Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Medien & TV „Ich bin wie eine Mischung aus Maybrit Illner und Heidi Klum“
Nachrichten Medien & TV „Ich bin wie eine Mischung aus Maybrit Illner und Heidi Klum“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:11 05.02.2019
„Humor war lange Zeit Männersache“: Katrin Bauerfeind im Kölner Dock One. Quelle: WDR/Dirk Borm
2005 wurde sie mit dem Videoblog „Ehrensenf“ bekannt. Bei Auftritten mit Harald Schmidt und Stefan Raab schaffte sie den Durchbruch. Seitdem ist Katrin Bauerfeind als Moderatorin gefragt. Nun startet ihre neue Talkshow „Bauerfeind- Die Show zur Frau“ beim ARD-Sender One

Frau Bauerfeind, Sie gehörten früher zum Late-Night-Team von Harald Schmidt. Haben Sie noch Kontakt?

Nein, ich habe keinen Kontakt. Aber ich war ja ein paar Jahre Teil der Harald-Schmidt-Show, und das ist sozusagen wie Grundschule Showbusiness, insofern kann nichts schiefgehen bei meiner neuen Sendung.

Was passiert in „Bauerfeind – Die Show zur Frau“?

Ich bin wie eine Mischung aus Maybrit Illner und Heidi Klum, also zwischen sehr seriös und total albern. Ich habe prominente Gäste im Studio, mit denen ich über Themen rede, die die Gesellschaft bewegen und die Gemüter erhitzen. Zum Beispiel: Ist Essen unser neuer Gott, denn es sind immer weniger Menschen katholisch, aber immer mehr vegetarisch, oder: worüber kann und darf man in politisch korrekten Zeiten noch lachen?

„Ganz ohne Humor wird es schwierig“

Ist Humor in Zeiten politischer Korrektheit ein vermintes Gebiet?

Die Empfindlichkeiten sind auf jeden Fall andere als noch vor ein paar Jahren. Aber ich finde, dass jeder das Recht hat, verarscht zu werden – auch Minderheiten. Wenn Leute sich benachteiligt fühlen, muss man zwar fragen, warum das so ist, und sich damit auseinandersetzen. Ganz ohne Humor wird es aber auch schwierig.

Wo ist für Sie Schluss mit lustig? Ein früherer Viva-Moderator hat vor einer Weile einen spöttischen Tweet über das tragische Verschwinden von Daniel Küblböck abgesetzt und dafür einen Shitstorm geerntet …

Aber sobald es geschmacklos wird, geht es ja auch nicht mehr unbedingt um Humor. Das ist dann wieder eine andere Kategorie.

In Ihrer neuen Sendung wollen Sie auch Haltung zeigen, haben Sie angekündigt. Was genau heißt das?

Ich kann in dieser Sendung endlich alle meine Geschichten, Gags und mein gesammeltes Halbwissen anbringen. Haltung heißt, der Zuschauer weiß, was meine Meinung zum Thema ist und wo ich stehe. Das unterscheidet uns von anderen Talkshows.

„Lustige Frauen sind für viele wie ein veganes Mettbrötchen“

Spielt es heutzutage eigentlich noch eine Rolle für den Erfolg, ob man ein Entertainer oder eine Entertainerin ist?

Für viele sind lustige Frauen immer noch wie ein veganes Mettbrötchen, also ein Ding der Unmöglichkeit. Ich habe es schon erlebt, dass Männer nach meinem Soloprogramm zu mir kamen und gesagt haben: „Sogar ich als Mann hab gelacht.“ Als wäre es eine Sensation, wenn ein Mann über den Witz eine Frau lacht.

Ist das nicht schockierend?

Bis in die 60er-Jahre stand in Benimmratgebern: „Die Dame halte sich mit der Darbietung von Scherzen bei Tische zurück.“ Humor war lange Zeit einfach nicht so ein Frauending, sondern Männersache. Deswegen suchen wahrscheinlich bis heute Frauen in Kontaktanzeigen immer humorvolle Männer und andersrum sucht ein Mann nie eine lustige Frau. Aber wir haben mittlerweile Frauen wie Carolin Kebekus, Martina Hill oder Maren Kroymann im Humorgeschäft und sind damit definitiv auf dem richtigen Weg.

Zur Person und zur Show

Katrin Bauerfeind kam 1982 im schwäbischen Aalen zur Welt, sie studierte Technik-Journalismus und wurde ab 2005 mit der Internetshow „Ehrensenf“ und TV-Auftritten bei Harald Schmidt und Stefan Raab bekannt. Seitdem moderiert die 36-Jährige wechselnde Sendungen wie das Popkulturmagazin „Bauerfeind“ und die Reihe „Bauerfeind assistiert …“. Nun präsentiert die Entertainerin eine neue wöchentliche Sendung, in der sie mit prominenten Gästen über gesellschaftlich relevante Themen spricht. „Bauerfeind - Die Show zur Frau“ läuft immer mittwochs beim ARD-Spartensender One und startet am Mittwoch um 21.45 Uhr mit einer Ausgabe über Verschwörungstheorien. Zu Gast im Kölner Dock One sind Oliver Pocher und Micky Beisenherz.

„Es ist relativ viel Hass da draußen“

Sie haben ein Buch geschrieben, in dem Sie auf witzige Art zu einem liebevolleren Umgang miteinander auffordern. Ist der Ton in unserer Gesellschaft rauer geworden?

Das Buch heißt „Alles kann, Liebe muss“, und ich wollte das Thema Liebe aufgreifen, weil mir aufgefallen ist, dass relativ viel Hass da draußen in der Welt ist. Vieles ist neu, anders, da kommt man schon mal schneller ans Limit. Sie müssen sich nur in Ihr Auto setzen und werden relativ schnell im Straßenverkehr die Erfahrung machen, dass Wut scheinbar so manchem eine angemessene Reaktion auf alles zu sein scheint. Hass gilt immer als ernst, die Liebe als kitschig. Kann doch nicht sein, hab ich gedacht und wollte dem was entgegensetzen.

Wie drückt sich das in Ihrem Alltag aus?

Wenn einem einer dumm kommt, einfach nett kommen. Warum nicht? Wohin das andere führt, wissen wir ja. Außerdem werfe ich mit Komplimenten um mich. Dem Steward im Flugzeug mache ich zum Beispiel eines für seine tolle Stimme. Der freut sich, ich freue mich, alle freuen sich. Auch das gibt man weiter. Die schönen Dinge mindestens so zelebrieren wie die schlechten, auf die wir meistens eher den Fokus legen.

„Ich lese keine Internetkommentare“

Wie viel Hass schlägt Ihnen in den sozialen Medien entgegen?

Ich lese keine Kommentare. Warum sollte ich mich von wildfremden Leuten beschimpfen lassen? Auf der Straße würde man sich das auch nicht anhören, wenn irgendwer vor einem stehen bleibt und fünf Minuten über das eigene Outfit abgöbelt. Im Internet finden das alle normal.

Wie finden Sie es, dass Grünen-Chef Robert Habeck sich bei Facebook und Twitter abgemeldet hat?

Es ist schwer, das von außen zu beurteilen. Ich kann prinzipiell jeden verstehen, der bei Social Media nicht mehr mitmachen will. Vermutlich verläuft sein Leben jetzt viel entspannter. Ich hab mir kürzlich eine Kindersicherung eingerichtet: Nach einer halben Stunde ist einfach Schluss.

Von Cornelia Wystrichowski

Sie hat die ersten drei Staffeln von „Let’s Dance“ moderiert: Nazan Eckes. Nun kehrt sie zurück in die RTL-Tanzshow – allerdings in einer ganz anderen Rolle.

05.02.2019

Der Dokumentarfilmer Joe Berlinger bringt eine True-Crime-Doku bei Netflix heraus: „The Ted Bundy Tapes“ zeigt Interviews aus der Todeszelle. Doch auch in einem Kinofilm mit Zac Efron beschäftigt sich der Filmemacher mit dem Wesen des Serienkillers. Die Rechte an dem Film hat sich nun Netflix gesichert – für eine ziemlich hohe Summe.

05.02.2019

Für Journalisten war Äthiopien viele Jahre ein Alptraum. Kritik an der Regierung hatte oftmals Haft oder Exil zur Folge. Doch nun scheint sich das zu ändern – langsam.

05.02.2019