Auf den Campingplätzen in Schleswig-Holstein bleibt es eng
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Auf den Campingplätzen in Schleswig-Holstein bleibt es eng

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12:19 26.05.2021
Mehr Kapazitäten für die Campingplätze in Schleswig-Holstein — dieser Vorstoß der Landesregierung vom Jahresbeginn droht zu versanden.
Mehr Kapazitäten für die Campingplätze in Schleswig-Holstein — dieser Vorstoß der Landesregierung vom Jahresbeginn droht zu versanden. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Eine Abfrage im Mai ergab, dass in sieben der elf Kreise in Schleswig-Holstein kein einziger Antrag darauf gestellt wurde, die Kapazitäten eines Campingplatzes für dieses Jahr zu erweitern. Bei den vier übrigen Kreisen kommt nicht einmal ein Dutzend Anträge zusammen, die sich insgesamt auf etwa 700 bis 800 zusätzliche Stellplätze beziehen.

Hintergrund ist, dass das Land Schleswig-Holstein in dieser Saison mit einem Ansturm von Camping-Touristen rechnet, weil viele Deutsche wegen der Corona-Pandemie lieber Urlaub im eigenen Land machen wollen. Das war bereits 2020 beobachtet worden - die Campingplätze waren überfüllt. Viele Gäste musste abgewiesen werden.

Platz für mehr Urlauber auf den Campingplätzen in Schleswig-Holstein angestrebt

Deshalb haben Tourismus-, Umwelt- und Innenministerium Anfang des Jahres einen Erlass herausgebracht, in dem die Kommunen aufgefordert werden, zusätzliche Stellplätze zu dulden - allerdings nur für diese Saison. Den Campingplatzbetreibern sollte damit ermöglicht werden, ihre genehmigten Kapazitäten um 15 Prozent innerhalb und um 20 Prozent auf direkt angrenzenden Arealen zu überschreiten.

„Die Flächen sollen einem coronabedingten Mehrbedarf der Saison 2021 dienen“, hieß es damals in einem Papier des Landes an die Kommunen. Schutzgebiete, Brandschutz und andere Verordnungen müssten aber weiter eingehalten werden. Das wird offenbar sehr genau genommen.

So kritisiert etwa Gert Petzold, Vorsitzender des Landesverbands Schleswig-Holstein im Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland: „Das Problem ist, dass die Behörden sehr vorsichtig sind, da werden überzogene Forderungen gestellt. Dabei soll es doch nur um eine vorübergehende Regelung gehen, das hat auch das Innenministerium noch einmal betont.“

Campingwirtschaft kritisiert: Der Aufwand ist zu hoch

Eine Abfrage unter seinen 140 Mitgliedsbetrieben hatte ursprünglich ein Potenzial von mehr als 1000 zusätzlichen Stellplätzen ergeben. „Davon müssen wir wohl eine ganze Reihe einstampfen“, so Petzold angesichts der geringen Zahl an Anträgen von allen rund 325 Campingplätzen in Schleswig-Holstein mit etwa 20.000 Stellplätzen.

Petzold wundert sich kaum über das geringe Interesse. Die Unteren Naturschutz- und Bauaufsichtsbehörden verlangten etliche Nachweise und Skizzen schriftlich - der Aufwand sei zu hoch. Im Kreis Steinburg haben zwei Betreiber nach Anfragen an die Verwaltung gleich aufgegeben und erst gar keine Anträge gestellt.

Gert Petzold schlägt vor, die Verfahren unkompliziert den Behörden vor Ort zu übergeben, damit die eine schnelle Entscheidung treffen könnten. Doch dazu wird es in den meisten Kreisen kaum kommen.

„Der Erlass des Landes sieht ein umfangreiches Prüfprogramm vor, das sich an den normalen Genehmigungsverfahren für Campingplätze orientiert. Unter anderem müssen Natur- und Brandschutzaspekte geprüft werden“, heißt es etwa aus dem Kreis Plön.

Drei Anträge für 100 Stellplätze im Kreis Plön

Dort sind im April und Mai drei Anträge gestellt worden für insgesamt 100 zusätzliche Standplätze. „Für den ersten Antrag hat der Kreis Plön eine Genehmigung von 29 zusätzlichen Stellplätzen erteilt. Diese grenzen unmittelbar an einen bestehenden Campingplatz. Die beiden übrigen Anträge befinden sich derzeit noch in der Prüfung“, so Kreissprecherin Rebekka Merholz.

Während auf Eiderstedt (Kreis Nordfriesland) ein Antrag auf zehn Stellplätze gestellt wurde, geht es im Kreis Schleswig-Flensburg um ein Volumen von 205 zusätzlichen Stellmöglichkeiten für Zelte, Wohnmobile und Wohnwagen - geduldet ist davon aber noch kein einziger.

Spitzenreiter ist jedoch der Kreis Ostholstein mit der Camping-Hochburg Lübecker Bucht. Dort hatte es laut Nils Hollerbach, Fachbereichsleiter für Planung, Bau und Umwelt, sogar eine Planungsveranstaltung mit den Gemeinden gegeben, bei der vereinfachte Regeln zur Duldung aufgestellt wurden.

Eine Handvoll Duldungen für Campingplätze im Kreis Ostholstein

Nun finde einmal wöchentlich ein Treffen aller Beteiligten statt, um aufgelaufene Anträge zu bearbeiten. „Wir wollen das nicht auf die lange Bank schieben, es soll ja sofort helfen“, so Hollerbach. Eine Handvoll Duldungen sei bereits erteilt - mit jeweils etwa 100 Stellplätzen.

Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) will die Zahlen nicht bewerten. „Wir haben alles Notwendige in die Wege geleitet, um eine unbürokratische Kapazitätserweiterung zu ermöglichen. Das kann annehmen, wer möchte. Gezwungen wird dazu natürlich niemand, das müssen die Betreiber der Campingplätze selbst entscheiden“, so Buchholz.

Von Tilmann Post