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Panorama Kuppel-Show "eine Perversion der Liebe"
Nachrichten Panorama Kuppel-Show "eine Perversion der Liebe"
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10:15 24.11.2014
Das Brautpaar Bea (32) und Tim (31) aus Nordrhein-Westfalen in der ersten Ausgabe von "Hochzeit auf den ersten Blick".
Das Brautpaar Bea (32) und Tim (31) aus Nordrhein-Westfalen in der ersten Ausgabe von "Hochzeit auf den ersten Blick". Quelle: Christoph Kassette/Sat.1/dpa
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Köln

Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hat die neue Sat.1-Show "Hochzeit auf den ersten Blick" als "abstoßend" und "geschmacklos" attackiert. "Das finde ich unmöglich", sagte der Erzbischof des größten deutschen Bistums am Sonntag im Kölner Domradio. "Diese neue Kuppel-Show im Privat-Fernsehen, bei der wildfremde Menschen vor der Kamera spontan und standesamtlich heiraten, pervertiert die Ehe - ja pervertiert die Liebe." In der neuen Sat.1-Show nach dänischer Vorlage heiraten Kandidaten, ohne sich vorher gesehen zu haben.

Kardinal Rainer Maria Woelki findet keinen Gefallen an der Kuppel-Show "Hochzeit auf den ersten Blick".

"Nur der Quote und der Sensation willen"

Woelki sagte, es sei schlimm genug, dass es noch immer Länder gebe, in denen die Zwangsheirat toleriert werde. "Aber nur um der Quote und der Sensation willen zwei wildfremde Leute heiraten zu lassen, das finde ich abstoßend. (...) Mag sein, dass es diese Show auf den Tabubruch anlegt und ich durch meine Kritik nur die Einschaltquote erhöhe: Aber ich sage an dieser Stelle trotzdem und ganz bewusst Nein."

Weitere kritische Stimmen

Bereits vor der Premiere am Sonntag, den 16. November, hatte die Sat.1-Sendung Kritik auf sich gezogen. So sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann: "Die Ehe ist definitiv kein Spaß für eine kurze Fernsehunterhaltung." Sat.1-Theologe Martin Dreyer verteidigte dagegen das Format: "Unsere TV-Sendung stellt ein völlig neues Sozialexperiment da", sagte er. "Es will herausfordern, über die Liebe noch einmal ganz neu nachzudenken. Und dass es Spaß macht, dieses Experiment anzuschauen, da wird Gott garantiert nichts dagegen haben."
Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Marcus Weinberg, sagte der "Bild am Sonntag" zu der Sendung: "Ich halte davon nichts und hoffe, dass diese Sendung bald wieder vom Markt verschwindet." Die Ehe solle aus gegenseitiger Zuneigung entstehen, sie sei "Keimzelle der Gesellschaft".

Hochzeit auf den ersten Blick

Gespannte Freude vor der Hochzeit, Familie und Freunde im Saal - doch was wie eine ganz alltägliche Eheschließung wirkt, ist stattdessen Höhepunkt der Sat.1-Sendung "Hochzeit auf den ersten Blick". Denn die Eheleute haben sich angeblich noch nie zuvor gesehen.

Ein Team von Experten hat sucht die Beiden aus, die gut zusammen passen könnten. Unter  die Lupe genommen wurden die Bereiche Treue, Sexualität, Dominanz, Bindungs- und Einfühlungsvermögen. Unter den Expterten sind ein Psychotherapeut, ein Theologe, eine Paartherapeutin und ein Heilpraktiker.

Mann und Frau werden vor, während und nach er Hochzeit von Kameras begleitet. Die Hochzeit ist rechtskräftig. Läuft es also auf der Hochzeitsreise nicht so gut, müssen sich die Eheleute scheiden lassen.

2,58 Millionen Zuschauer waren bei der ersten Sendung am Sonntagabend, 16. November, dabei, als sich die Wildfremden Tim und Bea das Ja-Wort gaben. Das entspricht einem Marktanteil von 9,7 Prozent - höher als der Senderdurchschnitt.

Sat.1 verkauft die Kuppel-Show als sozialwissenschaftliches Experiment. Die Experten sind von ihrem Weg überzeugt. "Es geht nicht um Liebe auf den ersten Blick, sondern darum, Liebe zu lernen", betonen sie in der Sendung.