Babyelefant aus dem Leipziger Zoo starb an hoch aggressivem Virus
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Babyelefant aus dem Leipziger Zoo starb an hoch aggressivem Virus

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17:39 28.06.2021
Elefant Kiran starb am Elefanten-Herpes-Virus.
Elefant Kiran starb am Elefanten-Herpes-Virus. Quelle: Zoo Leipzig
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Leipzig

Die Todesursache ist geklärt: Der 17 Monate alte Elefantenbulle Kiran aus dem Leipziger Zoo ist am hoch aggressiven Elefanten-Herpes-Virus EEHV1 (Endotheliotropes Elefanten Herpesvirus) gestorben. Es zerstört die Gefäßwände und führt zu inneren Blutungen. Am 18. Juni hatten die Pfleger den Jungbullen tot im Gehege gefunden. „Der pathologische Befund zeigt deutlich, dass wir keine Chance hatten, Kiran zu retten. Das Herpes-Virus hatte bereits alle Organe angegriffen und zu einem multiplen Organversagen geführt“, teilte Zoodirektor Professor Jörg Junhold mit. Es handelt sich um den ersten Ausbruch des Virus im Leipziger Zoo. Was dazu geführt hat, sei nicht mehr nachvollziehbar. Bei den anderen Elefanten der Herde wurde aktuell keine Erkrankung festgestellt.

Babyfant Kiran feierte im Januar seinen ersten Geburtstag. Quelle: Zoo Leipzig

Besonders in Zoos gefürchtet

Das Elefanten-Herpes-Virus ist weltweit verbreitet und besonders in den Zoos gefürchtet. Meist trifft es Jungtiere. Laut Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) sind in den vergangenen 30 Jahren mehr als 30 Asiatische Elefanten in europäischen Zoos daran gestorben: vier im Berliner Zoo, zwei im Hamburger Tierpark Hagenbeck. Von dort stammt übrigens auch Elefantenkuh Rani (12), die Mutter des jetzt in Leipzig betroffenen Jungbullen Kiran. Die Tierrechtsorganisation Peta sieht einen Zusammenhang zwischen dem Stress, dem Elefanten in Zoohaltungen ausgesetzt sind, und der Anfälligkeit für den Krankheitsausbruch.

Schweizer Wissenschaftler forschten zum Virus

Drei Tiere sind in der Schweiz dem tödlichen Virus zum Opfer gefallen. Dort befassten sich Wissenschaftler der Universität Zürich intensiver mit dem Elefanten-Herpes-Virus, das für den Menschen keine Gefahr darstellt. Sie fanden heraus, dass es unter den Dickhäutern Superspreader gibt, die das Virus in großen Mengen ausscheiden – es sitzt unter anderem im Rüssel. Andere Tiere scheiden das Virus gar nicht oder nur selten aus.

Die Zürcher Forscher sind überzeugt: „Wichtig ist, dass Elefanten in Zoos regelmäßig auf Herpes untersucht werden.“ Nur wenn ein Krankheitsausbruch sehr frühzeitig festgestellt wird, noch bevor Symptome auftreten, können Medikamente helfen. Werden die ersten Symptome sichtbar, sind die Heilungschancen sehr gering. Generell verläuft die Krankheit meist tödlich.

Regelmäßige Blutuntersuchungen

„Unsere Elefantenherde unterliegt einer engmaschigen Kontrolle, zu der auch regelmäßige Blutuntersuchungen gehören, jedoch geben die Blutwerte nur bei einem Ausbruch Aufschluss über die Erkrankung, ansonsten ist das Virus kaum nachweisbar. Ist die Viruslast hoch, beginnt ein Kampf gegen die Zeit mit wenig guten Aussichten. Wir stehen vor einer Herausforderung, da bislang zu wenig Erkenntnisse über das Virus vorliegen und noch kein Impfstoff zur Verfügung steht“, so Leipzigs Zootierarzt Doktor Andreas Bernhard.

Zuchtbemühungen gehen weiter

Tierfreunde und Zoofans reagierten auf den Tod von Kiran genauso geschockt wie der Zoo selbst. Trotz des tragischen Verlusts will der Leipziger Zoo die Zucht fortsetzen und sich weiterhin um Nachwuchs bei den stark bedrohten asiatischen Elefanten bemühen. „Dies kann, da man in Generationen denken muss, viele Jahre in Anspruch nehmen“, erklärte Zoochef Junhold. Im Leipziger Elefantentempel seien inzwischen wieder Ruhe und der Alltag zurückgekehrt.

Auch Wildtiere sind betroffen

„Elefanten-Herpes ist keine reine Zoo-Erkrankung“, stellt der Schweizer Virologe Mathias Ackermann klar. Fallzahlen aus dem Freiland liegen nicht vor, jedoch seien Erkrankungsfälle sowohl aus der asiatischen als auch der afrikanischen Wildnis bekannt. Die Mehrheit der Dickhäuter ist offenbar ausschließlich Träger des Virus und erkrankt selbst nicht.

Von Kerstin Decker