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Medien & TV Ralf Dümmel: „Es gibt kein Skript bei den ,Löwen’“
Nachrichten Medien & TV Ralf Dümmel: „Es gibt kein Skript bei den ,Löwen’“
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08:13 20.11.2018
Mag das Wort „Chef“ nicht: Ralf Dümmel steht auf „Teamwork“, hat lange Arbeitstage und erfreut sich an seiner TV-Tätigkeit. Quelle: Calimoto

Herr Dümmel, was haben Sie gerade an?

Ein schwarzes Sakko mit weißem Karomuster, die passende Weste dazu, ein schwarzes Hemd, ein weißes Einstecktuch und weiße Strümpfe. Enttäuscht?

Ein bisschen. Etwas farblos für Ihre sonst so schillernden Auftritte bei „Die Höhle der Löwen“.

Das Jahr hat ja 365 Tage – und es gibt so viele Farben. Da kommen Sie sicherlich noch auf Ihren Geschmack (lacht).

Ob Glitzer, Knallfarben oder Muster – Ihre Garderobe ist immer extravagant. Woher kriegen Sie solche Anzüge überhaupt her?

Ich habe eine Figur, die es mir nicht erlaubt, alles von der Stange zu nehmen beziehungsweise anzuziehen und loszulaufen. Deshalb lasse ich meine Anzüge zum Großteil in Deutschland schneidern. Ich lege dabei viel Wert auf kleine Details – Nähte und Knopflöcher müssen zum Beispiel farblich zum Rest des Anzuges passen.

„Man kann sich in vieles reinsteigern“

Sind Sie Perfektionist?

Ich sage es mal so: Man kann sich in vieles reinsteigern – bei mir scheinen es die Anzüge zu sein. Bei meinen ersten Anzügen waren die Knopflöcher noch nicht rot oder gelb genäht. Dann weiteten sich die bunten Knopflöcher plötzlich auf die Ärmel aus, auf die Hemden und so weiter. Ich sitze jetzt nicht mit so einem Anzug zu Hause auf dem Sofa und gucke fern. Aber im Anzug gehe ich tatsächlich auch tagtäglich zur Arbeit.

Für Karl Lagerfeld ist es die Jogginghose – was ist für Sie modisch eine Sünde?

Jeder soll das tragen, was er will. Darüber denke ich gar nicht nach. Hauptsache man fühlt sich wohl.

Für Ihre Anzüge und Sprüche bei der „Höhle der Löwen“ werden Sie im Netz bei jeder Ausstrahlung gefeiert. Kriegen Sie den Hype um Ihre Person eigentlich mit?

Ja, und das ist immer noch ungewohnt für mich. Neulich hat mich ein Pärchen auf der Straße nach einem Foto gefragt – sie hielten mir das Handy hin und ich wollte die Beiden dann fotografieren. Ich habe das im ersten Moment gar nicht verstanden, dass sie ein Selfie mit mir haben wollten.

Als Sie 2016 von Vox angesprochen wurden, als Investor bei der „Höhle der Löwen“ mitzumachen, zögerten Sie zuerst. Warum?

Aus zwei Gründen. Meine Firma DS Produkte und ich wollten eigentlich nicht in die Öffentlichkeit. DS Produkte war als Unternehmen nie bekannt und sollte auch nie bekannt werden, so war der Plan. Der zweite Grund war ein privater. Mir ging es gut, ich konnte einmal am Tag warm essen, ich konnte mich frei bewegen, ohne beobachtet oder fotografiert zu werden – wollte ich das wirklich durch ein TV-Engagement ändern?

Warum haben Sie ihre Meinung geändert?

Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit der Produktionsfirma und hatte das Gefühl, dass es für die Sendung gar nicht so schlecht wäre, wenn jemand mit meiner Produktbandbreite unter den Investoren sitzt.

„Die Höhle der Löwen“ wurde mit den Staffeln immer beliebter und erfolgreicher – Sie immer bekannter. Ist das Abendessen im Restaurant mit Ihrer Lebensgefährtin Anna Heesch überhaupt noch möglich?

Das ist in der Tat wirklich nicht mehr so möglich. Mir passiert es schon öfter, dass Leute an meinen Tisch kommen und mir ihr Produkt präsentieren wollen.

Wie reagieren Sie dann?

Ich habe vor allen Menschen sehr viel Respekt und höre mir das natürlich an. Aber natürlich versuche ich relativ schnell auf unsere Investmentfirma zu verweisen. Da haben wir die entsprechenden Mitarbeiter, die Ideen oder Investments prüfen. Mein Tag hat ja auch, leider, nur 24 Stunden.

„Riesigen Respekt vor den anderen ’Löwen’“

Mit Ihrer Hamburger Schnauze sind Sie ja so ein bisschen der Tim Mälzer unter den „Löwen“. Wie würden Sie ihre Mitstreiter charakterisieren?

So eine gigantische Schnauze wie Tim habe ich doch gar nicht (lacht). Die anderen „Löwen“ charakterisieren, das kann ich gar nicht so. Aber ich kann sagen, dass wir alle ein wirklich sehr gutes Verhältnis zueinander haben. Ich habe riesigen Respekt vor den anderen „Löwen“. Jeder hat seine Stärken, andere Seiten – vielleicht habe ich ein ganz, ganz, ganz kleines bisschen mehr Kompetenz als die anderen. Im Endeffekt sitzen wir aber alle im gleichen Show-Boot. Wir freuen uns für einander und wir leiden miteinander.

Leiden?

Ja, wenn es vorkommt, dass ein Deal nach der Sendung platzt und die Presse darüber herzieht, tangiert uns das durchaus. Da können ja die „Löwen“ nichts dafür, wenn beispielsweise anders als in der Show gesagt, dann doch das versprochene Patent nicht da ist oder die Firma viel höher verschuldet ist als dargestellt. Ich möchte immer zu meinem Wort stehen können und versuche dann trotzdem in irgendeiner Form zu unterstützen, wenn möglich.

Ist die Sendung so ehrlich?

Ja, es gibt kein Skript wie viele vermuten. Wir sehen die Gründer in dem Moment ihrer Präsentation das erste Mal und reagieren darauf. Das sind zu einhundert Prozent wir.

Sie haben mit Frank Thelen in der fünften Folge einen Deal hinter dem Rücken der anderen „Löwen“ abgeschlossen – sehr zum Unmut von Carsten Maschmeyer. Dieser Streit war also nicht inszeniert?

Überhaupt nicht! Da ging es kurz wirklich heiß her. Da habe ich mir gedacht, da guckst Du jetzt lieber mal in dein Buch rein und wartest, bis die Emotionen wieder runterkochen. Ich bin ja eher der zurückhaltende Typ (lacht).

Sie scheinen vor allem ein Typ zu sein, der andere wertschätzt. Sie selbst haben sich vom Hauptschüler zum Chef von DS Produkte hochgearbeitet. Rührt ihr umsichtiger Umgang mit anderen Menschen daher? Von einem Lebensweg, der streckenweise auch nicht ganz so einfach war?

Das kann schon sein. Ich mag ja auch das Wort „Chef“ gar nicht. Wenn ich nicht so ein fantastisches Team hinter mir hätte, würde meine Firma überhaupt nicht laufen. Deshalb ist mir ein fairer Umgang extrem wichtig. Mein Ziel war es immer, Spaß an der Arbeit und so einen hohen Posten zu haben, dass keiner meckert, wenn ich an einem Tag mal später ins Büro komme.

Das müsste ja nun geklappt haben.

Überhaupt nicht (lacht). Ich kann das einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn ich morgens erst nach 8 Uhr komme. Und dann geht mein Arbeitstag im Normalfall so bis zehn oder elf Uhr abends – aber ich liebe meinen Job.

Das ist hart.

Das habe ich gestern Abend auch gedacht (lacht).

Machen Sie denn bei solch langen Arbeitstagen wenigstens regelmäßig Pause?

Eine Mittagspause mache ich nicht. Deshalb bin ich immer froh, wenn ich ein geschäftliches Abendessen habe oder meine Lebensgefährtin Anna Heesch für mich kocht – dann ernähre ich mich wenigsten Mal gesund. Ansonsten ist bin ich eher der Currywurst-Pommes-Typ – wie man vielleicht an meiner Figur erkennen kann. (lacht)

Sie sind Fußball-Fan. Spielen Sie selbst kein Fußball?

Bis jetzt habe ich keinen von meinen Freunde dafür begeistern können, um Mitternacht mit mir Fußball zu spielen. Und ganz ehrlich: Wenn ein Spiel auch nur fünf Minuten dauern würde, würde ich nach drei Minuten schon fragen, wie lange ist es noch? (lacht)

„Können kommt von Wollen“

Kommen wir nochmal zurück auf „Die Höhle der Löwen“. Was sind die Fehler, die junge Gründer am häufigsten machen?

Mein Leitsatz ist: Können kommt von Wollen. Für eine Idee brennen und dafür kämpfen – das ist erstmal die Grundvoraussetzung. Das Problem dabei ist, nicht die Kosten aus den Augen zu verlieren. Bevor kein Geld verdient wird, muss man das Geld im Zaun halten, denn: Geld haben kommt von Geld nicht ausgeben.

Was war Ihr erster Deal?

Ich wollte als Jugendlicher unbedingt eine Ausbildung bei Möbel Kraft machen. Mein Vater hat da gearbeitet – und ich sah mich da auch. Der Personalchef allerdings nicht. Jedenfalls nicht ohne einen Realschulabschluss. Also schlug ich ihm einen Deal vor: Ich mache den Abschluss und er gibt mir dafür den Ausbildungsplatz. Das fand er so frech, dass er sich darauf eingelassen hat. Ein halbes Jahr vor Abschluss ging ich dann noch einmal mit meinem Zwischenzeugnis zu ihm hin. Nach einem Blick auf meine Noten hat er gefragt, ob das mein Ernst wäre. Aber unser Deal beinhaltete ja nur den Abschluss – egal, ob gut oder schlecht. Ich hatte nie große Lust auf Schule, aber aufs Verkaufen. So geht jeder seinen Weg.

Von Amina Linke / RND

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