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Kultur Zwischen Garage und Glam: The Black Keys rocken wieder – nach fünf Jahren Pause
Nachrichten Kultur Zwischen Garage und Glam: The Black Keys rocken wieder – nach fünf Jahren Pause
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09:44 27.06.2019
Rocken trocken: Die Black Keys Dan Auerbach (l.) und Patrick Carney haben auch als Nummer-1-Band ihren Garagensound nicht abgelegt. Quelle: ©ALYSSE GAFKJEN 2019
Los Angeles

Ein Tusch! Die Black Keys sind wieder da. Niemand hatte mehr mit ihnen gerechnet. Mit Chartsspitzenplätzen und Grammys für den Kamin hatte die Musikindustrie Dan Auerbach und Patrick Carney die Lust am Rocken verdorben, dachte man. Dass sie irgendwo angekommen waren, wo sie gar nicht hingewollt hatten.

Und nun heißt das erste Album der Indierocker seit fünf Jahren auch noch „Let’s Rock“. Der banalste Universaltitel für Schallplatten, auf denen E-Gitarren herumknattern. „Let’s Rock“ rockt dann natürlich auch.

„Let’s Rock“ – Die Black Keys machten ihre Hörer 2004 bluesbesoffen

Die Black Keys sickerten Mitte der Nullerjahre mit ihrem Blues fürs 21. Jahrhundert ins Bewusstsein deutscher Rockfans. Viel Garagenklang, viel Wurzelwerk lag in der Mucke des Duos aus Ohio. Mit dem Album „Rubber Factory“ machten sie ihre Hörer 2004 bluesbesoffen. Aufgeschlossene Hörer freilich, denn wer nur brav Robert Cray hörte, den traf hier der Schlag. Dan Auerbachs Gitarre heulte wie ein waidwunder Werwolf, und seine Stimme hatte dieselbe Couleur.

Mit dem Album „El Camino“ wurden die Keys dann sieben Jahre später zu Schlüsselfiguren der Zehnerjahre. „El Camino“ ist das spanische Wort für „Weg“, und der war das Ziel. Er hatte sie zu Produzent Danger Mouse geführt, zu Hits („Tighten up“, „Lonely Boy“), zu einem Sound, der über Blues hinausführt. Der Punk der Clash schimmerte durch Songs wie „Dead and Gone“ und „Hell of a Season“.

Vor allem aber sah man den Glamrock der 70er funkeln: „Gold on the Ceiling“ hatte dieses unwiderstehlich snobistische T.Rex/Chicory Tip/Norman-Greenbaum-Feeling. 2014 folgte mit „Turn Blue“ ihr erstes Nummer-Eins-Album. Seither: Produktionstätigkeiten, Gastmusikertum, Nebenbands, Soloalben, Labelgründung, Gerüchte über Zoff.

„Let’s Rock“ – Zwei Herzen aus Gold für immer auf der Straße

Im Video zur Single „Go“ sitzen sie dann tatsächlich wie Streithähne vor einem Schlichter der Plattenfirma, der mit Brutalomediation droht, falls sie nicht wieder miteinander reden (und endlich ein Album machen) würden. Sie ziehen bei einem ländlichen Guru und dessen Hippiejüngern ein und haben die Kommune am Ende mit der rasanten Nummer zu ihren Füßen sitzen, während sie im Gesang dem Sommer und dem Musikerdasein huldigen: „Es gibt eine Zeit / für zwei Herzen aus Gold / zusammen zu leben / für immer auf der freien Straße zu sein.“

Diese Lyrik klingt kitschig, der Sound aber nach Garage. Black Keys forever. Eine Verbeugung vor der Gitarre sei dieses Album, verriet Carney dem Musikmagazin „Uncut“. Aber auch ein Diener vorm Drumset. Mit Bezügen zu AC/DC, Blue Öyter Cult, ZZ Top ...

„Let’s Rock“ – Ein hochprozentiger Rock’n’Roll-Grog

Carney wollte früher wieder, Auerbach aber war ausgebrannt, unfähig zu neuen Impulsen. Und jetzt hört sich die Reunion an, als hätten sie allen Frust und alle Langeweile, alle Ängste, allen Groll und sonstiges Unausgegorenes zu einem hochprozentigen Rock’n’Roll-Grog verrührt. Auerbachs Gitarre schrängt, beißt, kratzt und strampelt, ruppige Riffs knallen in Songs wie „Tell Me Lies“ und „Every Little Thing“ aus den Boxen.

Und Carney drischt dazu Becken und Felle, als dräue noch vorm Abendbrot die Apokalypse. Ein Hurrikan zieht herauf in den Lyrics von „Lo/Hi“, das nach CCR und Canned Heat klingt. „Wenn wir zusammen sind, sind wir The Black Keys, dort liebt die wahre Magie, und das nun schon, seit wir 16 sind“, sagt Auerbach dazu. Öfter so, kommentiert der Fan.

„Let’s Rock“ – Sind auch die Black Keys auf ihrem letzten Weg

Der böse Witz hinter dem Albumtitel: „Let’s Rock“ war tatsächlich das letzte Statement eines Todeskandidaten in Tennessee vor seiner Hinrichtung. Da nahm man denn auch gleich noch einen elektrischen Stuhl mit aufs Cover. Das wird Anlass zu neuen Gerüchten geben. Black Keys forever? Oder hören wir auf „Let’s Rock“ auch die Keys auf ihrem letzten Weg?

Neues Album: The Black Keys – „Let’s Rock“ (Easy Eye Sound/Nonesuch)

Von Matthias Halbig/RND

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