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Politik Bericht des Wehrbeauftragten: Neues aus Absurdistan
Nachrichten Politik Bericht des Wehrbeauftragten: Neues aus Absurdistan
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13:38 29.01.2019
Die Bundeswehr leidet weiterhin an weitreichenden Mängeln. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Berlin

U-Boote, die nicht schwimmen, Flugzeuge, die nicht abheben, Panzer, die nicht schießen: Das Bild der Bundeswehr löst Mitleid aus. Sinnbildlich der Ausruf eines verzweifelten Generals: „Ich will einen Hubschrauber, der fliegt!“

Einmal im Jahr leuchtet Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Bundestages, noch tiefer hinein in die Armee. Sein Bericht ist gespickt mit Beispielen aus Absurdistan.

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Ein Reservist, der aus dem Libanon abreist, weil er nicht geimpft wurde. Ein Soldat, der nach der Rückkehr aus Mali den Vorbereitungslehrgang absolviert. Waffen, die im Kosovo aus Angst vor Tierseuchen desinfiziert werden und dort auf schmutzigen Tiefladern landen.

Bartels nennt BundeswehrBürokratiemonster

Bartels seziert und analysiert. Die Truppe leide an Unterbesetzung und gleichzeitig an Überorganisation. Ein Bürokratiemonster, ineffizient und aufgebläht, raubt Soldaten Kraft und Energie, vernichtet Motivation und Ansehen, torpediert Rüstungsprojekte, noch bevor die erste Schweißnaht gesetzt ist.

Daran, Trendwenden auf ganzer Linie zu schaffen, glaubt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vermutlich selbst nicht mehr.

Kleine Erfolge bleiben an der Oberfläche

Allenfalls kleine Erfolge gibt es zu vermelden. Ins Nato-Manöver „Trident Juncture 2018“ schickte die Bundeswehr perfekt ausgestattete Elite-Einheiten. Deutschland sei wieder da, hieß es. Doch hinter der glänzenden Fassade herrscht unvermindert Mangelwirtschaft. Das legt Bartels‘ Bericht schonungslos offen.

Nach fünf Jahren im Amt trägt von der Leyen die alleinige Verantwortung. Ihr Versuch, externe Berater einzusetzen, endete im Bermudadreieck aus Korruption, Vetternwirtschaft und Rüstungslobby.

Geld ist da, um die Bundeswehr zu modernisieren. Es fehlt allein der Mut, die Beharrungskräfte im Apparat zu überwinden. Ein klarer Schnitt wäre notwendig - die völlige Neuaufstellung der Truppenverwaltung.

Von Jörg Köpke/RND