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Panorama Späte Reue eines Serienmörders: Niels Högel bittet um Entschuldigung
Nachrichten Panorama Späte Reue eines Serienmörders: Niels Högel bittet um Entschuldigung
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12:31 05.06.2019
Der wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagte Niels Högel. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Oldenburg

Der wegen 100 Morden angeklagten Ex-Pfleger Niels Högel hat sich in seinem letzten Wort vor dem Landgericht Oldenburg bei den Angehörigen seiner Opfer entschuldigt. Er sprach am Mittwoch von Reue und Scham. Es sei ihm während des Prozesses klar geworden, wie viel unendliches Leid er durch seine „schrecklichen Taten“ verursacht habe.

Ob er die Angehörigen der Opfer im Saal erreichte, darf bezweifelt werden. „Es ist nicht zu leugnen, dass er nicht nur einmal die Unwahrheit gesagt hat“, musste selbst seine Anwältin Ulrike Baumann im Rückblick einräumen. Auch sie kam im Plädoyer zum Schluss, dass für Högel nur eine Strafe in Betracht kommt: lebenslange Freiheitsstrafe.

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Högel entschuldigt sich bei Angehörigen für „schreckliche Taten“

Allerdings kamen Baumann und ihre Kollegin Kirsten Hüfken zu einer ganz anderen Bewertung der einzelnen Fälle als die Staatsanwaltschaft vor drei Wochen. In 55 Fällen plädierte die Verteidigung auf Mord. In 14 sah sie den Tatbestand eines versuchten Mordes erfüllt. In 31 Fällen lautete dagegen die Forderung Freispruch. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von 97 Morden aus. Nur in drei Fällen fehle es an hinreichenden Beweisen.

„Weder wir noch Herr Högel leugnen, dass er in vielen Fällen der Täter ist. Dennoch kann er nur für Taten verurteilt werden, die er begangen hat und nicht für Taten, die er begangen haben könnte“, sagte Baumann. Die Verteidigerin betonte Högels positives Aussageverhalten. Er habe sich umfassend eingelassen und dies auch freiwillig getan.

Der 42-jährige, der bereits wegen zweifachen Mordes an Patienten 2015 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, bestritt in seinem letzten Wort ausdrücklich, dass er die Verhandlungen dazu habe nutzen wollen, sich besser darzustellen. „Wie soll das funktionieren, wenn man moralisch auf unterster Stufe steht. Der Prozess sollte niemals eine Bühne sein.“ Scham und Reue seien seine ständigen Begleiter – „ob bei Tag oder Nacht“.

Sprecher der Angehörigen hofft auf Verurteilung in allen 97 Mordfällen

Am Donnerstag will die Kammer das Urteil sprechen. Sollte das Gericht eine lebenslange Haftstrafe verhängen, werden Högel die bereits verbüßten Jahre im Gefängnis angerechnet. Die Frage wird zu entscheiden sein, ob das Gericht wie schon 2015 die besondere Schwere der Schuld feststellt und eine Sicherungsverwahrung in Betracht kommt.

In dem Prozess spielte das Strafmaß aber aus Sicht des Strafrechtsexperten Jürgen Möthrath letztlich eine untergeordnete Rolle. „Einen solchen Prozess führt man, weil es ungeklärte Fälle gibt, und deren Aufklärung für Opfer und Hinterbliebene ein wichtiger Teil des Prozesses ist, um mit dem Trauma abschließen zu können“, sagte Möthrath, der Präsident des Deutschen Strafverteidiger Verbandes (DSV) ist.

Der Sprecher der Angehörigen, Christian Marbach, sagte, er hoffe, dass Högel für alle 97 Morde verurteilt werde. Högel habe in dem Prozess die Chance verpasst, umfassend zur Aufklärung beizutragen. „Högel ist und bleibt ein Lügner. Er hat taktisch nur das eingeräumt, was ihm ohnehin zu 100 Prozent nachgewiesen werden konnte“, sagte er. Marbachs Großvater gehört zu den Opfern, für deren Tod Högel sich schon vor Gericht verantworten musste.

Der Ex-Krankenpfleger soll von 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Patienten mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Dabei brachte er seine Opfer in lebensbedrohliche Lagen, um bei der notwendigen Reanimierung Lob von seinen Kollegen zu bekommen. Viele überlebten das nicht. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation war der Deutsche bereits 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dabei wurden ihm zwei Morde zu Last gelegt. Er sitzt in der JVA Oldenburg.

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Von RND/dpa