Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Medien „Eichwald, MdB“: Das sind die großen Vorbilder der Politsatire
Nachrichten Medien „Eichwald, MdB“: Das sind die großen Vorbilder der Politsatire
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:48 12.06.2019
Sechs neue Folgen von „Eichwald MdB“ – wieder mit dabei: Leon Ullrich (2.v.r.) als Sebastian Grube , Bernhard Schütz (2.v.l.) als Hajo Eichwald, Lucie Heinze als Julia Schleicher und Rainer Reiners (r) als Berndt Engemann. Quelle: Maor Waisburd/ZDF/dpa
Berlin

Die PolitsatireEichwald, MdB“ war 2015 zwar ulkig, aber wahrhaftig. Eine Legislaturperiode später kehrt Bernhard Schütz heute (22.30 Uhr) als stets gehetztes, leicht korruptes, trotzdem liebenswertes Bundestagsdauermitglied im Netz von Machtkämpfen, Seilschaften, Privatallüren zurück ins ZDF. Grund genug für eine Werkschau internationaler Serien, seit die BBC Legislative und Exekutive 1990 fiktionstauglich gemacht hat.

House of Cards (1990-1995, BBC/ARD)

Wer: 23 Jahre, bevor es ihm Frank Underwood (Kevin Spacey) in den USA nachmachte, zog Francis Urquhart (Ian Richardson) meisterlich die Strippen der britischen Politik.

Wie: Dabei führt sein Weg nach oben zwar buchstäblich über Leichenberge – die Frau an seiner Seite agiert dabei jedoch weniger männlich als Robin Wright 2013 auf Netflix.

Was: Weil Urquharts sinistre Mischung aus Skrupellosigkeit und Pragmatismus alle bisherigen Bösewichter in den Schatten stellt, sah man ihm wie berauscht dabei zu.

Spin City (1996-2002, NBC/Pro7)

Wer: Als 2. Bürgermeister versucht Michael J. Fox Ignoranz und Inkompetenz der New Yorker Stadtverwaltung – inklusive seines überforderten Chefs – auszubügeln.

Wie: Anders als Urquhart ist NYC-Vize Mike Flaherty von einer empathischen Aufrichtigkeit, die ihn zwar manchmal am System verzweifeln, aber nie aufgeben lässt.

Was: Bill Lawrence virtuose Situationskomik sorgte sechs Staffeln für heitere Wahrhaftigkeit, die Charly Sheen als Ersatz des erkrankten Fox noch sarkastisch anfütterte.

The West Wing (1999-2006 NBC/Fox)

Wer: Ausgerechnet Sheens Vater Martin debütierte parallel als ehrbarer US-Präsident Josiah Bartlet und sorgte 154 Episoden in sieben Staffeln für Topquoten.

Wie: Waren Bartlets reale Vorbilder nur Randfiguren im TV-Spiel der Macht, halfen diese hier der Nation menschlich fehlbar, aber politisch ehrbar über Bush und 9/11 hinweg.

Was: Nicht nur dank Aaron Sorkins brillantem Wortwitz hortete „West Wing“ Emmys, verfestigte aber auch das gängige Bild vom Haifischbecken Tagespolitik.

Kanzleramt (2005 ZDF)

Wer: Als aufrechter Regierungschef, der sein diffiziles Privatleben mit dem exekutiven Alltag austariert, sollte Klaus J. Behrendt eine Art deutscher Josiah Bartlet werden

Wie: Kurz vorm Ende von Rot-Grün in Berlin erinnert Hans-Christoph Blumenbergs rustikaler Leitwolf dabei an Gerhard Schröder, wie der wohl gern gewesen wäre.

Was: Weil dessen Kampf schon vor den zwölf Folgen zur echten Abwehrschlacht gewachsen war, bevorzugten die Zuschauer das Original und schalteten ab.

Borgen (2010-2013, DR1/Arte)

Wer: Nachdem Geena Davis 2005 als erste Präsidentin kurz im Oval Office saß, schaffte es Sidse Knudsen als dänische Amtskollegin Nyborg bald darauf zu Weltruhm

Wie: Dabei durfte Adam Prices reale Kunstfigur anders als „Madam Secretary“ oder Julianne Margulies als „The Good Wife“ nicht nur zart, sondern oft härter als Kerle sein

Was: Das Erfolgsgeheimnis der drei Staffeln war allerdings die Glaubhaftigkeit selbst absurdester Rankünen, gepaart mit einer eleganten Bildsprache ohne Effekthascherei.

Veep (2012-2019, HBO/Sky)

Wer: Damit war der Weg bereitet Julia Louis-Dreyfus, deren Vizepräsidentin, kurz: Veep eine Art Frank Underwood in lustig und damit sensationell erfolgreich war.

Wie: Nach dem Buch von Armando Iannucci, der zuvor das Londoner Politdrama „The Thickofit“ ersonnen hatte, glänzt „Veep“ vor allem durch verschachtelte Leichtigkeit.

Was: Dafür gab es bei sieben Staffeln allein sechs Emmys für die Titelheldin in Folge – Rekord! Ebenso wie die Zahl der Zuschauer und Lobeshymnen.

Die Stadt und die Macht (2016, ARD)

Wer: Anna Loos versucht, ihrer Bürgermeisterkandidatin Kröhmer im Clinch mit Alphatieren, Vorurteilen, Hauptstadtmedien Niveau und Grandezza zu verleihen.

Wie: Wie Rosalie Thomass ein Jahr drauf als „Die Lobbyistin“ (Neo), verläuft sich Friedemann Fromms weiblicher Frischling heillos im männlichen Platzhirschgehege.

Was: Weil es beiden misslang, Herz und Hirn unterhaltsam in Einklang zu bringen, halbierte sich das Publikum praktisch mit jeder von je sechs Folgen.

Von Jan Freitag

„Chernobyl“ wird bereits als die beste TV-Serie weltweit gehandelt. Zweieinhalb Jahre recherchierte Craig Mazin akribisch für die Katastrophen-Verfilmung. Davor hatte er sich allerdings durch eine ganz andere Sorte von Filmen einen Namen gemacht.

12.06.2019

Hajo Eichwald hat es geschafft, wieder in den Bundestag zu kommen. Aber es war verdammt knapp. Umso mehr will er von sich reden machen – als Anti-Doping-Aufklärer zum Beispiel. Das geht natürlich schief.

12.06.2019

Das Warten hat ein Ende: Am 21. Juni startet offiziell die zweite Staffel der deutschen Netflix-Mysteryserie „Dark“. Was Sie jetzt wissen müssen.

11.06.2019