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Panorama Warum sich Kinder in einer Hamburger Kita nicht mehr als Indianer verkleiden sollen
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18:43 05.03.2019
Ein als Indianer verkleideter Junge. (Archivfoto) Quelle: Fritz Blumenberg/dpa
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Hamburg

„Wir möchten Sie bitten, gemeinsam mit Ihren Kindern bei der Auswahl des Kostüms darauf zu achten, dass durch selbiges keine Stereotype bedient werden“: Mit diesen Worten hat sich die Kita Eulenstraße aus Hamburg-Ottensen vor dem Rosenmontag an die Eltern der betreuten Kinder gewandt. Im Klartext heißt das: Einige Kostüm-Klassiker sollten in diesem Jahr im Schrank bleiben, darunter auch Indianer- und Scheich-Verkleidungen. Das Vorgehen sei Teil der „diskriminierungsfreien und vorurteilsbewussten Erziehung“ der Kita, heißt es in dem Schreiben weiter.

Fachmagazin: Kinder sollten sich als Piratinnen oder Meerjungmänner verkleiden

Zur ausführlichen Begründung verweist die Kita auch auf einen Fachartikel im Magazin „Kids aktuell“. Der nimmt klar Stellung zur Verkleidung als Indianer: „Der Begriff (Indianer, Anm. d. Redaktion) wurde im Zuge der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas der damaligen Bevölkerung aufgezwungen und steht somit in Zusammenhang mit der brutalen Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe.“ Diese Gruppe sei außerdem unterschiedlich in „Bräuchen, Sprachen, Trachten und alltäglichen Handlungen (...) Sie mit einem Überbegriff zu benennen, ergibt so viel Sinn, wie sich als ,Europäer‘ zu verkleiden und ein Kostüm mit Dirndl, Holzschuhen und Baskenmütze auszudenken.“ Sich als Indianer zu verkleiden sei schlichtweg „respektlos“.

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Statt die üblichen Geschlechter-Stereotype zu bedienen, sollten sich Mädchen lieber als Piratinnen und Jungen als Meerjungmänner verkleiden, heißt es in dem Artikel weiter. Als „diskriminierungssensible Alternative“ würden sich beispielsweise auch Fabelwesen und Tiere anbieten.

Eltern bedankten sich bei den Kita-Leitungen

Vor allem in sozialen Netzwerken sorgte die Entscheidung der Kita, auf Indianer-Kostüme zu verzichten, für Kritik. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland verteidigt Katrin Geyer, Sprecherin des Kita-Trägers Vereinigung Elbkinder, das Vorgehen: „Verkleidungen an Karneval basieren auf Stereotypen, und dieses Prinzip bleibt natürlich auch in unseren Kitas an Fasching erhalten. Wir wollen aber verhindern, dass Stereotype gewählt werden, die auf Rasse oder Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder anderen Minderheit Bezug nehmen und zusätzlich negativ konnotiert sind und damit für Teile unserer Elternschaft verletzend sein könnten.“ Wenn man an früher durchaus übliche Verkleidungen als Afrikaner mit Baströckchen und Bananen als Kopfschmuck denke, könne man die größere Vorsicht der Kita gut nachvollziehen.

Obwohl die Kostüm-Regelung durchaus polarisiere, seien bei weitem nicht alle Reaktionen negativ: „In der Kita Eulenstraße gab es Eltern, die sich für den sensiblen Umgang mit dem Verkleiden an Fasching bei den Leitungen ausdrücklich bedankt haben“, sagt Geyer. „Und natürlich gäbe es keinerlei Sanktionen, wenn Kinder doch als Indianer oder Scheichs verkleidet zum Fasching kommen.“

Von RND/aw