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Panorama Angst vor Krebs: Ärzte wollten Frau in Psychiatrie einweisen lassen
Nachrichten Panorama Angst vor Krebs: Ärzte wollten Frau in Psychiatrie einweisen lassen
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09:01 02.01.2019
Eingriff: Bei einer Operation kann viel schief gehen. Quelle: Uwe Anspach/dpa
Hannover

Spricht man mit Irene Müller (60, Name geändert) über ihren Aufenthalt im Siloah-Krankenhaus in Hannover, kommen ihr heute noch die Tränen. „Ich will nicht weinen, aber es kommt alles wieder hoch“, erzählt sie der „Neuen Presse“ aus Hannover in ihrem Wohnzimmer. Und was ihr widerfahren ist, ist schwer zu glauben. Zunächst wurde sie auf fragwürdige Weise operiert, und dann wollten die Ärzte die unbequeme Patientin in die Psychiatrie abschieben – mit einer gewagten Diagnose.

Am 14. Oktober 2016 wird Irene Müller in der Onkologie operiert. Ein Lymphknoten ist deutlich angeschwollen. Es besteht der Verdacht auf Krebs (Lymphom). „Bei dieser Operation verwechselte die Operateurin die Speicheldrüse mit einem Lymphknoten. So etwas darf nie passieren“, schreibt Anwalt Karsten Heidemann in der Schmerzensgeldklage. Seit der Entfernung von Teilen der Speicheldrüsen leidet die Frau unter eitrigen Entzündungen. Lag der OP-Fehler darin, dass vor dem Eingriff keine Ultraschalluntersuchung des Halses gemacht wurde? Die Ärzte im Siloah bestreiten das, es sei unmittelbar vor der Operation eine Sonographie gemacht worden.

Die Diagnose: „Verdacht auf Münchhausen-Syndrom“

In jedem Fall bestand Irene Müller auf eine Nachoperation. „Ich hatte Angst, dass ich Krebs habe. Meine Tochter war doch noch minderjährig“, schildert die Frau ihre Ängste. Bei ihren Ärzten sei sie aber auf taube Ohren gestoßen. Statt dessen wollte ein Arzt die Patientin in die Psychiatrie einweisen. Die Diagnose: „Verdacht auf Münchhausen-Syndrom“.

Der Arzt ist kein Psychiater, und das Krankheitsbild ist selbst in Fachkreisen umstritten. Die Patientin verließ daraufhin aus freien Stücken das Krankenhaus.

Irene Müller ließ sich im Vinzenz-Krankenhaus den Lymphknoten entfernen. Der Krebsverdacht bestätigte sich nicht. Doch die Symptome blieben. Also überwies sie der Hausarzt in die Charité nach Berlin. Dort fanden die Ärzte die wahre Ursache für ihre hohen Entzündungswerte. Sie diagnostizierten eine Kollagenose. Eine Autoimmunkrankheit, die an verschiedenen Stellen im Körper chronische Entzündungen verursacht.

Hannoveraner Klinik sieht keinen Behandlungsfehler

Aus Sicht des Klinikums Region Hannover (KRH) haben die Ärzte keinen Fehler gemacht. „Tatsächlich handelt es sich sowohl beim Lymphknoten wie auch bei der Speicheldrüse um Organe, die sich nicht immer klar zur Körperumgebung abgrenzen lassen, wie zum Beispiel beim Herzen oder der Lunge“, teilt KRH-Sprecher Steffen Ellerhoff mit. Bei Entzündungszuständen könne eine Differenzierung des Gewebes erschwert sein.

Zum Münchhausen-Syndrom erklärte der KRH-Sprecher, dass lediglich der „Verdacht“ geäußert worden sei. „Dies in einem Entlassungsbrief zu schreiben, gebietet die Fürsorgepflicht für den Patienten.“ Der Verdacht einer psychischen Erkrankung habe sich auf zwei Dinge gestützt. Zum einen auf die wechselnden Symptomatiken, die die Patientin beschrieben habe, und zum anderen auf die Massivität, in der sie Eingriffe und Medikationen verlangte, die nicht ansatzweise indiziert gewesen seien.

Anwalt Heidemann hat beim Landgericht Hannover eine Schmerzensgeldklage in Höhe von 23.570 Euro eingereicht. „Mir geht es nicht ums Geld“, sagt die Mutter zweier Kinder. Doch sie will, dass die Ärzte im Siloah zur Rechenschaft gezogen werden. Die Diagnose einer psychiatrischen Erkrankung verfolge sie immer noch. Ebenso wie die körperlichen Folgen der misslungenen Operation: Wegen der chronischen Speicheldrüsen-Entzündung (Sialadenitis) sei sie schon fünfmal in der Medizinischen Hochschule in Hannover gewesen. Zeitweise war der rechte Mundwinkel gelähmt, das taube Gefühl in der Gesichtshälfte sei immer noch vorhanden. Und die Sialadenitis verschlechtere ihren Allgemeinzustand, der wegen der Autoimmunerkrankung ohnehin nicht der beste sei. Und so wird der Heimtrainer noch lange Zeit ungenutzt in ihrem Wohnzimmer stehen.

Von Thomas Nagel/RND

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