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Panorama Wetterbeobachter verlassen den Brocken
Nachrichten Panorama Wetterbeobachter verlassen den Brocken
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14:17 29.12.2019
Marc Kinkeldey, überprüft eine Messstation zur Ermittlung der Regenmenge. Quelle: Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Schierke

Menschen, die sich durch Sturm und Orkan kämpfen, durch Nebel, Eis und Schnee – 180 Jahre lang war der 1141 Meter hohe Brocken ein extremer Arbeitsplatz für Wetterbeobachter.

Ab dem 1. Januar 2020 übernimmt automatische Messtechnik ihren Job. Wie schon auf anderen Gipfeln wie der Zugspitze und dem Fichtelberg stellt der Deutsche Wetterdienst (DWD) nun auch auf dem höchsten Harzgipfel die Arbeit der Wetterbeobachter ein.

Stationsleiter Marc Kinkeldey arbeitet seit 2001 als Wetterbeobachter auf der Brocken-Wetterwarte. Das fünfstöckige Gebäude entstand 1937. 100 Stufen bis aufs Dach nehmen Kinkeldey und seine Kollegen jedes Mal bis zu den Messgeräten.

Der 40-Jährige misst im Schichtsystem gemeinsam mit seinen Kollegen rund um die Uhr unter anderem Niederschlagsmengen, Sichtweiten, Temperatur, Sonnenstunden, wie er berichtet. Wenn die Schneehöhe zu bestimmen ist, steuerten sie elf feste Punkte mit schwarz-gelben Messstangen am Berg an.

Schon vor 100 Jahren machten das seine Vorgänger so, sagte Kinkeldey. „Der Wetterbeobachter ist der wichtigste Mann an der Front. Er sammelt sämtliche Daten. Die Meteorologen erstellen die Vorhersagen.“

Seit 1836 wird das Wetter auf dem Brocken beobachtet

Wetterbeobachter habe es seit 1836 auf dem Brocken gegeben. Die erhoben drei Mal am Tag die Wetterdaten, später erhöhte sich der Takt immer weiter. Heute werden halbstündlich Wettermeldungen abgesetzt.

Dass die Technik den Wetterbeobachtern hilft, ist nicht neu. Schon seit Mitte der 1990er Jahre hielt sie Einzug, ermittelte Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und teils die Sonnenstunden, erklärte Kinkeldey.

Die Technik ersetzt den Menschen

Zum Jahresbeginn soll sie weitere Daten wie Niederschlagsmengen und Sichtweiten übernehmen. Auf dem Bocken fehlen laut DWD aber noch der Schneehöhensensor und der Niederschlagssammler in der Bergversion.

Nun gehört der 40-jährige Kinkeldey zu den letzten Wetterbeobachtern. Dienst hat er am 31. Dezember und am 1. Januar. Dann wird er die letzten Daten in den Computer eingeben, ihn dann herunterfahren. Die Technik übernimmt – so ist laut Kinkeldey der Plan. Der Gedanke daran fällt ihm nicht leicht, er sei eben mit Liebe und Herzblut dabei. Für Kinkeldey ist die Arbeit auf dem höchsten Harzgipfel eine Leidenschaft.

Der Gipfel des Brocken (Sachsen-Anhalt) mit dem Gebäude des Deutschen Wetterdienstes. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild

Der Brocken mit seinen Extremen hat es dem 40-Jährigen angetan. „2005/06 hatten wir knapp drei Meter Schnee, auch die letzten zwei Winter hatten wir um die zwei Meter.“ Ihn begeistern auch die skurrilen, massiven, schon mal 2,5 Meter langen Eisablagerungen, die der Wind hier entstehen lässt. „Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es solche massiven Eisablagerungen.“

Der Sturm als Markenzeichen

Und überhaupt der Wind: inmitten von Flachland bilde der Harz ein Bollwerk, der Wind werde beschleunigt. Mit einer durchschnittlichen Windstärke 6, um die 45 Kilometer je Stunde, sei der Brocken der windigste Ort in Mitteleuropa.

Zirka 200 Tage mit Sturm gibt es hier jedes Jahr, über 100 Tage mit Orkan, das sind dann 120 Kilometer je Stunde und mehr.

Dass nun Technik anstelle der Wetterbeobachter zum Einsatz kommt, begründet der Wetterdienst mit einem gewachsenen Aufgabenspektrum. Deshalb werde seit einigen Jahren Schritt für Schritt das gesamte Messnetz automatisiert – 160 von 182 hauptamtlichen Stationen arbeiteten schon vollautomatisch.

Marc Kinkeldey, Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), auf dem Dach der DWD-Warte auf dem Brocken. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild

Marc Kinkeldey wird ab dem neuen Jahr auf Flughäfen an den Flugwetterwarten unterwegs sein. Einen Teil seiner Arbeitszeit wird er noch auf dem Brocken verbringen und die Radioaktivität messen.

Von Dörthe Hein

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