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Medien & TV Barbara Schöneberger: „Ich fand Fernsehen total spießig“
Nachrichten Medien & TV Barbara Schöneberger: „Ich fand Fernsehen total spießig“
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16:47 14.12.2018
„Mich kannst du nachts um drei wecken und sagen: ,Da draußen sitzen 3000 Leute, geh mal kurz raus und sag was Nettes’“: Barbara Schöneberger (44). Quelle: dpa

Ich würde Ihnen gern erzählen, was mein eindrücklichstes Barbara-Schöneberger-Erlebnis war. Das war der Moment im Finale des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest 2015 in Hannover, als der Sieger Andreas Kümmert plötzlich mitteilte, er werfe die Brocken hin. Sie wirkten als Moderatorin wie ein Fisch im Wasser. Als hätten Sie den ganzen Abend auf genau diesen Moment der Irritation gewartet. Sie haben kurzerhand die Zweitplatzierte zur Siegerin erklärt. Wie haben Sie das empfunden?

Das war sehr spontan. Ich habe in dem Moment einfach im Sinne des Wettbewerbs entschieden: Na, wenn’s der Erste nicht macht, macht’s eben die Zweite! Wenn die Herren von der ARD oder der Europäischen Rundfunkunion damit nicht einverstanden gewesen wären, hätten die sich vermutlich vor Ende der Sendung noch mal bei mir gemeldet. Das haben sie aber nicht. Wer weiß: Vielleicht hätten wir mit Andreas Kümmert einen großen Erfolg gefeiert?

Die Reaktionen auf ihre Schlagfertigkeit waren extrem positiv.

Ja – und ich bin es gar nicht mehr gewohnt, dass Menschen überhaupt auf das reagieren, was ich im Fernsehen mache. In meinem Umfeld reagiert keiner mehr auf meinen Job. Mich ruft auch keiner mehr an. Früher hat mal ab und zu einer gesagt: „Ich hab dich im Fernsehen gesehen, als ich auf die Fernbedienung gefallen bin.“ Heute: nichts. Keinerlei Reaktion. Und in solch einem Moment wie beim ESC merkt man dann doch mal wieder, dass es viele Leute gucken.

Ihre großen Fernsehmomente scheinen zu kommen, wenn etwas Irritierendes passiert, etwas Ungeplantes. Es ist, als ob Sie darauf richtig lauern.

Das empfinde ich als meine Aufgabe. Der Job beginnt in dem Moment, wo der Plan endet. Den Schnelldurchlauf noch mal anzumoderieren oder zu sagen: „Wir gehen jetzt kurz in die Werbung“ – das kann ja jeder. Aber was passiert, wenn die komplette Spieletechnik ausfällt? Wenn du da stehst mit Günther Jauch und Thomas Gottschalk in der Finalrunde bei RTL, und dieser Luftballon wird immer größer und die Quizfragen gehen aus, weil der Ballon einfach nicht platzen will und irgendein Redakteur dachte „Ach, 40 Fragen werden schon reichen“? Das sind die Momente, in denen das Adrenalin kommt. Und dann, glaube ich, zeigt sich, ob man zu Recht auf einer Bühne steht – oder ob man, wenn das Skript endet, verzweifelt wird und anfängt zu weinen.

„Man kann Spontanität nicht simulieren“

Gibt es so etwas wie simulierte Spontanität?

Nein. Man kann Spontanität nicht simulieren. Klappt nicht. Ein Beispiel: Die wollen mich immer mal reinlegen für die „Versteckte Kamera“, und ich sage immer zu meiner Managerin: Wehe, du sagst mir vorher Bescheid! Jeder Tipp, jede Warnung würden dazu führen, dass die Natürlichkeit und Spontanität verlorengehen. Die kannst du nicht spielen. Ich bin immer dankbar dafür, wenn Dinge passieren, die nicht abgesprochen waren. Dann bist du konzentriert. Ansonsten läufst du auf Autopilot.

Dazu ist das Grundvertrauen erforderlich, dass nichts Sie aus der Spur bringt. Woher kommt das?

Das hat mir Erfahrung zu tun. Das hätte ich vor 15 Jahren noch nicht gekonnt. Mich kannst du nachts um drei wecken und sagen: „Da draußen sitzen 3000 Leute, geh mal kurz raus und sag was Nettes.“ Das würde mich nicht stressen, denn du hast die Ruhe und ein großes Repertoire an Möglichkeiten. Ich habe keine Angst mehr vor dieser Situation. Ich bin schließlich im Gute-Laune-Geschäft.

Das Gute-Laune-Sorglos-Paket: Barbara Schöneberger

Barbara Schöneberger, geboren am 5. März 1974 in München, ist eine der bekanntesten, erfolgreichsten und vielseitigsten Entertainerinnen Deutschlands. Die Tochter eines Klarinettisten liebäugelte kurz mit einer Opernkarriere, ergab sich dann aber der leichteren Unterhaltung. 1989 stand sie in einer Foto-Lovestory der Zeitschrift „Mädchen“ erstmals vor der Kamera. Als „Karteimitglied“ einer Münchener Künstleragentur durchlitt sie allerhand Jobs aus der Marketinghölle – etwas als Handy verkleidet in Fußgängerzonen.

Ihr Studium der Soziologie und Kunstgeschichte in Augsburg brach sie 1999 nach zehn Semestern ab – auch weil parallel ihre Fernsehkarriere an Fahrt aufnahm. Nach Gastrollen startete sie als Assistentin von Elmar Hörig in der Sat.1-Sendung „Bube, Dame, Hörig“, moderierte dann die Morningshow „Weck up“ und führte ab 2001 durch ihre eigene, experimentelle Talkshow namens „Blondes Gift“. Hier entwickelte sie die Markenzeichen ihres Entertainmentstils: eine Art herzliche Kaltschnäuzigkeit, Spontanität, Mutterwitz, die Bereitschaft zur Weltumarmung in Maßen, Selbstironie und eine gewisse Schnodderigkeit, die ein entspanntes Verhältnis zur Welt verrät und von älteren Kritikern gern als „burschikos“ bezeichnet wird.

Die Show wurde ihr Durchbruch. Sie lief zunächst in lokalen Privatsendern, nach dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums kaufte dann der WDR die Rechte und verschaffte Schöneberger sonntags um Mitternacht eine Bühne, die sie zu nutzen wusste: mit echter Neugier, einer gewissen Sexiness und dem Mut zu sinnlosem Quatsch. 2004 übernahm Pro7 die Show. Seit dem Erfolg von „Blondes Gift“ gehört Schöneberger zu den gefragtesten Moderatorinnen des Landes („NDR Talkshow“, „Die 2“, „Eurovision Song Contest“. Seit 2015 erscheint ihre eigene Zeitschrift „Barbara“, Prototyp einer ganzen Reihe von Prominenten-Personality-Magazinen, von denen keines so erfolgreich ist wie „Barbara“, das sich selbst als „kein normales Frauenmagazin“ bewirbt, als Kontrapunkt zum Optimierungszwang und Perfektionsdruck.

2007 erschien ihr erstes Album „Jetzt singt sie auch noch“ - eine Sammlung von humoristischen Schlagerchansons, orchestralen Popsongs und Jazzballaden, zu denen Rezensenten vorwiegend Adjektive wie „pfiffig“ und „keck“ einfallen. Der Grund für die Stärkung ihrer Gesangskarriere: „Ich wollte so gerne auf Deutschlandtournee gehen – aber ich wusste nicht, womit.“ Im Bereich der therapeutischen Unterhaltungsmusik für Frauen, die dem Glamour nicht abhold sind, sich dem Hollywoodstress aber nicht unterwerfen wollen, hat Schöneberger seither großen Erfolg. In diesem Jahr ist ihr neues Album „Eine Frau gibt Auskunft“ erschienen, produziert von Peter Plate und Ulf Leo Sommer, die sonst für Helene Fischer und Rosenstolz arbeiten. In zwölf Liedern kommen zwölf Frauentypen ironisch zur Sprache – von der just verlassenen Ehefrau bis zur Geliebten. Sie selbst beklagte einst, dass sie überwiegend mit Attributen aus dem militärischen Bereich beschrieben werde: „Sexbombe, Stimmungskanone, Allzweckwaffe, Atombusen“.

Schöneberger ist seit 2009 mit dem Unternehmer Maximilian von Schierstädt aus obersächsischem Uradel verheiratet. Das Paar hat einen Sohn (geboren 2010) und eine Tochter (geboren 2013). Offiziell hat Schöneberger den Nachnamen ihres Mannes angenommen, öffentlich tritt sie aber noch unter ihrem Geburtsnamen auf.

Im Oktober ging ihr Radiosender barba radio an den Start, ein 24-Stunden-Programm, das über eine App und per Webportal zu hören ist. (www.barbaradio.de). Im März 2019 geht Barbara Schöneberger auf Tournee durch zehn deutsche Städte, darunter Hannover (8. März), Bremen (9. März), Berlin (17. März) und Leipzig (18. März).

Was hilft noch außer Erfahrung?

Ideal ist ein Anspielpartner. Wenn du ganz alleine auf der Bühne bist, und die Regie sagt „Überbrück mal acht Minuten während des Umbaus“ sage ich auch: Das mach‘ ich nicht.

A propos „mach‘ ich nicht“: Sie haben ihre Sendungen, ihre Musikkarriere, ihr eigenes Magazin und seit Oktober Ihren eigenen Radiosender. Warum machen Sie jetzt auch noch Radio?

Ich mag es einfach, Dinge auszuprobieren. Ich glaube, dass Schubladen ihre Zeit gehabt haben – von wegen: „Die ist beim Fernsehen, die ist beim Radio, und die singt“. Und wenn wir dann in vier Jahren sagen „Hat überhaupt nicht funktioniert“, dann ist das auch in Ordnung. Aber ich kann eben nicht darauf vertrauen, dass der Unterhaltungschef der ARD auch noch in 20 Jahren auf mich zukommt, um mir irgendwelche Sendungen zu übertragen.

„Ich habe Spaß am Geldverdienen – aber ich bin nicht gierig“

Das heißt: Es ist auch ein bisschen Rentensicherung?

Das nicht, aber ich will einfach zu tun haben! Ich will mir ein schönes Arbeitsumfeld bauen. Und so lange ich die Möglichkeit habe, das selbst zu bestimmen und keine Befehlsempfängerin bin, die vor dem Telefon sitzt und wartet, dass sich einer meldet, nutze ich diese Gestaltungsmöglichkeiten. Es gibt so viele tolle Sachen: die Lizenzen, die Zeitschrift „BARBARA“, barba radio, der Gesang und meine Tournee im März…

Am Ende kann ja eigentlich nur ein großes Medienimperium stehen wie das von Oprah Winfrey. Was ist der Plan? Milliardenumsätze?

Dafür bin ich nicht geschäftstüchtig genug.

Immerhin haben Sie 2016 die Barbara Schöneberger GmbH gegründet. Mit dem Ziel: „Lizenzierung der Marke, der Persönlichkeits- und Namensrechte sowie Vertrieb und Vermarktung von Produkten jeglicher Art“. Gibt es schon Lizenznehmer?

Ja. Wir vertreiben immerhin schon Tapeten und Koffer! Aber wollen Sie mal die Kontoauszüge sehen? Okay, es läuft nicht schlecht. Aber Milliarden sind es noch nicht. Und die würden wir, wenn wir das mal hochrechnen, zu meinen Lebzeiten auch nicht mehr erreichen. Ich habe Spaß am Geldverdienen, aber ich bin überhaupt nicht gierig.

Aber Fleischsalat der Marke „Barbara“ ist noch nicht geplant?

Ich kann mir praktisch alles vorstellen. Ich entscheide ausschließlich aus dem Bauch. Ich gucke mir Dinge an und weiß sofort, ob ich dabei ein gutes oder ein schlechtes Gefühl habe. Und dieses Bauchgefühl hat mich auch noch nie getrogen.

„Ich brauche keinen Applaus“

Wo kommt das her, dieses Gefühl?

Ich glaube, ich habe eine gute Verbindung zu mir selbst. (flüstert) Weil ich mich mag. Ich glaube, das ist die Grundlage von allem. Ich finde mich nett. Ich komme gut mit mir zurecht. Ich habe keinerlei psychologische Komplexitäten, die ich verarbeiten müsste in meinem Berufsleben. Ich habe keinen besonderen Geltungsdrang. Ich brauche auch keinen Applaus. Klar wird man eitler und ist es mit der Zeit gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Aber im Großen und Ganzen will ich eigentlich meine Ruhe. Ich bin keine dieser ehrgeizigen Businessfrauen, die alles durchchecken. Das ist für mich das wichtigste Erfolgsrezept: Ich bin kein Kontrollfreak, ich habe ein gutes Team um mich. Manchmal sitze ich im Taxi auf dem Weg zur Show und frage: „Muss ich eigentlich heute singen?“

Stichwort „singen“: Ihr Vater hat Ihnen einst eine Karriere als Opernsängerin nahegelegt. Woran ist die gescheitert?

Die ist daran gescheitert, dass ich das natürlich total spießig fand. Ich fand auch Fernsehen total spießig. Ich wollte was Anständiges machen. Ich wollte tatsächlich einen Bürojob! Auch da hatte ich das Vertrauen: Das wird schon irgendwie klappen.

Als Kind trugen Sie Zahnspange und rosa Brille? Stimmt das? Und waren Sie trotzdem schon in der Schule die Rampensau?

Ja. Trotzdem! Deswegen haben sie mich doppelt gehasst: Ich war super nervig und sehr laut. Ich selbst habe mich allerdings als eher zurückhaltend und schüchtern empfunden. Das wird von meinen damaligen Klassenkameraden nicht bestätigt. Ich habe zu vielen noch Kontakt, und die sagen heute alle: „Barbara, das war doch klar, dass du beim Fernsehen landest.“ Mir war das gar nicht so klar. Ich hatte Soziologie und Kunstgeschichte studiert, ich habe immer nur Schwarz getragen. Ich habe nach der Intellektuellen und Tiefgründigen in mir gesucht – und nichts gefunden!

„Heute verkaufe ich mich selbst“

War das eine traurige Erkenntnis?

Nein! Das war eine Erleichterung. Ich habe eher gedacht: Okay, Gottseidank, das also nicht. Aber das ist halt der Prozess: Bis du ungefähr dreißig bist, musst du dich von den Vorstellungen lösen, die du glaubst erfüllen zu müssen. Mein Problem ist: Ich kann heute nur schwer umreißen, was ich beruflich mache. Ich komme ja meistens als ich selber, ich trage auch meine eigenen Klamotten. Das war nicht immer so in meiner Karriere. Ich verkaufe mich selbst. Das ist natürlich extrem komfortabel. Ich muss mir nicht mehr die Inhalte anderer Leute draufschaffen wie früher, als ich noch „Repräsentantin von…“ war.

Und welches Ihrer Talente ist Ihnen das wichtigste?

Unabhängigkeit. In dem Sinne, dass es mir auch wurscht ist, wenn Sachen nicht klappen. Das macht mich total frei. Ich bin auch nicht – wie meine meist männlichen Kollegen – so scharf darauf zu wissen, was wer wie und warum macht. Ich kenne diese Politik nicht. Ich weiß auch nicht, wie diese ganzen Programmchefs heißen. Ich kann die nur mit Mühe auseinanderhalten. Ich habe viele Sendungen, in denen ich zu Gast bin, noch nie gesehen. Ich gehe hin und habe Spaß – und wenn ich wieder gehe, habe ich’s auch schon wieder vergessen. Und das wird immer schlimmer.

„Behaltet euer Geld, ich will nach Hause“

Sie spielen ja auch mit dieser Laisser-faire-Einstellung, mit dieser Selbstironie – nach dem Motto ihres ersten Albumtitels: „Jetzt singt sie auch noch“. Nehmen Sie damit auch Kritikern den Wind aus den Segeln?

Dieses Image hat sich ergeben, es hat sich halt auch als komfortabel erwiesen…

…sich selbst „Babsi Fleischberger“ zu nennen?

Es liegt mir einfach, so zu sein. Es ist ein Spaß. Wie eigentlich alles in meinem Leben ein Spaß ist, bis auf ganz wenige Dinge.

Hatten Sie jemals fiese Jobs? So richtig miese Aufgaben?

Ich habe 1999 mal auf einer Farbmesse gearbeitet. Da musste ich als Christoph Kolumbus verkleidet immer sagen: „Christoph Kolumbus hat Amerika entdeckt – Remmers entdeckt für Sie neue Märkte.“ Remmers hat Fassadenbau- und Kellertrockenlegungs-Produkte hergestellt. Und alle anderen auf der Messe sahen scharf aus! Alle anderen Hostessen hatten Miniröcke an, und ich bin wie ein Depp in Pumphosen und Dreispitz herumgelaufen. Das war auch der Moment, als ich mir schwor: Nie wieder Klamotten von anderen anziehen. Ich habe nur gedacht: „Behaltet euer Geld, ich will jetzt sofort nach Hause.“ Das waren zwar nur fünf Tage. Aber niemand, der mich damals gesehen hat, hätte gedacht, dass aus mir noch mal etwas werden würde.

Sie traten dann 1989 erstmals öffentlich in Erscheinung in einer Foto-Lovestory der unvergessenen Zeitschrift „Mädchen“ – in rosa Leggins. Wie kam es dazu?

Da war ich 15. Ich glaube, da wurde ich auf der Straße angesprochen. Meine Mutter ist mitgekommen zu dem Fototermin. Als ich 17 war, war ich dann in einer Künstlerdatei – da gab es den Künstlerdienst München. Da wurdest du für Modenschauen oder kleine Fernsehauftritte vermittelt.

„Was soll’s? Die Kohle nimmst du mit“

Ihre Fernsehkarriere begann dann 1998 als Assistentin von Elmar Hörig in der Sat.1-Sendung „Bube, Dame, Hörig“. Beschreiben Sie die Barbara von damals.

Ich kannte niemanden. Ich hatte keinen Fernseher. Ich kannte auch Elmar Hörig und die Sendung nicht. Ich war eine Intellektuelle, ich studierte immerhin Soziologie. Und dann kam ich da hin, und die haben mir erst mal ein türkis-pinkfarbenes T-Shirt in die Garderobe gereicht, Hauptsache bunt. Ich hatte so lustige Zöpfchen, und ich dachte schnell: Das ist nicht meine Welt. Mein Manager Alexander Elbertzhagen hat mich damals immer schon gefragt: „Wo siehst du dich in zehn Jahren? Wie willst du sein? Was interessiert dich?“ Ich wusste es nicht. Aber ich dachte mir: Was soll’s? Die Kohle nimmst du mit. Ich musste ja auch mein Studium finanzieren. Und da gab’s 800 Mark am Tag.

Ihr viertes Album „Eine Frau gibt Auskunft“ ist deutlich nachdenklicher als die ersten drei. Es geht um Datingstress, Verlassenwerden, falsche Lebensentwürfe, um Rollen und Erwartungen. Es sind aber nicht Sie, die da Auskunft gibt?

Es ist kein autobiografisches Album. Wir haben einfach zugesehen, dass sich möglichst viele Frauen mit ihren Haltungen und in ihren Lebenssituationen darin wiederfinden können. Es sind im Prinzip zwölf Frauentypen, die zu Wort kommen.

„Ich habe keine wirkliche Mission“

Das heißt, auch Ihre Tour im März kommenden Jahres wird etwas ernsthafter sein, auch etwas Tröstliches haben?

Naja, da geht es schon um Unterhaltung, es wird sehr schön. Neben dem Gesang rede ich auch viel und erzähle Anekdoten. Ich möchte, dass sich die Menschen gut und nicht alleine fühlen. Ich habe keine wirkliche Mission, ich möchte niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu leben hat, aber es geht schon auch um die großen, wichtigen Themen im Leben. Oder die ganz Kleinen, die trotzdem wichtig sind.

Kann es sein, dass Sie eine Weile gebraucht haben, um zu akzeptieren, dass Sie auch eine Vorbildfunktion haben?

Ja, bestimmt. Ich wundere mich schon ab und zu, zu welchem Thema ich um eine Meinung gebeten werde.

Viel wird gerade über das Geschlechterverhältnis debattiert. In der #MeToo-Debatte geht es munter durcheinander: Von sexueller Gewalt bis zu der Frage, ob man einer Frau noch die Tür aufhalten darf. Wie sehen Sie das?

Da wird in der Tat alles Mögliche vermischt. Bei mir war es immer so, dass ich es nicht als Affront empfunden habe, wenn jemand zum Beispiel meine Brüste zur Kenntnis nimmt. Ich habe bei meiner Arbeit niemals Situationen erlebt, die brenzlig oder grenzwertig waren. Das kommt schon vor, dass mal die Hand etwas länger liegenbleibt oder ein Kompliment verrutscht, aber das hat mich selbst nie tief erschüttert.

„Ich muss nicht zu allem eine Meinung haben“

Das heißt: Das Politischste an Ihnen ist die Aussage: Es ist okay, nicht politisch zu sein?

Ich denke, dass jeder für sich entscheiden muss, welche Bedeutung er welchem Erlebnis beimisst oder an welcher Debatte er oder sie sich beteiligt. Ich bin ja nicht gezwungen, zu allem eine Meinung zu haben. Es ist doch okay, zu sagen: Ich halte mich da jetzt mal raus.

Ihr NDR Talkshow Kollege Hubertus Meyer-Burkhardt hält Sie für die „deutsche Antwort auf Bette Midler“. Können Sie das nachvollziehen?

Hubertus ist der Beste. Mit Hubertus verbindet mich eine lange, echte Freundschaft.

Auf wen ist denn Hubertus Meyer-Burkhardt die deutsche Antwort?

Hubertus ist die Antwort auf alles.

Von Imre Grimm

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