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Medien & TV Doku „Milliardengeschäft Porno“: Eine Szene jenseits des Jugendschutzes
Nachrichten Medien & TV Doku „Milliardengeschäft Porno“: Eine Szene jenseits des Jugendschutzes
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06:05 22.05.2019
Eine Szene aus der ZDF-Dokumentation: Die Protagonistin Mara arbeitet als Webcam-Girl und bietet sogenannte User-Drehs an, trifft sich also auch mit Fans zum Sex. Quelle: Foto: Johannes Kröger/ZDF
Mainz

Wenn selbst ein Pornofilmhändler von einem „Riesenskandal“ spricht, dann muss es sich in der Tat um mehr als bloß einen Missstand handeln. Es geht um Pornografie im Internet, und die Bezeichnung „Skandal“ ist absolut angebracht. Stein des Anstoßes ist allerdings nicht die pure Existenz pornografischer Produktionen, sondern ihre permanente Verfügbarkeit auch für Altersgruppen, die dafür entschieden zu jung sind: Bei entsprechenden Internetangeboten genügt es, mit einem Mausklick zu versichern, dass der Nutzer volljährig ist. Auf diese Weise haben auch Kinder Zugriff zu Darbietungen, die selbst auf Erwachsene eine verstörende Wirkung haben können.

Das ganze Ausmaß der Misere lässt sich nur erahnen, denn über die Wirkung des Pornokonsums streiten sich die Experten ebenso wie über die Wirkung von Gewaltdarstellungen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vertritt die Haltung, Jugendliche seien durchaus in der Lage, zwischen solchen Darstellungen und der Wirklichkeit zu differenzieren. Es gibt allerdings auch Studien, die erschreckend klingen: Regelmäßiger Pornokonsum erhöhe die Neigung zu abweichender Sexualität sowie zur Anwendung sexueller Gewalt.

In der Dokumentation berichtet eine Pornodarstellerin von inszenierten Vergewaltigungen

In der ZDF-Dokumentation „Milliardengeschäft Porno – Internet-Sex ohne Jugendschutz“ berichtet eine Pornodarstellerin von inszenierten Vergewaltigungen. Laut Autor Christian Stracke zeigten die erfolgreichsten Pornofilme männliche Dominanz, Demütigung und Gewalt gegen Frauen. Das dürfte erklären, warum die Konsumenten dieser Ware zu 80 Prozent Männer sind.

Während die erwachsenen Nutzer für Treiben und Triebe in erster Linie selbst verantwortlich sind, hat es sich die Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, ihre schwächsten Mitglieder zu schützen. In den Bereichen Kino und Fernsehen funktioniert der Jugendmedienschutz gut. Fürs Kino gelten strenge Altersfreigaben, und im Fernsehen dürfen Sendungen, die für Jugendliche unter zwölf Jahren nicht geeignet sind, erst nach 20 Uhr ausgestrahlt werden. Filme mit einer Freigabe ab 16 dürfen erst nach 22 Uhr laufen. Seit Jahren beklagen Jugendschützer allerdings, dass sich ihr Metier zunehmend unglaubwürdig mache, weil im Internet zumindest aus Sicht der Nutzer anscheinend alles erlaubt sei.

Eine Studie zeigt: Schon die Hälfte der Jugendlichen haben Pornos gesehen

Laut einer Studie der Universitäten Münster und Hohenheim hat die Hälfte der Jugendlichen schon Pornografie im Internet gesehen, viele bereits mit zwölf Jahren. Die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke von der Philipps-Universität Marburg hat bei einer Befragung von 3000 hessischen Schülern zwischen 14 und 16 Jahren herausgefunden, dass die sexuelle Gewalt unter Jugendlichen deutlich zugenommen habe. Laut ihrer Studie haben 35 Prozent der befragten Mädchen bereits Erfahrungen mit sexualisierter körperlicher Gewalt gemacht. Maschke sieht einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem häufigen Pornokonsum männlicher Jugendlicher und der Ausübung von sexueller Gewalt.

Die große Frage ist nun, was sich dagegen unternehmen lässt, zumal sich die Hoffnungen des Gesetzgebers, die Pornoflut mithilfe von Filtersoftware einzudämmen, jüngst in Luft aufgelöst haben: Die zuständige Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat das Jugendschutzprogramm JusProg für unwirksam erklärt. Dabei klingt diese Filtersoftware wie die Lösung aller Probleme, denn sie lässt nur solche Angebote durch, die auch für Kinder freigegeben sind. Das Programm funktioniert aber natürlich nur, wenn es auch installiert worden ist. Maßgeblich für die Entscheidung der KJM war vor allem der Umstand, dass Jus­Prog nur auf Windows-Rechnern funktioniere. Dieses Argument kann Stefan Schellenberg, Gründer und Vorsitzender des Vereins Jus­Prog, nicht nachvollziehen, schließlich werde die Software seit 2016 im App Store von Apple angeboten. Filterlösungen für Smartphones und Tablets, die auf der JusProg-Filterliste basierten und bei iOS und Android funktionierten, gebe es ebenfalls.

JusProg soll die einzige Möglichkeit sein, den Jugendschutz im Netz zu realisieren

Die Entscheidung der KJM steht zudem im Widerspruch zur Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), die JusProg anerkannt hat. Sollten sich die beiden Einrichtungen nicht einigen können, hätte der Jugendmedienschutz ein Problem. Während sich ARD und ZDF auch im Internet an die für die TV-Ausstrahlung gültige Sendezeitbeschränkung halten, konnten die Privatsender dank Jus­Prog bereits tagsüber Sendungen in ihren Mediatheken anbieten, die im TV erst später laufen dürfen. Damit wäre dann Schluss, und das stelle das Prinzip des zeitlich unabhängigen Zugangs im Internet auf den Kopf, findet Joachim von Gottberg, bis Ende 2018 Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Er hofft daher, dass KJM und FSM noch zu einer Einigung finden: „Auch wenn JusProg noch verbesserungsfähig ist, so ist es doch von der Idee her die einzige Möglichkeit, den klassischen Jugendschutz auch im Internet zu realisieren.“

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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