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Panorama Stadt entsorgt Sachen von Obdachlosem – Anwohner toben
Nachrichten Panorama Stadt entsorgt Sachen von Obdachlosem – Anwohner toben
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16:09 19.02.2019
Erika Heine, selbst obdachlos, kümmert sich um Tom. Quelle: Sylvia Petersen
Hannover

Tom* besaß ein Zelt. Manchmal baute er es als Regenschutz auf, gleich auf der Rasenfläche am Königinnendenkmal in Hannover. Für Passanten war nicht zu übersehen, dass sich hier jemand eingerichtet hatte. Bald kamen freundliche Nachbarn mit Dingen, die ein obdachloser Mensch gut gebrauchen kann.

Kaffee, gelegentlich ein kleines Frühstück, Wasserflaschen, warme Suppe, ein Klappbett vom Sperrmüll. Dazu ein Regenschutz, neue Wollsocken und warme Winterschuhe in Zeiten bitteren Kälte der vergangenen Wochen. Eine Anwohnerin füllte zu Hause heißes Wasser in eine Wärmflasche und brachte sie zum Denkmal. Ein kleiner Zirkel kümmerte sich um den Mann dort draußen.

Er wählte diesen Platz für sein Leben

Seit einiger Zeit wählte Tom diesen Platz für sein Leben. Vorne sah er den Verkehr der Hohenzollernstraße, hinter ihm begann ein paar Meter entfernt ein großer Park. An kalten Tagen lag er hier auf dem Rasen, ebenso in warmen Stunden wie am Montag, ein seltener Glückstag, 16 Grad, Sonnenschein und kein Regen. Hunderte Menschen gingen jeden Tag an ihm vorbei. Tom möchte nicht viel erzählen von sich, nur dass er aus Israel gekommen sei, im nächsten Jahr 60 Jahre alt werde, aber nicht glaube, dass er das noch feiern wird. Tom raucht, und er sagt, dass er in keine öffentliche Obdachlosenunterkunft will, lieber schläft er nachts draußen. Zum Abschied streckte er die Hand aus.

„Lagerstätten des Obdachlosen gleichen Müllinseln“

Am vergangenen Donnerstag kamen Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes und der Polizei vorbei. Tom, bei Behörden seit Langem bekannt, sollte gehen. Lagern im öffentlichen Raum ist verboten, so steht es in der städtischen Satzung. „Leider gleichen die Lagerstätten des Obdachlosen mitunter Müllinseln“, sagte Sprecher Udo Möller und zählte auf: „Alte Verpackungen, diverse Lebensmittel und Essensreste in unmittelbarer Umgebung.“

Tom wurde aufgefordert zu gehen, „mit dem deutlichen Hinweis, Hab und Gut einzusammeln“ und mitzunehmen. Die Erfahrung mit dem Obdachlosen habe zudem gezeigt, dass er öfters aggressiv reagiere, wenn er aufgefordert werde, seine Plätze zu räumen.

Er ging, aber er kehrte sofort zurück. Er lag auf dem Fußweg der nahen Yorckstraße, später wieder auf der Wiese am Denkmal. „Dünn bekleidet, und sogar ohne Schuhe und Strümpfe, die gesamten Habseligkeiten des armen Mannes waren verschwunden“, schrieb Anwohner Ferdinand Becker-Rose an die Stadt. Die Nachbarschaft habe erneut Regenschutz, Winterschuhe und Wollsocken gesammelt, aber am Sonnabend waren auch diese Gegenstände verschwunden. Becker-Rose legte am Montag mit einer Email nach. Die Stadt habe die Sachen „entwendet“ und riskiere damit unter Umständen Toms „fahrlässige Tötung“. Becker-Rose forderte OB Stefan Schostok auf, „die Angelegenheit umgehend in Ordnung bringen zu lassen“.

Stadt weist Vorwürfe zurück

Die Stadt wies diese Vorwürfe am Montag zurück. Man habe Tom gegen dessen Willen nichts weggenommen. „Wenn er aber den Platz räumt und dabei Dinge liegen lässt, dann werden die entsorgt“, sagte Möller. Anders gesagt bedeutet dies: Er ließ liegen, was Anwohner ihm schenkten. Hilfsangebote habe er stets abgelehnt.

Es gibt noch eine weitere Sicht auf Toms Geschichte. Die obdachlose Erika Heine erzählte sie, am Rande des Sozialausschusses, den sie regelmäßig im Rathaus besucht. Sie sprach von einer „großen Hilfsbereitschaft“ der Nachbarn und habe ihnen Ratschläge gegeben, wie man Tom helfen könnte. „Dieser Mann kommt nicht zurück ins System, seien Sie ihm eine Familie. Das heilt. Gebt ihm dieses Leben in Würde auf der Straße.“

„Wie ein halbtoter Hund“

Am Sonnabendnachmittag hatten Erika Heine und Sylvia Petersen, eine Mitarbeiterin der Heilsarmee, Tom noch einmal gesehen. Sein Platz nahe des Denkmals war leer, alles sei weggeräumt gewesen. Schließlich fanden sie ihn hinter einer Hecke. Die neu geschenkten Schuhe fehlten, die teuren Strümpfe, die Decken, die Plane. Tom habe barfuß dort gelegen, Bauch und Rücken waren frei. Sylvia Petersen kam er vor „wie ein halbtoter Hund“. Auch Anwohner Becker-Rose sah Tom dort liegen. Dann schrieb er seinen wütenden Brief an das Rathaus.

Erika Heine hätte einen Vorschlag: „Warum lässt man Obdachlose wie Tom nicht einfach an dieser Stelle leben?“

*Name geändert

Weiterlesen: Männer verletzen Obdachlosen lebensgefährlich

Von RND/Gunnar Menkens/Jutta Rinas

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