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Politik Das Plastiktütenverbot – der Zombie der deutschen Umweltpolitik
Nachrichten Politik Das Plastiktütenverbot – der Zombie der deutschen Umweltpolitik
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15:31 12.08.2019
Stirbt dieser Anblick in Deutschland aus? Die Umweltministerin will Plastiktüten verbieten.

Markus Söder ist schuld. Ein bisschen was stimmt an diesem Satz ja meistens, im konkreten Fall aber stimmt daran sogar ziemlich viel. Ohne die praktisch über Nacht entdeckte Öko-Liebe des CSU-Ministerpräsidenten aus Bayern bliebe Deutschland jener umweltpolitischer Unsinn erspart, der dem Land nun droht: das Plastiktütenverbot.

Die Forderung, Tragetaschen aus Kunststoff per Gesetz zu verbieten, war bislang so etwas wie der Zombie der deutschen Umweltpolitik. Immer wieder, meist im Sommer, erwachte die Idee zum Leben, stieg aus ihrem Grab empor und spukte ein paar Tage durch die öffentliche Debatte. Bei näherem Hinsehen stellte man jedes Mal fest, dass der Vorschlag ziemlich große Schwächen aufweist, weshalb er früher oder später sang- und klanglos wieder beerdigt wurde.

Doch nun, angesichts der Klimadiskussion des Sommers 2019, droht das Plastiktütenverbot nun tatsächlich aus dem Reich der toten Gesetze aufzuerstehen. SPD-Umweltminister Svenja Schulze, die bislang stets auf freiwillige Lösungen gesetzt hatte, kündigt plötzlich an, dass ihr Haus gerade einen entsprechenden Gesetzesentwurf erarbeite. Nötig ist das Gesetz eigentlich nicht, denn schon durch die bereits existierende freiwillige Vereinbarung mit dem Handel ist der Plastiktütenverbrauch seit 2016 um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Diesen Erfolg, sagt Schulze, gelte es nun, mit einem Verbot abzusichern.

Aha. So funktioniert politischer Spin – wenn er schlecht gemacht ist. In Wahrheit musste die SPD-Politikerin ihren Widerstand aufgeben, weil sie nicht hinter Markus Söder und dessen angekündigter Bundesratsinitiative zum Verbot der ach so bösen Tüte zurückstehen wollte.

Papier und Baumwolle belasten die Umwelt viel stärker

Das alles mag politisch nachvollziehbar sein, es ändert aber nichts daran, dass ein Plastiktütenverbot bloße Symbolpolitik ist, von der Umwelt und Klima wenig haben – und das schon im besten Fall. Im schlechtesten Fall schadet ein Plastiktütenverbot der Umwelt mehr als es nutzt. Die Herstellung von Papiertüten etwa benötigt viel mehr Energie, die von Baumwolltragetaschen viel mehr Wasser als die von Plastiktüten. Von den chemischen Abfällen der Papierindustrie und den Schadstoffen im Baumwollanbau ganz zu schweigen.

Laut einer Faustformel muss eine Papiertüte drei bis vier Mal benutzt werden, eine Baumwolltragetasche je nach Rechnung sogar 35 bis 130 Mal, um in der Ökobilanz besser abzuschneiden als die Variante aus den Kunststoffen Polyethylen oder Polypropylen. Wenn die Plastiktüte nach dem Einkauf eine Zweitverwendung als Müllbeutel erfährt oder zum Teil aus Altplastik besteht, sieht ihre Bilanz noch einmal besser aus.

Aus Klimagesichtspunkten macht das Plastikverbot also wenig Sinn. Es führt im Zweifel dazu, dass Verbraucher umweltschädliche Baumwolltaschen im Schrank sammeln und mehr Abreißtüten für ihre Mülleimer kaufen. Selbst Umweltschützer räumen das ein.

Bleibt das Argument der Verschmutzung von Landschaft und Meeren, das tatsächlich nicht von der Hand zu weisen ist. Plastik wird deutlich schlechter abgebaut als Papier oder Baumwolle, es widersetzt sich über Jahrzehnte der Verrottung. Die Lösung dafür heißt aber nicht verbieten, sondern verwerten. Wollte die Politik aber wirklich etwas gegen die Vermüllung der Meere unternehmen, sollte sie den Export deutschen Plastikmülls nach Asien und Afrika verbieten.

Das wäre deutlich wirksamer, als nun die Kunden an deutschen Supermarktkassen zu gängeln.

Von Andreas Niesmann/RND

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