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Nachrichten Medien & TV Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn: der erste Deutsche im All
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16:01 21.07.2019
Sigmund Jähn, aufgenommen nach seinem erfolgreichen Flug mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6 im August 1978. Quelle: dpa
Hannover

Aus der Ferne des Alls war sie nur als zarte Linie zu erkennen. Als ob jemand ein Stück weißen Bindfadens über Berlin gezogen hätte. Was es da aus 475 Kilometern Höhe zu sehen gab, das war allerdings nicht die Mauer, die Berlin teilte und Westberlin von der DDR abschottete – es waren die Sicherungsanlagen, der gerodete Streifen am Grenzverlauf, den man mit Adleraugen vielleicht hätte entdecken können. Doch ansonsten lag es klein und friedlich da, das deutsche Land, auf das Sigmund Jähn aus der sowjetischen Raumstation Saljut 6 blicken konnte.

Am 27. August 1978, einen Tag nach dem Start der Raumkapsel Sojus 31 vom Weltraumbahnhof Baikonur, titelte das „Neue Deutschland“ ungewohnt patriotisch: „Der erste Deutsche im All – ein Bürger der DDR“. Aus dem damals 41-jährigen NVA-Oberstleutnant Sigmund Jähn war der „Fliegerkosmonaut“ geworden. Diese etwas holprige Wortschöpfung wurde fürderhin zum Vornamen: Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn – das gehört untrennbar zusammen.

Waleri Bykowski (links) und Sigmund Jähn an Bord der Sojus 31 in Baikonur. Quelle: picture alliance/AP

Es war die Zeit des Kalten Krieges, des Wettlaufs der Systeme, auf Erden wie im All. Nach Juri Gagarin als erstem Mensch im Kosmos war Jähns Mission ein weiterer Triumph des Ostens über den Westen.

In der DDR gab es eine eigene Sigmund-Jähn-Puppe

Jähn, der bescheidene Mann aus dem vogtländischen Dorf Morgenröthe-Rautenkranz, dessen leicht lausbübisches Lächeln zum Markenzeichen wurde, war von seiner ganzen Disposition her gar nicht geeignet für den Staatszirkus, der da unvermittelt über ihn hereinbrach: „Held der DDR“, „Held der Sowjetunion“ – und, als Erster und Letzter, Träger des eigens für ihn entwickelten Ehrentitels „Fliegerkosmonaut der Deutschen Demokratischen Republik“. Nach Jähn wurde ein Frachter der DDR-Handelsmarine benannt, und von der „Kosmonaut Sigmund Jähn Interkosmos-Puppe“ gab es sogar zwei Ausführungen: eine aus Gummi, mit aufgeklebten, Jähn-blauen Augen und jenem verschmitzten Lächeln sowie eine schlichtere Variante aus „Plaste“.

Der Ruhm war „ein schwieriges Kapitel“

In einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) anlässlich von Alexander Gersts zweiter Weltraummission 2018 machte Jähn, der nur noch selten öffentlich auftritt, deutlich, dass ihm der ganze Rummel um seine Person zu viel war: „Das war ein schwieriges Kapitel. Ich hatte wirklich viele schöne Begegnungen mit einfachen Menschen, die ehrlich begeistert waren. Andererseits war ich in der Partei, ein guter Genosse und wurde für diesen Flug ausgesucht. Ich wusste somit, dass meine Aufgabe nicht mit der Landung erledigt war, und erfüllte sie. Das hieß zu zeigen, wozu die kleine DDR in der Lage war. Ich habe mich jedoch nicht verbogen, sondern so aufgeführt, wie ich es von meinen Eltern, die einfache Leute waren, gelernt hatte.“

Umringt von Pressevertretern schreiben der sowjetische Kosmonaut Valeri Bykowski (.l) und Sigmund Jähn am 3.9.1978 nach ihrer geglückten Landung in der Sowjetrepublik Kasachstan ihre Namen auf die Landungskapsel. Quelle: dpa

Sigmund Jähn war ein überzeugter Bürger seines Landes. Der erste Westdeutsche im All, Ulf Merbold, der mit 19 Jahren die DDR verließ, weil man ihn nicht studieren ließ und der wie Jähn aus dem Vogtland stammt, sagte in einem „Zeit“-Artikel zu Jähns 40. All-Jubiläum: „Sigmund würde sagen, die DDR hat Fehler gehabt, aber im Kern war sie gut. Ich dagegen sage, nicht alles war schlecht, aber im Kern war die DDR ein Unrechtsstaat.“ Allerdings war Jähn auch immer einer, der seinen eigenen Kopf hatte, nicht blind hinterherlief. 1990 sagte er in der Rückschau auf das System DDR: „Die Idee einer gerechten, humanistischen Gesellschaft ist ja so schlecht nicht. Nur ist sie in der Praxis so weit von diesem Bild abgekommen, dass auch nichts mehr zu retten war.“

Vereint im Weltraum – Sigmund Jähn (Mitte) im Kreis der sowjetischen Kosmonauten und mit dem DDR-Sandmann auf der Raumstation Salut 6. Quelle: Uwe Seidenfaden/dpa

Jähn, 1937 geboren, hat noch Erinnerungen an seine ersten Schuljahre während der Nazizeit. Sein erster Lehrer, so schildert er es, war ein überzeugter Nazi und schlug ihm einmal so brutal ins Gesicht, dass Jähn das Blut aus der Nase lief. Und schon damals faszinierten ihn Flugzeuge. „Als Sechsjähriger bewunderte ich die Flugzeuge, die in Schwärmen über uns flogen. Ich wusste damals nicht, dass sie gerade Plauen bombardiert hatten. Mein Vater ließ mich Buchdrucker lernen, der wollte nicht, dass ich abhob. Aber als die DDR begann, Luftstreitkräfte aufzubauen, war ich dabei.“

Begeisterung für die Lehrer nach dem Krieg

Dabei war Jähn zuvor auch, als die neuen enthusiastischen Lehrer nach dem Krieg vom Sozialismus schwärmten. Sie eroberten Jähns Herz, indem sie seinen Bildungshunger stillten. Dieser Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung, die da aus dem Nachlass der Massenmörder entstehen sollte, begeisterte den Arbeitersohn. Und dem jungen Staat kam der ehrgeizige und fleißige junge Mann, der nach seiner Buchdruckerlehre 1955 seinen Wehrdienst beim Vorläufer der DDR-Luftstreitkräfte antrat, Jagdflieger wurde, schnell Karriere machte und dazu 1965 mit 28 Jahren das Abitur nachholte, wie gerufen.

Das Studium zum Diplommilitärwissenschaftler in Moskau hatte er fünf Jahre später bereits abgeschlossen. Sechs Jahre lang arbeitete Jähn, einer der ersten Jetpiloten der DDR, als Inspekteur für Jagdfliegerausbildung und Flugsicherheit, bevor er ab 1976 zusammen mit Eberhard Köllner in Swjosdny Gorodok, dem Sternenstädtchen, zum Raumfahrer ausgebildet wurde – dem Ort, an dem bis heute Russlands Kosmonauten ihr Rüstzeug erhalten.

Am 27.08.1078 schlug die Parteizeitung „Neues Deutschland“ ungewohnt patriotische Töne an. Quelle: nd

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Den Ausschlag für seine Kosmonautenkarriere gaben neben der Tatsache, dass Jähn so begabt und zielstrebig war, wohl auch die proletarische Herkunft, die im „Arbeiter- und Bauernstaat“ einem Adelstitel gleichkam. Er selbst schilderte im RND-Interview seinen Sieg über Köllner beim Auswahlverfahren für die Mission Kosmos bescheiden so: „In Moskau wurde die Reihenfolge von den sowjetischen Fachleuten und Ärzten umgedreht. Mein Körper verhielt sich in der Schwerelosigkeit optimal, und ich sprach wohl am besten Russisch. So wurde ich die Nummer eins und Eberhard Köllner die Nummer zwei.“

Ein DDR-Sandmännchen im Kosmonautenanzug steckt in der Deutschen Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz im Bordanzug von Sigmund Jähn. Quelle: Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Warum der Sandmann Mascha nicht heiraten durfte

Sieben Tage, 20 Stunden, 49 Minuten und vier Sekunden verbrachte Sigmund Jähn im All, umrundete dabei mit seinem sowjetischen Kollegen Waleri Bykowski 125-mal die Erde. Mit an Bord hatte Jähn das DDR-Sandmännchen im eigens angefertigten Kosmonauten-Anzug. Bykowski seinerseits hatte ein sowjetisches Maskottchen dabei – Mascha, den Bären. Und kam auf die Idee, Sandmann und Bären zu vermählen. Da Jähn für das DDR-Fernsehen sowieso Szenen mit dem Sandmann drehen sollte, nahm er die Hochzeit auf. Ein verheiratetes Sandmännchen passte damals allerdings genauso wenig ins Bild wie die Tatsache, dass Sigmund Jähn kurz vor der Weltraummission Großvater geworden war – Opa im Orbit, das entsprach nicht hinreichend dem Heldenbild, an dem schon während der Mission fleißig gepinselt wurde.

Triumphaler Empfang: Am 24.09.1978 werden in der Innenstadt von Jena die Fliegerkosmonauten Sigmund Jähn und Waleri Bykowski von Tausenden begrüßt. Quelle: picture alliance/Universität Jena

Eines aber unterscheidet Sigmund Jähn fundamental von vielen Vorzeigefiguren der damaligen osteuropäischen Staaten: Er war ein echter Volksheld, ein Idol, eine Projektionsfläche, dass man alles schaffen kann, wenn man nur hinreichend will. Der Arbeitersohn, der nach den Sternen griff: Das ist die DDR-Variante des amerikanischen Traums. Dass man im Westen zwar Armstrong und Aldrin, ja sogar Gagarin kennt, Jähn aber nicht oder kaum zur Kenntnis nimmt, ist deshalb eine historische Ungerechtigkeit. Und das, obwohl Jähn nach der Wende noch fast 15 Jahre für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die European Space Agency (ESA) als Berater arbeitete. Aber wenigstens ist Sigmund Jähn in deutschen Astronautenkreisen eine Legende.

Sigmund Jähn im Jahr 2019. Quelle: Foto: Matthias Bein/dpa

Zwar hatte das DLR 2018 vergessen, Jähn zum Start der zweiten Mission von Alexander Gerst in Baikonur einzuladen – doch Gerst bereinigte die peinliche Situation: „Alexander Gerst hat mich aus seinem letzten Urlaub vorm Start angerufen und mir gesagt, dass er sich freue, mich beim Abheben dabeizuhaben. Da habe ich ihm erzählt, dass daraus nichts würde – weil ich nämlich keine Einladung erhalten hätte. Zwei Tage später war sie im Kasten. Das hatte Alex durchgesetzt, das macht nicht jeder.“

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Und was ist nun mit jenem legendären ersten Blick aus der Ferne auf die Erde, der ja angeblich jeden verändert? „Ich glaube, ich bin der Alte geblieben. Aber der Anblick ist schon grandios, dieses Blau. Wunderschön und eigentlich unbeschreiblich. Ich sah auf der anderen Seite aber auch ungereinigten Rauch aus Fabrikanlagen [...]. Das erschreckt einen.“

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