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Medien & TV „Tatort“ aus Luzern: Kommissare in Gefahr
Nachrichten Medien & TV „Tatort“ aus Luzern: Kommissare in Gefahr
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16:12 30.12.2018
Gefangen im Panik-Room: Leonie Seematter (Cecilia Steiner) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) werden von Mike (Misel Maticevic) bedroht. Quelle: Daniel Winkler/ARD
Luzern

Ein Jahr vor Toresschluss, Ende 2018, nimmt der Luzerner „Tatort“ noch mal so richtig Fahrt auf. Zwar bleiben auch in ihrem drittletzten Fall die Ermittler Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) gewohnt farblos, aber das stört diesmal kaum. Stattdessen bietet die Geschichte spannende Unterhaltung bis zur letzten Minute, selbst die mit ihr transportierte Gesellschaftskritik kommt nie penetrant oder oberlehrerhaft daher.

Und auch das Ensemble agiert exzellent, allen voran der gewohnt wuchtige Misel Maticevic, („Babylon Berlin“) und Roland Koch, der zeitweise als Schweizer Kommissar in dem inzwischen eingestellten Bodensee-„Tatort“ zu sehen war. Nur die Schweizer Polizei verhält sich am Ende der Folge „Friss oder stirb“ wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen.

Die obligatorische Leiche spielt kaum eine Rolle

Wie immer gibt es gleich zu Anfang die obligatorische Leiche, die dann jedoch in dem Film kaum eine Rolle mehr spielt. Diesmal trifft es die Dozentin einer lokalen Hochschule. Die Ermittlungen führen Ritschard und Flückiger zu dem Chef des Unternehmens, Anton Seematter (Koch). Als sie ihn jedoch in seiner Luxusvilla befragen wollen, geraten sie mitten hinein in eine Geiselnahme. Mike Liebknecht (Maticevic) – nur ein Schelm denkt bei dem Namen an den alten KPD-Haudegen – ist in das Haus mit Waffengewalt eingedrungen, bedroht nun die Unternehmerfamilie und fordert exakt 567 840 Euro und ein paar Cent. Eine Summe, die er sich ausgerechnet hat, weil sie ihm seiner Meinung nach zusteht.

Die Kommissare geraten selbst in Gefahr. Quelle: ARD Degeto/Programmplanung und P

Liebknecht ist nämlich entlassen worden, nachdem Seematters Unternehmen seine Bremerhavener Firma aufgekauft und dann einen Teil der Produktion nach Asien verlegt hat. Und das von ihm geforderte Geld entspricht nun genau der Summe, die er bis zur Rente verdient hätte. Leider hat er dabei vergessen, die Inflationsrate mit zu berechnen. Das jedenfalls erklärt ihm gnadenlos zynisch Seematter. Und Liebknecht schaut dabei aus wie ein sprichwörtlich begossener Pudel. Seematters Tochter (Cecilia Steiner) ist ganz der Spross ihres reichen Vaters.

„Es kann nicht jeder mit Privilegien geboren werden“

„Es kann nicht jeder mit Privilegien geboren werden, sonst wären es ja keine mehr“, erklärt sie Liebknecht einmal und postet schnell die Geiselnahme bei Instagram.

In solchen Szenen und Dialogen führen Regisseur Andreas Senn und die Drehbuchautoren Jan Cronauer sowie Matthias Tuchmann die unglaubliche Arroganz von Reichen und Mächtigen wie Seematter anschaulich vor, und man ahnt schnell, dass dagegen ein Loser dieses Gesellschaftsspiels wie Liebknecht selbst mit einer geladenen Waffe in der Hand auf verlorenem Posten kämpft. Dennoch entwickelt sich langsam, aber stetig ein aufregender Geiselnahmethriller mit allem, was dazugehört – mit beispielsweise plötzlichen Gewaltausbrüchen. Schweizer Männer haben anscheinend fast alle ihre Militärwaffe im Schrank.

Angespannte Ausnahmesituation

In dieser angespannten Ausnahmesituation bilden sich seltsame Allianzen. Da gibt es zum Beispiel Seematters Frau (Katharina von Bock), die auch noch eine Rechnung offen hat mit ihrem ach so erfolgreichen Gatten. Mittendrin in diesem Schlamassel stecken Flückiger und Ritschard, die ohnmächtig Zeugen dieses gefährlichen Geisel-Kammerspiels werden.

Kurzum: Dieser Luzerner „Tatort“ ist sehenswert auch und nicht zuletzt, weil er endlich seine Kinderkrankheiten überwunden hat, die stets in Deutschland zu sehr mäßigen Einschaltquoten geführt haben. So stört die nachträgliche Synchronisation ins Hochdeutsche diesmal überhaupt nicht. Die Handlung ist bisweilen nervenaufreibend spannend, die Dialoge sind nicht mehr holprig.

Und selbst an den steifen Vorgesetzten der beiden Ermittler hat man sich nach 15 Fällen gewöhnt. Die sind halt so, die Schweizer. Ganz verschwinden unsere Nachbarn nicht von der „Tatort“-Bühne. Ab 2020 ermittelt nämlich ein Ermittlerteam von Zürich aus, also einer Stadt, die für Krimiautoren einiges zu bieten hat: verschwiegene Privatbanken, den Sitz der Fifa und die Europa-Niederlassung von Google.

Lesen Sie hier:
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Von Ernst Corinth/RND

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