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Medien & TV Comedian Chris Tall: „Ich sage es ganz klar: Ich bin gegen rechts“
Nachrichten Medien & TV Comedian Chris Tall: „Ich sage es ganz klar: Ich bin gegen rechts“
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06:22 27.09.2019
Der 28-jährige Comedian Chris Tall.
Köln

Chris Tall macht sich über Behinderte, über Homosexuelle, über Schwarze lustig. Sein Motto (und der Name seines Programms): „Darf er das?“ Chris Tall ist sich dabei sicher: Die lachen dabei mit. Der 28-Jährige steht in seiner neuen Stand-up-Show „Chris Tall presents …“, die ab dem 27. September bei Amazon Prime Video läuft, nur etwa 15 Minuten auf der Bühne. Danach übernehmen Kollegen. Im Interview spricht Chris Tall, der eigentlich Christopher Nast heißt, darüber, wie er mit der Aufmerksamkeit nach seinen Auftritten in Stefans Raabs Show „TV total“ umging. Und warum er Witze über alle macht.

Ihr neue Stand-up-Serie „Chris Tall presents …“ wird bei Amazon Prime international ausgestrahlt. Was glauben Sie, wie Zuschauer aus dem Ausland auf Ihre Gags reagieren werden?

Das interessiert mich auch. Ich glaube und hoffe, dass das Klischee des unlustigen Deutschen in der Sendung gebrochen wird. Wir haben mit der Show ein sehr, sehr cooles Aushängeschild für Deutschland, nämlich einen bunten Mix. Mit Tutty Tran zeigen wir einen Comedian mit vietnamesischem Hintergrund, Osan Yaran hat türkische Wurzeln, Thorsten Bär repräsentiert einen typischen Deutschen, Ingmar Stadelmann ist in Sachsen-Anhalt geboren, er ist also Ossi, Masud Akbarzadeh ist Deutschiraner und Simon Pearce ist schwarz. Man sieht, dass wir in Deutschland für viele verschiedene Kulturen stehen und alle herzlich willkommen heißen. Natürlich wurden die Komiker am Ende aber nicht wegen ihrer Herkunft oder Wurzeln ausgewählt, sondern wegen ihrer starken Stand-ups.

Aber es gibt keine Frauen.

Keine Frauen, ja.

Warum?

Wir haben uns nicht offensiv gegen Frauen entschieden und hatten natürlich auch Comediennes auf dem Zettel. Aber die Teilnahme hing von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel der zeitlichen Verfügbarkeit oder dem Anspruch seitens Amazon Prime, auch exklusives Material zu zeigen. Viele Kandidatinnen hatten ihre Sachen schon im TV gespielt und haben uns deswegen abgesagt. Man kann quasi sagen, dass sie zu erfolgreich sind. (lacht) An alle Komikerinnen da draußen: Rennt uns die Bühnen ein, wir brauchen noch mehr Frauen in der Szene!

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Ihre RTL-Show, die aktuell in der zweiten Staffel läuft, heißt „Darf er das?“. Haben Sie sich schon einmal entschieden, über etwas keine Witze zu machen?

Ich habe in meinem ganzen „Darf er das?“-Kosmos immer wieder auch mit behinderten, mit schwarzen und mit homosexuellen Menschen zu tun, die zu mir in die Show kommen. Sie wissen, dass sie dort nicht ausgegrenzt werden und wir Spaß über alle machen. In einer Show in Dresden ist aber das Folgende passiert: Ich habe im Publikum ein Bett gesehen. Darin lag eine 16-Jährige, die sich nicht bewegen und nicht reden konnte. Im Gespräch mit den Eltern erfuhr ich ihre Geschichte und auch, dass sie wirklich Spaß hat, das aber eben aufgrund ihrer Behinderung nicht richtig zeigen kann. Sofort wurde ich vom Publikum beäugt, ob ich jetzt Witze über das Mädchen mache. Relativ schnell habe ich entschieden: Ich mache das bewusst nicht. Aus einem ganz einfachen Grund: Das Mädchen konnte sich nicht wehren. Und sie muss die Möglichkeit haben, auch mir einen reinzudrücken. Ich möchte mit den Menschen gemeinsam lachen, nicht über sie, also auf Augenhöhe bleiben. In dieser Situation war für mich eine Grenze erreicht – und ich habe auf Witze verzichtet.

Haben Sie manchmal Angst, dass Ihre Witze über Minderheiten von Menschen, die im politischen Spektrum rechtsaußen stehen, instrumentalisiert werden?

Wer in meine Show geht, der weiß, dass ich mich ganz deutlich – und nicht nur zwischen den Zeilen – gegen rechts ausspreche. Dass es eben genau darum geht, Leute zu integrieren, dass meine Show für ein würdevolles Miteinander und für Gleichberechtigung steht. Wenn rechte Gruppen meine Themen für sich nutzen, dann positioniere ich mich dagegen. Das habe ich einmal erlebt, nämlich nach meinem Auftritt bei „TV total“. Ich habe mich sofort von diesen Gruppierungen distanziert. Natürlich bin ich mir bewusst, dass Witze über sogenannte Randgruppen polarisieren. Ich mag das Wort Randgruppe übrigens nicht. Ich sage es deswegen immer wieder auf der Bühne, und auch hier kann ich ganz klar sagen: Ich bin gegen rechts und liebe es, dass wir so viele verschiedene Kulturen hier in Deutschland haben.

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Mir ist aufgefallen, dass Sie in Ihrer neuen Show vor allem Witze über sich selbst machen. War das eine Lehre aus Ihrem Reifeprozess?

Nee, das habe ich von Anfang gemacht. Das ist nach meiner Meinung die Basis eines jeden Komikers. Wenn man gar nicht über sich selbst lachen kann, passiert es schnell, dass man mit dem Finger auf andere zeigt. Und damit geht die Augenhöhe verloren. Wenn ich nur ein Gagschema verfolgen dürfte, dann würde ich nur Gags auf meine Kosten machen.

Sie sind inzwischen mit Ende zwanzig ein etablierter Comedian. Denken Sie manchmal jetzt schon ans Karriereende?

Ich weiß nicht, ob ich ewig Comedy machen will beziehungsweise in welcher Schlagzahl. Wenn man zum Beispiel eine eigene Familie hat, tritt man sicherlich kürzer beim Tourleben. Aber Comedy ist meine größte Leidenschaft. Und auch wenn man mal Rückschläge erlebt oder länger an einem Programm feilen muss, weil es noch nicht ganz die Lacher bringt, auf die man gehofft hat: Das ist kein Grund aufzuhören. Ganz im Gegenteil: Auf jeden Fall weitermachen!

Von Geraldine Oetken/RND

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