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Kultur Wie Ekke Maaß in seiner Wohnküche die DDR unterwandert hat
Nachrichten Kultur Wie Ekke Maaß in seiner Wohnküche die DDR unterwandert hat
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18:16 21.07.2017
Die Oppositionellen Rüdiger Rosenthal und Thomas Günter im Gespräch mit Christa Wolf und Elke Erb.
Berlin

Archäologie ist die Lehre von den Altertümern. Um so überraschender, dass in Berlin bereits archäologische Flächengrabungen durchgeführt werden, um die Reste der DDR-Grenzanlagen zu orten und zu dokumentieren. Zu den Zeugnissen des vor 28 Jahren untergegangenen Staates gehört unzweifelhaft der Todesstreifen. Doch wie kritisch eingestellte Menschen im repressiven DDR-Staat gelebt haben, darüber können Betonelemente, Streckmetallzäune und Hundetrassen nichts aussagen.

Aus dieser Perspektive leistet auch das Buch über die gemütliche Wohnküche von Ekkehard Maaß archäologische Kärrnerarbeit. Der 66-jährige Menschenrechtsaktivist lebt heute noch in der dunklen Parterrewohnung Schönfließer Straße 21 im Prenzlauer Berg in Berlin. Nicht nur politisierte Künstler aus der DDR, auch Dissidenten aus den sowjetischen Republiken gingen bei ihm seit 1978 ein und aus. Im privaten Rahmen und infam observiert durch die Staatssicherheit fanden bei Maaß Lesungen und Zusammenkünfte statt, wie sie in der SED-kontrollierten Öffentlichkeit nicht möglich waren.

Der Literaturwissenschaftler Peter Böthig, heute Leiter des Kurt-Tucholsky-Museums und stellvertretender Bürgermeister von Rheinsberg, bewegte sich bis zu seiner Verhaftung 1988 in der Prenzlauer-Berg-Szene. Als Herausgeber des Buches „Sprachzeiten. Der Literarische Salon von Ekke Maaß“ dokumentiert er die soziale Lebensleistung des mutigen Gastgebers. Er versammelt alte Fotos und Einladungsgrafiken, Gemälde und literarische Zeugnisse, Spitzel-Berichte und Tagebuchzitate, die es der Nachwelt einfacher machen, sich die Atmosphäre der Gegenkultur vorzustellen.

Kein Geringerer als Wolf Biermann hat ein Vorwort beigesteuert. „Alle Wände bis hoch zur Decke vollgepflastert mit Bildern, der fast gleiche Stil wie einst in meiner Chausseestraße 131“, jubelt Biermann. Ihm hatte der Pfarrerssohn Maaß viele Anregungen zu verdanken. Maaß sang auch gern dessen verbotenen Lieder nach der Ausbürgerung und war durch ihn auf die sowjetische Literatenszene aufmerksam geworden. Der Moskauer Liedermacher Bulat Okudschwa besuchte Maaß erstmals am 31. März 1982. Andere große Russen wie Andrj Bitow, Jewgeni Jewtuschenko und Wiktor Jerofejew folgten. Auch der New Yorker Beat-Poet Allen Ginsberg und der österreichische Lautpoet Ernst Jandl genossen die Geselligkeit am großen Ausziehtisch in der Küche. Vor allem aber ging es Maaß darum, junge, unangepasste Autoren zu Wort kommen zu lassen. „Neu war, dass diese Lesungen bei Ekke Maaß von einer Art ,Mentorenschaft’ von anerkannten Autoren wie Christa und Gerhard Wolf, Heiner Müller, Franz Fühmann, Volker Braun und Elke Erb begleitet und geschützt wurden. Waren sie da, war es eher unwahrscheinlich, dass ein Polizeiüberfallkommando anrückte“, schreibt Böthig.

Der Geheimdienst hatte mit dem Dichter Sascha Anderson, der bald mit der Frau von Ekke Maaß zusammenlebte, einen machtbesessenen Denunzianten in die Schönfließer Straße 21 eingeschleust. Ein unsichtbarer Mauerschütze saß also mit am Küchentisch.

Peter Böthig (Hrsg.): Sprachzeiten. Der Literarische Salon von Ekke Maaß. Lukas, 302 Seiten, 25 Euro.

Torsten Dressler hält am 2. August, 18.30 Uhr, im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg/H. einen Vortrag über Archäologische Grabungen am Mauerstreifen in Berlin.

Von Karim Saab

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