Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Panorama Fünf Mädchen sterben in Escape Room: Darum kam es zu der Tragödie
Nachrichten Panorama Fünf Mädchen sterben in Escape Room: Darum kam es zu der Tragödie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 05.01.2019
Der polnische Feuerwehrchef Leszek Suski hat sich zu der Escape-Room-Tragödie geäußert. Quelle: AP Photo/TVN
Warschau

Fünf 15-jährige Mädchen sind bei einem Brand in einem sogenannten Escape Room im Norden Polens ums Leben gekommen. Nun haben sich die zuständigen Behörden zu den Brandursachen geäußert. Nach Angaben der Feuerwehr war die Ursache für den Brand wohl, dass die Kabel in dem Gebäude schlecht und zu nahe an brennbarem Material verlegt waren und es keinen Notfallplan gegeben habe.

„Die Sicherheit war nicht gewährleistet, und das hat zu der Tragödie geführt“, sagte der Hauptkommandant der polnischen Feuerwehr, Leszek Suski, auf einer Pressekonferenz. Zuvor berichteten polnische Medien über eine explodierte Gasflasche, die das Feuer ausgelöst hatte.

Die Agentur PAP berichtet, dass das Feuer in einem Vorzimmer ausgebrochen sei. Dort seien vier Gasheizer gefunden worden, den Teenagern sei damit der einzige Fluchtweg versperrt gewesen. Die Heizer gelten ebenfalls als potenzielle Brandquellen.

Begehung zeigt Sicherheitsmängel

Bei einer ersten Begehung des Unglücksgebäudes habe die Feuerwehr zahlreiche Mängel festgestellt, wie PAP weiter berichtete. „Es war nicht genug Platz für diese Leute in diesem Raum“, sagte der oberste Feuerwehrmann Polens, Leszek Suski, laut PAP. Er sei nur etwa sieben Quadratmeter groß gewesen. Unter anderem hätten Heizgeräte zu nahe an brennbaren Materialien gestanden. Zudem seien Kerzen gefunden worden. Die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen.

Bei einem „Escape-Game“ oder Fluchtspiel versucht eine Gruppe, aus einem abgeschlossenen Raum zu entkommen. Sie muss dafür unter Zeitdruck bestimmte Rätsel und Aufgaben lösen. Escape-Games haben sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern zu einem Trend entwickelt. Beliebt ist das Fluchtspiel bei Familienfeiern und Junggesellenabschieden, auch in Deutschland gibt es viele Angebote.

Escape Room-Betreiber geraten in Kritik

Der polnische Feuerwehrchef Leszek Suski sagte, der Verantwortliche sei offenbar nicht vor Ort gewesen, als das Feuer in dem Raum neben dem der Mädchen ausbrach. Die Einsatzkräfte mussten sich mit Gewalt Zugang ins Gebäude mit den Escape Room verschaffen.

Die 15-Jährigen starben vermutlich an einer Rauchgasvergiftung. Ein 26-jähriger Mann sei mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht worden und habe erst mal nicht befragt werden können, hieß es von der Polizei. Ob er zu den Betreibern zählt, war zunächst nicht bekannt.

Alle Escape Rooms in Polen werden untersucht

Unterdessen wurde bekannt, dass die Betreiber von Escape-Räumen in Polen bisher keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr einholen müssen. Innenminister Brudzinski ordnete deshalb sofortige Überprüfungen der Brandschutzmaßnahmen in allen derartigen Objekten an.

Die Inspektionen begannen am Samstag. Besonders im Blick stehe dabei die Möglichkeit einer schnellen Evakuierung im Gefahrenfall, hieß es. Die Behörden schätzten die Zahl der Escape-Räume in Polen auf rund 1000 - die meisten davon in Warschau.

Polen trauert um die Teenager

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Der polnische Präsident Andrzej Duda sprach auf Twitter von einer „verheerenden Tragödie“. Fünf fröhliche Mädchen seien vorzeitig aus dem Leben gerissen worden. Der Bürgermeister von Koszalin, Piotr Jedlinski, erklärte den Sonntag zu einem Trauertag. Der Umzug der Heiligen Drei Könige wurde abgesagt.

In Koszalin legten Anwohner und Freunde Blumen für die fünf Opfer nieder und zündeten Kerzen an. Die Mitschüler und Familien der Mädchen wurden psychologisch betreut.

Von RND/dpa/AP