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Kultur Typisch brandenburgisch? Auf der Suche nach dem Brandenburg-Gefühl
Nachrichten Kultur Typisch brandenburgisch? Auf der Suche nach dem Brandenburg-Gefühl
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10:02 01.08.2019
Brandenburger Idylle. Quelle: Adobe
Potsdam

Matthias Platzeck hatte es, Manfred Stolpe sowieso – und Dietmar Woidke rechnet fest damit, dass es so etwas gibt wie ein Gefühl für eine brandenburgische Identität. „Ein Brandenburg“ steht auf den rot unterlegten Plakaten unter dem Porträt des Ministerpräsidenten, mit denen die SPD in den Landtagswahlkampf zieht.

Die Parole wirkt wie zum Trotz in einem Land, das politisch so gespalten ist wie nie seit seiner Wiedergründung vor knapp 30 Jahren. Hier die rechtspopulistische AfD, die in Umfragen zum Teil an den regierenden Sozialdemokraten schon vorbeigezogen ist, dort die libertären Grünen, die vor Kraft kaum noch laufen können – und zwischendrin die SPD auf CDU-Format geschrumpft. Dabei empfinden sich die märkischen Sozialdemokraten noch immer als „die Brandenburg-Partei“.

Stolpe erfand den „Brandenburger Weg“

Aber gibt es das denn tatsächlich, dieses Selbstverständnis, das alle Märker zusammenhält? Als Platzeck vor Jahren mit „Zukunft braucht Herkunft“ auf einen Buchtitel des konservativen Philosophen Odo Marquardt zurückgriff, ging er fest davon aus, dass die Identität der Brandenburger auf der märkischen Geschichte ruht.

Und wer Manfred Stolpe danach fragte, der wurde bis zu den Slawenaufständen im 10. Jahrhundert mitgenommen, um schließlich in den vor allem von ihm und der damaligen SPD-Arbeitsministerin Regine Hildebrandt in den 90er-Jahren propagierten „Brandenburger Weg“ einzumünden. Brandenburg, so das Angebot, konnte sich als „kleine DDR“ verstehen. Auch das war ein Brandenburg-Gefühl – damals.

Die einen wandern ab, andere kommen neu hinzu

Und heute? Zweifellos gibt es dieses Brandenburg-Gefühl noch immer. Die Leute verstehen sich als Bürger des Landes. Aber was macht dieses Gefühl aus, in einer Region, in der die Menschen auf dem Land seit Jahrzehnten abwandern? Wo alteingesessene Einwohner vor allem im Großraum Berlin damit konfrontiert sind, dass Fremde hinzuziehen – Berliner, Westdeutsche, Ausländer, Flüchtlinge – nicht alle freiwillig, aber viele, weil sie so angetan sind von diesem Land. Von seiner wundervollen Natur mit Seen und Wäldern, seinen gigantischen historischen Bauwerken oder seiner aufregenden Geschichte und deshalb beschlossen haben, hier Wurzeln zu schlagen.

Was bleibt da noch vom Brandenburgischen? Ist es nur die gemeinsame Herkunft, mit der man sich abgrenzen kann, gegen die Städter, die Westler, die Fremden – gegen das Neue insgesamt? Ja, ja, es kann so einfach sein – ist es aber nicht. Denn auch die Bevölkerungsgeschichte des Landes ist ja alles anders als einheitlich. So etwas wie einen Ur-Brandenburger gibt es jedenfalls nicht.

„Eine Stammesverwandtschaft mit gemeinsamer Sprach- und Kulturtradition, wie bei Alemannen, Thüringern oder Franken, hat es in Brandenburg, dem Kolonisationsland des Mittelalters, niemals gegeben“, schreibt der Schriftsteller Günter de Bruyn in seinem Essayband „Mein Brandenburg“.

Schriftsteller Günter de Bruyn Quelle: Chistel Köster

Wie hätte diese Stammesverwandtschaft auch entstehen sollen? Auf dem Gebiet des heutigen Brandenburgs siedelten im 7. Jahrhundert slawische Stämme. Ein Teil davon flüchtete als die Ostfranken einfielen. Im 12. Jahrhundert kamen mit den Askaniern und Albrecht dem Bär Menschen aus dem Harz und vom Niederrhein dazu, schließlich siedelten sich Flamen und Niederländer mit an. Im 17. Jahrhundert kamen wegen ihres Glaubens verfolgte Hugenotten aus Frankreich und Lutheraner und andere reformierte Christen aus Salzburg, Böhmen und anderen europäischen Ländern.

Brandenburg – eine bunte Mischung

Im 19. Jahrhundert kehrten wiederum viele Brandenburger der Mark den Rücken und hofften auf ein besseres Leben in Amerika. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Bevölkerungsstruktur erneut. Die Nazis hatten fast alle Juden vertrieben oder ermordet. Es kam eine halbe Million Vertriebene aus dem Osten ins Land. Zu DDR-Zeiten gingen viele Menschen aus anderen Regionen der Republik in neu entstandenen Industriezentren wie Schwedt (Uckermark) oder Eisenhüttenstadt (Märkisch Oderland).

Was ist typisch Brandenburgisch?

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Brandenburg – eine bunte Mischung also. Die Vergangenheit des Landes ist ziemlich multikulturell. So ist es auch nicht verwunderlich, dass hier keine einheitliche Sprache gesprochen wird. Nicht nur weil die sorbische Minderheit im Süden ohnehin mit ihrer slawischen Kulturtradition anders ist, sondern auch aufgrund der vielen Zuwanderer.

Im Norden, etwa in der Prignitz, wird zum Beispiel eine vom Niederdeutschen beeinflusste Umgangssprache gepflegt, mit Anklängen an Dialekte in Mecklenburg-Vorpommern, während um die Bundeshauptstadt herum eher ein Berlinischer Sound zu vernehmen ist. Überhaupt: Der Brandenburger spricht sprachgeschichtlich eine Mischung aus Niederdeutsch, Sächsisch und einem verhochdeutschten Platt Berlins – eine fröhliche Mischung.

Also auch hier kein einheitlicher Kern. Eher ein multikulturelles Potpourri, in dem alles und nichts vertreten ist. Brandenburg – ein Land ohne spezifische Eigenschaften? „Ich fühl mich so leer, ich fühl mich Brandenburg“, singt Rainald Grebe und weiß doch zu genau, dass diese Leere nur derjenige verspürt, der nicht genau hinschaut oder hinhört. Wo aber ist nun das typisch Märkische?

Fühlt sich so Brandenburg: der Musiker und Kabarettist Rainald Grebe, Quelle: dpa

Das Brandenburg-Gefühl muss irgendwie anders gespeist werden. Vielleicht ist es tatsächlich die preußische Tradition von Disziplin und Toleranz. Diese grobe Mischung unterschiedlicher Kulturen, Traditionen und Lebensformen, die eine besondere Mentalität hervorgebracht hat. Die Natur, so schön sie ist, hat die Märker ja zudem nicht gerade mit Überfluss beschenkt. Die Böden verlangten über Jahrhunderte harte Arbeit und bescherten nur bescheidenen Ertrag. Das Leben in der DDR war für die meisten kein Zuckerschlecken. Und auch die ökonomischen und sozialen Verwerfungen nach dem Ende der SED-Diktatur mussten von manchem Brandenburger erstmal verdaut werden.

Brandenburger sind hart im Nehmen

Trotzdem: Der Homo Brandenburgensis gilt als pflichtbewusst, als einer, der weiß, dass er sein hartes Schicksal nur ertragen kann, wenn er es selbst in die Hand nimmt. Einer der nicht lange rum redet, sondern eher schweigt, und ranklotzt – und in den Umgangsformen eher schnörkellos ist.

Auf die Menschen, die neu nach Brandenburg kommen, färbt das ab. Wer es sich am Wochenende auf seinem frisch erworbenen Landgrundstück gemütlich machen will, um endlich auszuspannen, muss sich dran gewöhnen, dass um ihn herum die Motorsägen kreischen und die Aufsitzrasenmäher dröhnen. Und „ehe zwei Wochen vergehen, werden sie glauben, dass auch ihre Hecke dringend geschnitten werden muss“, schreibt die Potsdamer Schriftstellerin Antje Rávic Strubel amüsiert über den märkischen Menschenschlag.

Schriftstellerin Antje Ravic Strubel Quelle: Christel Köster

Das Brandenburg-Gefühl lässt sich schwer beschreiben, denn es ist ja ein Gefühl. Sicherlich hat es etwas mit der Schönheit der märkischen Landschaften zu tun, aber auch mit Menschen, die trotz aller Unbill der Welt ohne viel rumzulabern einfach anpacken. Und mit den Neulingen, die teilweise ein anderes Lebensgefühl mitbringen.

Brandenburg – ein Lebensgefühl?

Brandenburg ist eben so bunt und vielfältig, wie es die Region schon immer war. Möglicherweise zeigt sich darin ein Brandenburger Lebensgefühl, das tatsächlich neue Perspektiven entdecken lässt, wie noch vor wenigen Jahren auf den Autobahnen an den Außengrenzen des Landes zu lesen war.

Andere behaupten, sie könnten alles außer Hochdeutsch. Warum ist Brandenburg eigentlich so bescheiden?

Von Mathias Richter

Tüchtige Texaner, die musizieren können, gibt es viele: Wade Bowen ist mit Sicherheit einer von ihnen. Der Country-Rocker kann so ziemlich alles zwischen hart und zart. Daher ist von ihm nicht nur die gepflegte Ballade zu haben, sondern Bowen hat bisweilen den Blues oder bietet Mariachi-Sound aus Mexiko, als von jenseits der Grenzen, auf.

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