Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Panorama Stilvoll angezogen: „Ein angemessener Look zeigt Respekt“
Nachrichten Panorama Stilvoll angezogen: „Ein angemessener Look zeigt Respekt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 20.01.2019
Marlene Sørensen wollte ein Buch über Mode schreiben, das anders ist als die Stilratgeber, die es bislang auf dem Markt gab. Ein Gespräch über persönlichen Stil, Dresscodes und den Wert eines schönen Mantels. Quelle: Rawpixel/unsplash

Frau Sørensen,
Sie haben mit spruced.us einen Blog
, der Partnerseite der deutschen „Vogue“ ist. Wie kam es dazu, dass sie innerhalb kürzester Zeit zwei Bücher über Mode veröffentlicht haben?

Ich hatte mir nie vorgenommen, ein Buch zu schreiben. Dann kam die Anfrage vom Verlag. Ich mochte den Gedanken, etwas Bleibendes zu schaffen, und habe zugleich die Chance gesehen, ein Buch über Mode zu schreiben, das anders ist als die zahlreichen Stilratgeber, die es bislang auf dem Markt gab. Viele dieser Veröffentlichungen sind in meinen Augen mit erhobenem Zeigefinger geschrieben: Kombinieren Sie dieses nicht mit jenem und achten Sie immer auf das und dies – solche Vorschriften finde ich abschreckend. Ich wollte etwas schaffen, das den Leser an die Hand nimmt, inspirierend ist und dazu ermutigt, das anzuziehen, was glücklich macht.

„Woher hat sie das?“ lautet der Titel Ihres jüngsten Buchs. Darin geht es um Lieblingsoutfits bekannter Frauen zu bestimmten Anlässen. Welche Rolle spielt bei dieser Frage auch das gewisse Etwas im Auftreten?

Persönlicher Stil hängt immer auch mit der Persönlichkeit zusammen. Ich hoffe, dass man sich neben den Looks auch etwas von der Haltung der porträtierten Frauen abschauen kann.

In Deutschland hat man oft den Eindruck, die Menschen sind lieber under- als overdressed. Ist das Buch ein Statement für mehr Glamour?

Ich sehe es vielmehr als eine Einladung, Anlässe zu feiern. Sie bieten einem selbst die Gelegenheit, einen besonderen Moment mit einem besonderen Outfit zu würdigen. Ein angemessener Look zeigt Respekt für den Anlass und für den Gastgeber.

Eine Antwort auf die Frage danach, was angemessen ist, scheitert bei uns oft daran, dass es an einem Dresscode fehlt.

Ja, das stimmt. Dresscodes sind im englischsprachigen Raum viel verbreiteter. Das macht die Kleiderwahl oft einfacher, kann aber auch dazu führen, dass man sich verkleidet vorkommt. Ein Dresscode, den ich für fast alle Gelegenheiten als guten Leitfaden empfinde, kommt von Gastgeber Chris Glass (Anm. d. Red.: ehemaliger Direktor des Soho House und Gründer der Eventlocation aptm in Berlin), den ich auch in „Woher hat sie das?“ porträtiere. Er fügt seinen Einladungen gerne „an effort is appreciated“ hinzu – ein gewisser Aufwand wird geschätzt.

Marlene Sørensen lebt mit ihrer Familie in Berlin. Die Autorin schreibt für zahlreiche Magazine und Zeitungen, unter anderem für „Die Zeit“, „Vogue“ und „Harper’s Bazaar“. Quelle: Samira Pletzer

Sie sind zur Hälfte Dänin. Wie halten es denn die Skandinavier mit angemessener Kleidung?

Der skandinavische Stil ist ein kluger Kompromiss: Die Kleidung ist häufig praktisch und komfortabel, aber es wird dabei stets Wert auf ein besonderes Extra gelegt.

Würden Sie sich trauen, eine andere Frau, deren Kleidung Ihnen gefällt, auf der Straße anzusprechen und zu fragen, woher sie dieses Teil hat?

Absolut. Auf der Straße habe ich zwar noch niemanden angehalten, aber beim Shopping im Geschäft oder auf einer Veranstaltung schon häufiger.

Werden Sie eigentlich selbst oft nach Ihren Outfits gefragt?

Das kommt vor. Meistens aber von Freunden und Bekannten, weniger von Fremden.

Empfinden Sie solche Nachfragen als Kompliment?

Immer. Damit wird honoriert, dass man sich Gedanken um sein Aussehen gemacht hat.

Frei nach Oscar Wilde ist Nachahmung die höchste Form der Anerkennung. Wie verträgt sich das Nachkaufen mit der Entwicklung eines individuellen Kleidungsstils?

Es kann inspirierend sein, sich bei anderen etwas abzuschauen. Den eigenen Look ständig nach den Vorlagen anderer zu verändern, ist aber auf Dauer doch eher anstrengend und führt auch nicht zu einem persönlichen Stil. Der entwickelt sich, wenn man auch Dinge, die man bei anderen entdeckt hat, auf ganz eigene Weise kombiniert und trägt.

Marlene Sørensens jüngstes Buch „Woher hat sie das?“ ist im September 2018 bei Callwey erschienen. Quelle: Callwey

Probieren Sie selbst viel Neues aus?

Mein Stil hat sich über die Jahre eher verfestigt. Ich trage viel Weiß, Schwarz und Blau. Ich mag es gern klar und bin nicht der Rüschentyp. Auch wenn ich mir manchmal wünsche, ich wäre es. Schön an der Mode ist ja, dass sie das Versprechen von Veränderung beinhaltet. Schön ist aber auch festzustellen, dass man sich nicht ständig verändern muss, um sich stylish zu fühlen. Es steckt viel modische Freiheit in der Gewissheit, was einem steht und was eben nicht. Hat man erst mal die Teile gefunden, die man mag, kann man mit denen experimentieren und auch neue Farben oder Schnittvariationen ausprobieren. Ich habe im letzten Jahr zum Beispiel entdeckt, dass ich nicht nur ein Jeanstyp bin, sondern auch ein Kleidertyp.

Sie werden dieses Jahr 40 Jahre alt. Hat das Alter für Sie Auswirkungen auf Rocklängen, Farben oder die Lust auf neue Trends?

Ich persönlich habe immer weniger Angst davor, Fehler zu machen. Ich finde, man sollte in jedem Alter alles ausprobieren, worauf man Lust hat, ohne zuerst darüber nachzudenken, ob man darin jünger wirkt oder älter, ob eine Hose einen streckt oder staucht, eine Farbe einen eventuell auswäscht. Entscheidend ist, dass man sich selbst leiden mag. Die Idee, dass man ab einem gewissen Alter zum Beispiel keine kurzen Röcke mehr tragen sollte, finde ich komplett überholt, wie die meisten strikten Moderegeln.

Sie sind Mutter eines kleinen Sohns. Inwiefern beeinflusst das Ihren Kleidungsstil im Alltag?

Ich habe viel in schöne Mäntel investiert und damit ein bisschen kompensiert, dass hohe Schuhe einfach selten in meinen Alltag passen. Außerdem sieht man damit immer gut angezogen aus – auch wenn man Jeans und Pulli drunter trägt.

Von Kerstin Hergt

Die Kälte hat Deutschland im Griff. Es drohen mehrere Wochen Frost. Doch das Wetter hat auch seine schönen Seiten.

20.01.2019

Die Evolution schreitet unaufhörlich voran. Was das für uns moderne Menschen bedeutet, ist aber noch unklar. Verlieren wir Muskelmasse, weil wir nicht mehr Mammuts jagen müssen? Und werden dafür immer intelligenter, um fit am Rechner zu bleiben?

20.01.2019

Immer wieder gelingt Kriminellen die Flucht aus Berliner Gefängnissen. Mit neuen, teuren Geräten will die Hauptstadt das nun verhindern.

20.01.2019