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Panorama Amateursportler über Doping: „Präparate im Fitness-Studio anzubieten ist ganz normal“
Nachrichten Panorama Amateursportler über Doping: „Präparate im Fitness-Studio anzubieten ist ganz normal“
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21:14 09.07.2019
Bei einer beispiellosen Anti-Doping-Razzia sind europäische Sicherheitsbehörden in 33 Ländern gegen den Handel mit Anabolika und gefälschten Medikamenten vorgegangen. Quelle: Belgium Federal Police/Europol

Sie haben lange Zeit im Fitness-Studio gearbeitet und sind selbst als Amateur-Sportler aktiv. In beiden Positionen haben Sie Doping-Fälle gesehen. Gibt es da einen roten Faden? Oder eine spezielle Zielgruppe fürs Doping?

Alle, die sowas machen, haben in der Regel ein grundsätzliches Problem mit sich selbst – oder mit dem hohen, selbst auferlegten Erfolgsdruck. Da sie ihr Ziel durch normales Training nicht so schnell erreichen, suchen sie sich andere Möglichkeiten, eventuell leistungsfähiger zu werden.

Ab wann spricht man eigentlich von Doping?

Im Fitness-Bereich gibt es ohne Ende Supplements, das sind im Endeffekt einfache Nahrungsergänzungsmittel. Dazu gehören neben Eiweißpulver auch sogenannte Booster. In diesen Boostern ist zum Beispiel Arginin enthalten, das erweitert den Blutfluss. Und Beta Alanin – davon bekommst du Kribbeln unter der Haut. Das ist aber alles noch nicht schlimm – und auch erlaubt. Aber dann gibt es eben auch Booster, die Zusatzstoffe enthalten, die auf roten Listen stehen. Das steht aber natürlich nicht auf der Verpackung. Am Ende wissen dann viele Amateursportler schlicht und einfach nicht, was sie genau einnehmen, dass sie dopen.

Welche Präparate werden denn im Amateursport genommen?

Das geht wirklich von A bis Z. Es gibt viele Mittel, die du oral einnimmst, also Tabletten und Co. Da die aber nicht annähernd so effektiv sind, wie etwas, das in­ji­zie­rt wird, greifen viele leider zur Spritze. Da gibt es zum Beispiel Testosteron und Steroide, die du dir direkt in den Muskel einführst.

Wieso greift man eigentlich zu leistungssteigernden Mitteln?

Dadurch, dass viele Leute einfach keine Zeit mehr haben und auch keine Lust, lange zu trainieren und sich an die Ernährung zu halten, denken sie, es sei okay, damit einfach ein bisschen nachzuhelfen. Das ist aber ein Irrglaube. Es geht dadurch vielleicht für eine kurze Zeit schneller, aber wenn du das Level halten willst, musst du immer mehr nehmen und immer weitergehen. Ansonsten baut sich das sehr schnell auch wieder ab. Nur wer seine Muskulatur natürlich aufbaut, der hat auch lange etwas davon.

Wie kommt man an die Doping-Mittel?

Das ist tatsächlich relativ einfach: Im Endeffekt musst du nur die richtigen Leute im Fitness-Studio fragen. Ich habe schon öfter gehört, dass auch normale Nahrungsergänzungsmittel-Läden entsprechende Mittel anbieten. Dann natürlich nicht im Regal – sondern im Hinterzimmer. Und außerdem: Wenn du im Fitness-Studio trainierst und du hast ein recht gutes Level, dann ist es ganz normal, dass diejenigen, die – salopp gesagt – voll auf Stoff sind und den auch verkaufen, zu dir kommen und dir die Präparate anbieten. Und gerade die Jungs, die Anfang 20 sind, sind dafür anfällig.

Und was kostet das Ganze?

Die Preise starten in etwa bei 40 Euro pro Monats-Packung – nach oben hin sind da aber keine Grenzen gesetzt. Es gibt ja verschiedene Varianten, die du nehmen kannst. Es gibt deutsche Präparate aber eben auch welche, die aus osteuropäischen Ländern kommen und tatsächlich auch Mittel, die aus Afrika importiert werden.

Erkennt man denn im Fitness-Studio, wer doped?

Grundsätzlich ist das sehr schwierig. Das liegt vor allem daran, dass die Leute immer früher anfangen, die Mittel zu nehmen. Manche greifen bereits mit 14/15 Jahren zu den ersten Steroiden. Aber insgesamt wirst du kein Studio finden, in dem das nicht gemacht wird. Ich habe aber festgestellt, dass nicht jeder, der unnatürlich muskulös aussieht, auch doped. Das hat manchmal auch einfach was mit einem guten Muskelaufbau und gezielter, gesunder Ernährung zu tun. Früher war das noch anders: Damals haben nur die Leute leistungssteigernde Mittel genommen, die dann auch so extrem aussahen. Die waren dann echt überdurchschnittlich groß, stark und die Muskulatur stach extrem hervor.

Und wie leicht ist es, von den Mitteln wieder wegzukommen?

Wenn du Tabletten oder so nimmst, kommst du in der Regel recht leicht davon wieder weg. Wenn du allerdings regelmäßig Steroide oder ähnliches spritzt, dann musst du das langsam runterfahren, weil der kalte Entzug von solchen Mitteln dann schon mal auf den Kreislauf oder so gehen kann.

Welche Rolle spielt das Internet beim Doping?

Viele kaufen ihre Mittel aber auch im Internet. Da gibt es einen regelrechten Schwarzmarkt. Das Internet ist aber aus einem anderen Grund viel brisanter in der Beziehung: Es gibt zig Youtube-Videos, die dir zeigen, wie du was für ein Steroid oder eine Droge richtig einnimmst. Oder eben, was wie wo und wann am besten wirkt.

Wie hoch ist der Leistungsdruck im Amateursport?

Das ist natürlich immer abhängig von den individuellen Anforderungen des einzelnen Amateur-Sportlers an seine eigene Leistung. Wenn du Sport machst, entwickelst du ja einen gewissen Ehrgeiz. Und wenn du im Amateurbereich dann noch einen etwas höheren Level hast, dann ist der Leistungsdruck eigentlich immer da.

Wie wird Doping im Amateur-Sport vorgebeugt?

Wir haben zum Beispiel eine schwarze Liste mit verbotenen Inhaltsstoffen. Die Nationale Doping Organisation (Nada), kommt außerdem regelmäßig zum Training oder zu Spielen, um Dopingtests durchzuführen.

Und was, wenn ein Amateur-Sportler durchfällt?

Im Jahr 2015 gab es zum Beispiel mal einen Natural Body Building Wettbewerb, bei dem der Gewinner der Mens Phsysik Klasse einen Booster genommen hat, der ihm schließlich wegen einem illegalen Zusatzstoff den Sieg gekostet hat. Er wurde disqualifiziert, musste eine Geldstrafe zahlen und wurde sieben Jahre lang für Wettbewerbe gesperrt. Und das ist überall so: Egal in welcher Liga du spielst, wenn du erwischt wirst, war es das.

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