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Panorama Anwohner fassungslos über Eskalation bei Demo gegen Abschiebung in Leipzig
Nachrichten Panorama Anwohner fassungslos über Eskalation bei Demo gegen Abschiebung in Leipzig
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16:47 10.07.2019
Bei der Demonstration wurde auch die Autoscheibe einer Anwohnerin in Leipzig zerschlagen. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Am Mittwochmorgen sind die Spuren der vergangenen Nacht noch immer deutlich im Leipziger Stadtteil Volkmarsdorf zu sehen. Es liegen die Scherben zerbrochener Bier- und Limonadenflaschen auf der Straße. Alte Möbel, die in der Nacht zuvor die Straße versperren sollten, stehen neben Mülltonnen, bei einem Auto ist eine Fensterscheibe auf der Beifahrerseite eingeschlagen. Auf einer weißen Hauswand prangt ein Graffiti-Schriftzug: „Remember, remember the 10th of July“ („Erinnert euch, erinnert euch an den 10. Juli“) sowie eine gegen Polizisten gerichtete Beleidigung.

Etwa 500 Menschen hatten sich am späten Dienstagabend in einer Leipziger Straße versammelt, um die Abschiebung eines kurdischen Syrers nach Spanien zu verhindern, wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet. Die Leipziger Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. In den frühen Morgenstunden eskalierte die Situation, es gab zahlreiche Verletzte unter den Demo-Teilnehmern und Polizeibeamten.

Anwohner in Leipzig erlebten schlaflose Nacht

Viele Anwohner erlebten die Ereignisse aus geringer Distanz. Der 29-jährige Raik Hoffmann streckt am Mittwochvormittag müde seinen Kopf aus dem Fenster einer Erdgeschosswohnung in der betroffenen Straße. „Das ging hier bis drei Uhr morgens, es gab richtige Tumulte,“ erzählt er. Die Polizei sei mit Pfefferspray gegen die Demonstranten vorgegangen.

Auf der Flucht vor dem Reizstoff hätten einige Menschen die Tür des Wohnhauses von Hoffmann gewaltsam geöffnet. „Die sind in den Hausflur gerannt und auch in die oberen Etagen,“ erzählt der Anwohner. „Einige Nachbarn haben ihnen Wasser gegeben, damit sie sich die Augen ausspülen können.“

Demo-Teilnehmer in Leipzig: „Die Situation war aufgeladen“

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite schlendern drei junge Männer durch die Straße. Einer von ihnen, der 28-jährige Toni hat sich an der Demonstration gegen die Abschiebung des jungen Syrers beteiligt. „Die Situation war unübersichtlich und aufgeladen“, berichtet er. Der Geflüchtete habe in einem Polizeiauto gesessen. Die Demonstranten verhinderten mit Sitzblockaden und Möbeln auf der Straße dessen Abfahrt.

Gegen ein Uhr nachts sei der Abzuschiebende dann von Polizeibeamten umgeben durch die Menge geführt und vom Ort entfernt worden. „Das haben wir gar nicht richtig mitbekommen“, erzählt der 28-Jährige. Danach sei die Situation eskaliert, die Beamten hätten die Demo-Teilnehmer aus seiner Sicht brutal zurückgedrängt. „Ich habe gesehen, wie ein Beamter auf jemanden, der bereits am Boden gelegen hat, eintrat,“ so Toni.

Demo gegen Abschiebung in Leipzig – Autofenster von Anwohnerin zerschlagen

Ein paar Meter hinter Toni und seinen Freunden durchquert eine Frau mit Einkaufstasche die Straße. Die 65-jährige Anwohnerin ist verärgert über die nächtlichen Ereignisse, denn es ist ihr Auto, dessen Scheibe eingeschlagen wurde. „Ich verstehe das nicht, wozu das Ganze?“, fragt sie. „Die haben hier bis spät in die Nacht rumgebrüllt wie die Verrückten.“

Der Polizeiwagen mit dem syrischen Mann habe direkt unterhalb ihres Wohnhauses gestanden, vom Fenster aus habe sie die Geschehnisse beobachtet. Eine Nachbarin rief ihr von unten zu, dass eine Scheibe am Fahrzeug der 65-Jährigen eingeschlagen wurde. Auch der Außenspiegel sei beschädigt, es gebe Beulen und Kratzer im Lack. „Ich gehe heute zur Polizei wegen des Schadens, gestern Nacht konnte sich niemand mehr darum kümmern,“ erzählt sie.

Von RND/LVZ/Pia Siemer

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