Corona-Leugnung im ZDF: Leipziger Pfeffermühle geht auf Distanz zu Kabarettist Rainer Koschorz
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Corona-Leugnung im ZDF: Leipziger Pfeffermühle geht auf Distanz zu Kabarettist Rainer Koschorz

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11:49 30.12.2020
Im Gespräch mit ZDF-Journalist Jochen Breyer zur Reportage „Der Querdenker-Effekt“: Rainer Koschorz vertritt Behauptungen von Corona-Leugnern.
Im Gespräch mit ZDF-Journalist Jochen Breyer zur Reportage „Der Querdenker-Effekt“: Rainer Koschorz vertritt Behauptungen von Corona-Leugnern. Quelle: Screenshot
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Leipzig

Kabarett-Kenner dürften gestaunt haben: In der kürzlich gesendeten Zoom-Reportage „Der Querdenker-Effekt“ des ZDF tauchte ein Leipziger Künstler als Corona-Leugner auf. Rainer Koschorz vertritt gegenüber ZDF-Mitarbeiter Jochen Breyer unverhohlen „Querdenker“-Thesen, etwa dass eine neue Diktatur in Deutschland errichtet werden solle. Sein Arbeitgeber, die Leipziger Pfeffermühle, ist von dem Auftritt entsetzt.

In der halbstündigen Sendung kommt Koschorz ab Minute 23 zu Wort. Er kritisiert, dass wie zu DDR-Zeiten die aktuelle Lage in den Medien nicht realistisch dargestellt werde. Ungläubig fragt Breyer nach. „Die gleichgeschalteten Medien von damals vergleichen sie mit dem Zustand heute in unserer Demokratie?“, will er wissen. Der 58-Jährige antwortet: „Ich muss jetzt aufpassen, was ich sage, aber ich kann es mit Ja beantworten.“

„Infiziertenzahlen sind Manipulation“

Kritische Berichte lässt der Schauspieler und Kabarettist nicht gelten. Die tägliche Zahl der Infizierten „in der Leipziger Volkszeitung oder im Fernsehen“ bezeichnet er als Manipulation und behauptet, es gebe keine Pandemie. Auf die Nachfrage Breyers, ob er wirklich glaube, dass „bei uns eine Diktatur errichtet werden soll“, reagiert Koschorz mit „Letztendlich: Ja“.

Die Zoom-Sendung im Video (ab Minute 22)

Auch Dieter Richter, Geschäftsführer der Leipziger Pfeffermühle, hat den Beitrag, der nach wie vor in der ZDF-Mediathek steht, gesehen. „Für unser Haus ist das eine Katastrophe“, kommentiert er das Auftreten des Ensemble-Mitglieds. „Ich distanziere mich entschieden von solchen Äußerungen.“ In der Vergangenheit hätten schon einige Statements von Koschorz, der auf mehreren Querdenker-Demos mitlief, auf dessen Haltung hingedeutet, doch nun habe er eine Grenze überschritten.

Spricht im Pfeffermühlen-Programm „So’n Hals!“ auch über Corona: Rainer Koschorz (r.) mit Kollege Matthias Avemarg. Quelle: Kempner

Pikant dabei: Koschorz ist Teil der Pfeffermühlen-Produktion „So’n Hals!“, die sich unter anderem mit der Pandemie und ihren Folgen auseinandersetzt. Richter kann nicht ausschließen, dass sich die Gesinnung des Kollegen in verbalen Einwürfen von der Bühne niederschlägt. „Das geht natürlich überhaupt nicht. Agitation und das Verbreiten eines solchen Unsinns wird es bei uns nicht geben“, stellt der Chef klar. Er sieht bei Koschorz einen Mangel an Verantwortungsbewusstsein. „Selbstverständlich gilt die Meinungsfreiheit, doch als öffentlich bekannter Künstler vertritt er immer auch die Pfeffermühle – und beschädigt so unseren Ruf.“

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Nach der Ausstrahlung der Sendung bekam Richter zahlreiche Reaktionen von Zuschauern oder Kollegen zwischen Überraschung und Schock. Den Fernsehauftritt möchte er mit Koschorz persönlich klären. „Ich will mit ihm ausführlich über alles reden. Um personelle Konsequenzen zu vermeiden, hoffe ich auf eine Einigung“, sagt er. Bislang hat der Geschäftsführer den Künstler nicht erreicht. Auf Anfragen der LVZ reagiert Koschorz ebenfalls nicht.

Pfeffermühle hofft aufs Durchkommen

Gebrauchen kann Richter diese Art von negativer Aufmerksamkeit weniger als je zuvor. Wegen der aktuellen Bestimmungen ist, wie so viele andere Spielstätten, auch sein Haus bis mindestens 10. Januar geschlossen, und die Zeichen stehen auf Lockdown-Verlängerung. Kein Publikum, keine Einnahmen, aber laufende Zahlungen. Im Gegensatz zu seinem Kollegen stellt Richter die Maßnahmen der Regierung dennoch nicht in Zweifel. „Der Shutdown ist eine Notwendigkeit, da müssen wir durch.“

Von Mark Daniel