädoyer für die Begabung, für das Recht auf Privatleben und gegen den Glitsch des menschenfressenden Boulevards.

Der Spitzenkandidat Quelle: Sony

Ralph reicht’s 2 - Chaos im Netz. Die lebenden Videospielhelden Randale-Ralph und Vanellope sind zurück. In „Chaos im Netz“ hat jemand das Steuerrad von Vanellopes Rennfahrerspiel „Sugar Rush“ zerbrochen. Nur wenige Tage bleiben ihr und Ralph, um Ersatz zu beschaffen, sonst wird der Besitzer die alte Spielebox (und damit Vanellopes Heimat) entsorgen. Moderne Zeiten ziehen zeitgleich in die Spielearkade ein - ein Wifi-Anschluss,mit dem „Litwac’s Family Fun Center“ online geht. „Wifi, das ist ein Hund oder was Französisches“, mutmaßt Ralph.

Und schon sind er und Vanellope – schwupps –im Internet, das eine fantastische Zukunftsmetropole ist. Dort treffen sie auf Useravatare, figürliche Pop-up-Werbung, Ad-Blocker und Chefalgorithmen und können in Browser genannten Flugautos über Luftautobahnen zu den Wolkenkratzern diverser Websites flitzen. In Auktionen bei E-Bay, so weiß die Suchmaschine Herr Alleswisser, könne man auch das gesuchte Rad ersteigern.

Disney bevölkert und erklärt das Internet. Warum nicht, das Fantastische war seit je das Kerngeschäft im Haus der Micky Maus, das früh Tiere sprechen ließ („Bambi“) oder gleich in menschliche Klamotten stopfte (Micky, Donald, Goofy). In „Ralph reicht’s“ erschufen die Regisseure Rich Moore und Phil Johnston einen Alltag von Spielfiguren, die mehr sind als Einsen und Nullen, die Gedanken fassen, Gefühle haben, sich nach getaner Arbeit auf einen Feierabendplausch treffen.

Sechs Jahre später wird der Blick geweitet. Und die Landeier stolpern überfordert durchs Web. Moore und Johnston leisten sich nicht nur Spitzen gegen die Auswüchse des Internets, sondern auch gegen die Handlungsmuster von Disneyfilmen. Gipfel des Vegnügens ist ein Besuch Vanellopes auf der Website Disney.com, um dort Herzchen für Ralph zu sammeln.

Die versammelten Disney-Prinzessinnen – von Schneewittchen bis zur Eiskönigin – befragen den Gast auf ihren royalen Status und nach ihren Erfahrungen: „Glauben die Leute bei dir auch, dass all deine Probleme gelöst waren, nur weil ein starker Mann kam?“ Der starke Mann Ralph muss dann lernen, dass Frauen auch alleine klarkommen, dass Freiheit das Herz der Freundschaft ist. Diese Disney-Prinzessin emanzipiert sich. Ein Fortschritt!

Ralph reicht’s 2 - Chaos im Netz Quelle: Disney

Plötzlich Familie. Sie sind kleine Leute mit einem großen Herz. Pete (Mark Wahlberg) und Ellie (Rose Byrne) wollen ihr Heim mit Kinderlachen anfüllen. Sie finden die Website einer Kinderadoptionsstelle und können gar nicht anders, als die 15-jährige Lizzie (Isabela Moner) und ihre beiden Geschwister Juan (Gustavo Quiroz) und Lita (Julianna Gamiz) aufzunehmen.

Was das Kinderlachen betrifft, gehen sie dann erstmal leer aus: Die kleine Lita sagt mit Vorliebe „Nein“, Juan ist ein Unglücksrabe vor dem Herrn, und Lizzie pubertiert wie verrückt - für Eltern nie komisch. Sean Anders bringt in seinen Filmen normalerweise den ganz normalen Wirbel, der in jeder Familie wirbelt, auf Hurrikanstärke, davon zeugen ziemlich anstrengende Komödien wie „Der Chaos-Dad“ mit Adam Sandler oder die zwei „Daddy’s Home“-Filme mit Will Ferrell und Wahlberg.

In „Plötzlich Familie“ jedoch arbeitet der Regisseur und Autor seine eigenen Familienerfahrungen mit ein, und so bekommt sein Film einen ernsteren Unterton. „Plötzlich Familie“ birgt Herzenswärme, wo Anders bislang eher der „Ätsch, Ätsch, ausgelacht“-Typ war.

Der Film zeigt, dass sich Adoptivfamilien erstmal kantig, spitz und fremd anfühlen. Bis die Kinder „Mama“ und „Papa“ sagen, ist noch jede Menge Zeit für einige Turbulenzen und das 08/15 des Slapstickkinos. Ein paar Mal lässt Anders dabei das Taktgefühl im Stich, manchmal der gute Geschmack. Meistens lacht man aber. Siehste wohl! Geht doch!

Plötzlich Familie Quelle: Universal

Widows. Die „Sache“ lief schief, die Männer sind tot, sie kommen nicht zurück, um ihre Frauen zu beschützen. Sie haben einen Mann bestohlen, den man besser nicht bestohlen hätte, einen schwarzen Unterweltboss, der gegen den Weißen Jack Mulligan (Colin Farell) antritt, um Stadtrat zu werden, und der sein Geld für den Wahlkampf braucht.

Zwei Millionen Dollar will Jamal Manning (Bryan Tyree Henry) von den Witwen zurückbekommen, sein Bruder (Daniel Kaluuya), der für die galanteriefreien Arbeiten zuständig ist, ist ein Psychopath, der binnen Sekunden von lässig auf ultrabrutal schalten kann.

Drei der Frauen tun sich zusammen, um einen unvollendeten Coup ihrer Männer durchzuziehen und die Schuld mit einer neuen Untat zu begleichen. „Auf uns wartet viel Arbeit. Heulen steht nicht auf der Liste“, sagt Veronica (Viola Davis) zu ihrer Komplizin Alice (Elizabeth Debicki). Und das mit der Arbeit ist stark untertrieben, sie ist äußerst riskant, geradezu lebensgefährlich.

Der britische Regisseur Steve McQueen („Hunger“, „Shame“, „12 Years A Slave“) begibt sich mit „Widows“ erstmals in den Unterhaltungssektor. Ein grimmiges, ausgefeiltes Heist-Movie mit knallharter Action ist das Ergebnis, das mit den Themen #MeToo, Black Lives Matter und Korruption unterfüttert wird. Die Geschichte ist halb Drama, halb Genrestück, zur Filmhälfte gibt es eine abenteuerliche Wendung, die der Zuschauer halb erahnt hat und die der Heldin einen völlig neuen Motivationsschub gibt.

Der Schnitt des Films, der etwa eine harte Verfolgungsjagd gegen eine trauernde Witwe in einem halbleeren Bett setzt, macht aus „Widows“ etwas Besonderes, ebenso der dunkle, zuweilen perkussive, thrillende Soundtrack von Hans Zimmer und die erlauchten Bilder von McQueens bevorzugtem Kameramann Sean Bobbit. Aber es ist Davis, die diesen Streifen unvergesslich macht.

Widows Quelle: 20th Century Fox

Robin Hood. Ja ja, wir wissens! Robin Hood gabs erstens gar nicht, und zweitens war er ganz anders. Nicht so feminin in Strumpfhosen gewandet wie der spitzbärtige Errol Flynn in dem Film von 1938, gewiss nicht so friseurverpfuscht wie Kevin Costners Vokuhila-Robin von 1991. Vielmehr eine Verdichtung diverser Persönlichkeiten und Begebenheiten. Wen scherts? Die Geschichte von Robin ist wichtiger als ihre Verbürgtheit.

Der Hood hat uns immer ermahnt, wie man sein soll, ob ihn nun Sean Connery spielte, Russell Crowe oder ein Fuchs aus den Disney-Gefilden: Widerständisch gegen alles Unrecht, loyal zu guten Herrschern, teilend mit den Armen und Elenden. Dass man dazu Räuber sein durfte, war neu. Otto Bathurst, umtriebiger britischer TV-Regisseur von Serien wie „Criminal Justice“, „Peaky Blinders“ und derzeit „His Dark Materials“, sortiert in seiner neuen Verfilmung den ob seiner Unbewiesenheit flexiblen Mythos nach Gutdünken neu.

„Vergiss, was du zuvor gesehen hast, vergiss, was du zu wissen glaubst“, lautet denn auch der Eingangsmonolog zu „Robin Hood“. Oje. Immerhin sind wir in Nottingham, das hier ein Staat im englischen Staate zu sein scheint. Der Sheriff dieses Gemeinwesens (Ben Mendelsohn) verpflichtet Lord Robin (Taron Egerton) zum Kriegsdienst auf den Kreuzzügen.

Als der junge Edelherr von Loxley nach Hause zu seiner geliebten Lady Marian (Eve Hewson) zurückkehren will, muss er feststellen, dass sein Familiensitz zerstört ist, sein Geld und seine Braut weg sind und sein Volk grausam unterdrückt wird. Entsprechend tut er sich mit einem Kraftmeier namens Petit Jean (Little John) zusammen, der in dieser Neuerzählung ein flüchtiger maurischer Kriegsgefangener ist. Revenge is Bloodsausage.

Und nun geht Bathurst in die erzählerische Breite. Ist ja ehrenwert, dass Robin den Reichen nimmt, um den Armen zu geben, aber diese Geschichte klassenübergreifender Nächstenliebe kennt jedes Kind. Also muss der neueste Robin auch noch eine Verschwörung in der Regierung von Nottingham aufdecken. Und er muss mit Little John einen Disput über die Gier und Grausamkeit der moralisch verkommenen Katholischen Kirche führen. Über Religion als Movens für Terror und Krieg.

Ja, dieser Hood hat Relevanz in unseren Tagen. Aber wir liebten den Hood für seine tänzerische Eleganz und seinen prickelnden Humor, für seine superheldischen Pfeile, die den Pfeil des Gegners im Schwarzen der Turnierscheibe noch spalteten, und zwar ganz ohne Slo-Mo-Mätzchen.

Robin Hood hatte den Bogen raus, stand für sich, hatte sogar eine sozialistische Botschaft für die nimmersatten Vermögensmehrer. Der heutige im Übrigen bartlose Robin hat nur Löcher im Köcher, stiehlt nur unsere Zeit. Nur ein einziges Mal scheint der Regisseur zu bemerken, dass weniger mehr ist. Und wieder fühlt es sich falsch an. Sie nennen Robin hier Rob. Allen Ernstes!

Robin Hood Quelle: Studiocanal

25 km/h. Der eine fährt so ein Mofa, das aussieht wie ein Bonanzarad mit Motörchen, der andere ein noch Schlimmeres, eine Zündapp, die optisch einem richtigen Motorrad ähnelt, aber oberlahm dahinpöttert.

Beide Fahrzeuge sind mit Männern in dunklen Anzügen besetzt, mit den Brüdern Christian (Lars Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel), die sich zum ersten Mal seit Ewigkeiten bei der Beerdigung des Vaters im Schwarzwalddörfchen treffen, zu der der Karrierist Christian – wie bei allen privaten Dingen – zu spät kommt.

Sie erinnern sich an ein Jugendvorhaben – eine Fahrt mit den Knatterkisten bis zur Ostsee samt Trunkenheit, Frauengeschichten und einmal beim Griechen die Speisekarte rauf und runter putzen. Die beiden deutschen Blues Brothers kommen sich wieder näher und damit kommen auch die elenden Wahrheiten auf den Tisch, die sie fast wieder auseinanderbringen.

Mädel und Eidinger sind ein Klasseteam in einer Klassekomödie von Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg („Friendship“). Ein Fest guten Humors, ohne dass alles gleich ins Märchenhafte und oder Schwülstige abdriftet. All die, die von den Schweiger-Schweighöfer- Klamotten satt sind, und der Deutschkomödie nichts mehr zutrauen, sollten es mal mit „25 km/h“ probieren. Einem Film, der einem viel schneller vorkommt.

25 km/h Quelle: Sony Pictures Entertainment

Black Lightning – Staffel 1. Jeff Pierce (Cress Williams) geht es gut. Er ist ein angesehenes Gemeindemitglied, seit sieben Jahren Schulleiter der Garfield High, einer Schule, die er von Gewalt gereinigt hat. Das Geheimnis, das er mit seiner Exfrau (Christine Adams) teilt: Bis vor neun Jahren war er Black Lightning, ein Superheld, der Elektrizität saugen und neu verteilen kann.

Die „Gabe Gottes“ hatte seine Gesundheit und seine Ehe ruiniert, und er lebte nicht in den Vierziger- und Fünfzigerjahren, wo die Gesellschaft Leute wie Superman und Batman einheitlich toll fand. Als seine jungen Töchter Zielscheibe von „The 100“ werden, der führenden Gang der Stadt, wird er in sein altes Leben zurückgezwungen. Sein schlechtes Gewissen, die Kräfte nicht nur für sich nutzen zu dürfen, treibt Pierce dann komplett zurück ins Vigilantentum.

Black Lightning ist DCs Black Panther - mit einem überschaubareren Umfeld im fiktiven Freeland, Georgia. Er hat eine komplizierte Vergangenheit, eine zerrissene Seele und einen alten weißen Gefährten à la Butler Alfred (James Remar), der immer an seine Rückkehr glaubte und ihm vorausschauenderweise einen neuen, reichlich funkadelic wirkenden Heldenpanzer gefertigt hat.

So zieht Black Lightning in den Krieg gegen die Mobster, ihre Revolvermänner und eine korrupte Polizei. Martin Luther King zitieren und wie Malcolm X handeln – Black Lightning ist in einem rassistischen Amerika der Kämpfer für eine Bevölkerungsgruppe, die einen Superhelden brauchen kann. Wie es einen Superhelden bräuchte, der den Antisemitismus in der Welt bekämpft und einen für alle, die eine andere als die Heterosexualität besitzen. Die Dialoge sind reichlich seifig, die Figuren eher leichte Skizzen in einer simplen Story – und trotzdem sagt diese Serie viel über Amerika.

Black Lightning – Staffel 1 Quelle: Warner

Der Flug der Phoenix. 150 Meilen vom Kurs ist das Flugzeug in einem Sandsturm abgestürzt. Anfangs glauben die Überlebenden noch, dass sie binnen Kurzem von einem Suchkommando gefunden werden. Doch bald müssen sie erkennen, dass sie in den Sanddünen der Wüste, den brennendheißen Tagen, den bitterkalten Nächten auf sich gestellt sind.

Robert Aldrich inszenierte 1965 den Weltklasse-Abenteuerfilm „Der Flug der Phoenix“. Witzbolde und Defätisten, Haudraufs und Angsthasen müssen in einer klaustrophobischen Situation miteinander auskommen. Nach fünf Tagen in lebensfeindlicher Natur münden die Reibereien in erste Eskalationen.

Während sich der Offizier Captain Harris (Peter Finch) in Richtung einer Oase aufmacht, versucht der rechthaberische deutsche Flugzeugkonstrukteur Dorfmann (Hardy Krüger) den störrischen Captain Towns (James Stewart) und dessen Navigator Moran (Richard Attenborough) zu überzeugen, aus den Trümmern der Maschine ein Behelfsflugzeug zu bauen.

Ronald Fraser, Ernest Borgnine und George Kennedy sind weitere große Namen in einem großartigen Ensemble, das ein Fest gruppendynamischer Zerfallsprozesse zelebriert. Bei fast zweieinhalb Stundenlänge, wird das Drama nie langweilig und übertrifft sein Remake von 2004 um Längen.

Der Flug der Phoenix Quelle: 20th Century Fox

Bomb City. Tony Christie fragte in seinem größten Hit nach dem Weg nach Amarillo, Regiedebütant Jameson Brooks führt sein Publikum genau dorthin - in die texanische „Bomb City“ (so genannt wegen einer Fabrik die Nuklearwaffen baut). Und, nein, man möchte Christie nicht unbedingt dorthin folgen. Die wahre Geschichte dieses Sozialdramas führt uns zurück in das Jahr 1997, als ein Parkplatzkrieg zwischen Punks und Rechten mit einem Toten endete.

Beim Fastfood-Diner McFrosty beginnen die Zwistigkeiten zwischen den Punkkumpeln von Brian (Dave Davis) und den elitären Footballspielern. Brooks zeigt die Kontrahenten: die verachteten Punks mit ihren Insignien des anarchischen Außenseitertums und ihrem freundlich-nervtötenden Schmarotzertum. Und die gesellschaftlich akzeptierten Footballfans, die diskriminieren und die Punks aus dem Auto mit Bierflaschen bewerfen.

In die Erzählung der Eskalation werden Szenen aus dem folgenden Gerichtsprozess gezeigt, in dem die Punks vom Anwalt des Täters als krimineller gesellschaftlicher Bodensatz diffamiert werden. Gute Inszenierung, guter dramatischer Aufbau, gute Darsteller und guter Punkrock (von den Lieblingsbands des toten Brian) als Soundtrack.

Kein Zweifel aber, wem die Sympathie des Regisseurs gehört, was im Schlussplädoyer des Täteranwalts dann leider völlig überzogen wirkt. Die Botschaft: Du sollst andere achten. Wer anders aussieht, hat auch das Recht dazu. „Normal“ gibt es nicht. Sollte man sich merken.

Bomb City Quelle: Indeed

Anna und die Apokalypse. Unverstandene Teenager. Ein Weihnachten ohne Schnee. Eine Schultheateraufführung unter einem Borderline-Direktor. Und Zombies. „Anna und die Apokalypse“ ist ein blutiges Musical aus der „Rocký Horror/Little Shop of Horrors“-Ecke.

Wenn die Titelheldin (Ella Hunt), abgeschottet vom Straßenlärm durch Kopfhörer, sich frohgemut mit einem Lied ihr Leben ausmalt, dazu – das ewig irreale Element des Musicalgenres – Instrumente aus dem Nichts erklingen, gesellt sich nicht etwa eine perfekt choreografierte Straßentanztruppe zu ihr, sondern die untoten Kannibalen fallen hinter ihrem Rücken über die Lebenden der schottischen Kleinstadt Little Haven her.

Anna und ihr bester Freund John (Malcolm Cumming), ihre miteinander liierten Freunde Chris (Christopher Leveaux) und Lisa (Marli Siu), die lesbische Steph (Sarah Swire) und der Macho Nick (Ben Wiggins), der mit seinen Kumpels den Zombie-Highscore schaffen möchte, kämpfen ums Überleben. Es geht natürlich auch in dieser Untotensause ums Erwachsenwerden, um das unentdeckte Land Morgen, nachdem man sich sehnt und vor dem es einem zugleich unendlich graut.

Wie in „The Walking Dead“ (seit Staffel 8 in schwerer Redundanzkrise) sind führende Charaktere keinesfalls bisssicher, wie in George A. Romeros „Zombie“ fahren die Überlebenden am Ende einer unsicheren Zukunft entgegen. Wobei es natürlich immer ein „light over at the Frankensteinplace“ gibt. Die Songs können sich hören lassen –Rock und Pop mit Achtzigerjahre-Anmutung. Und danach träumen alle im Juni von einer roten Weihnacht.

Anna und die Apokalypse Quelle: Splendid

Bumblebee. Der kleine zitronengelbe Blechkasten, der später von seiner irdischen Freundin Charlie Bumblebee genannt werden wird, wird von den Robotwesen seines Heimatplaneten losgeschickt, um die Erde als möglichen neuen Lebensraum auszukundschaften. Man benötigt ein Versteck vor den Decepticons, einer Sorte allerfiesester Killermaschinen.

Der Film “Bumblebee“ erzählt die Vorgeschichte zu den „Transformer“-Streifen, jenen reichlich albernen Spielzeugfilmen über metallische Gestaltwandler, die das Aussehen fliegender und fahrender Fortbewegungsmittel annehmen können. Man schreibt das Jahr 1987 und in der Werkstatt in die sich Bumblebee vor dem Zugriff der Militärs flüchten kann, schraubt die junge Charlie (Hailee Steinfeld) gerade an einer schnittigen Corvette Stingray herum.

Sie ist durch den Tod ihres Vaters aus der Spur geraten, wird von Mitschülern gemobbt, und findet in Bumblebee einen außerirdischen Außenseiter, der ihr Freund wird. Diese Beziehung hat durchaus ihre „E.T.“-Momente, auch wenn man sich fragt, warum Regisseur Travis Knight für die bevorzugte irdische Gestalt seines Helden ausgerechnet einen VW Käfer ausgesucht hat.

Außerhalb der Freundschafts-und Erwachsenwerdungsgeschichte ist „Bumblebee“ der bekannte, nervtötende „Transformers“-Entfaltungszinnober, der zuvörderst auf digitale Spezialeffekte vertraut und alles andere, was sonst noch zu erlebenswertem Kino gehört.

Bumblebee Quelle: Paramount

Von Matthias Halbig

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