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Politik Die „Weiße Witwe“ von Nairobi
Nachrichten Politik Die „Weiße Witwe“ von Nairobi
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07:21 25.09.2013
Quelle: dpa
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Der Angriff auf das Einkaufszentrum hielt die Welt in Atem. Erst am Dienstagabend teilte die Regierung mit, die islamistischen Kämpfer der Al-Shabaab-Miliz seien besiegt.

Samantha Lewthwaite wurde als „Weiße Witwe“ bekannt. Ihr erster Mann Germaine Lindsay riss im Juli 2005 mit drei Mittätern bei Selbstmordanschlägen in der Londoner U-Bahn und Bussen 52 Menschen mit in den Tod. Auch nach Lewthwaite wird wegen Terrorverdachts gefahndet. Die Tochter eines englischen Soldaten und einer irischen Katholikin ist seit zwei Jahren auf der Flucht.

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Die Behörden in Kenia gaben bisher nur bekannt, eine Britin sei an der Planung und Ausführung des Anschlags im Einkaufszentrum beteiligt. Das britische Außenministerium bestätigte, von dem Verdacht zu wissen und ihm nachzugehen. Die kenianische Außenministerin Amina Mohamed heizte die Spekulationen jedoch an. Sie sagte, unter den Islamisten seien auch zwei oder drei US-Bürger – und mutmaßlich eine Britin. Die Frau habe „so etwas schon viele Male getan“.

Lewthwaite wuchs zunächst in Nordirland auf. Später zog die Familie nach England um und ließ sich nordwestlich von London nieder. Sie sei ein „durchschnittliches britisches Mädchen“ gewesen, sagte ein Ratsherr ihrer Heimatstadt, der ihre Familie kannte. Nach den Anschlägen in London hatte Lewthwaite die Taten „von ganzem Herzen“ verurteilt. Sie hatte ihren Mann als 17-Jährige in einem islamistischen Internetforum kennengelernt. Zwei Jahre später konvertierte sie zum Islam. Im Alter von 21 Jahren war sie erstmals Witwe.

Über ihren Verbleib danach ist wenig bekannt. Im Jahr 2011 gab die kenianische Polizei einen Fahndungsaufruf nach Lewthwaite wegen Terrorverdachts heraus. Sie reiste damals mit einem gefälschten südafrikanischen Pass unter dem Namen Natalie Faye Webb mit ihren zwei Söhnen und ihrer Tochter. Medien bezeichneten sie als Drahtzieherin mehrerer Anschläge am Horn von Afrika. So soll 2012 in ihrer Wohnung in Mombasa eine Bomben-Werkstatt gefunden worden sein. Sie wird auch mit einer Auseinandersetzung unter Terroristen in Verbindung gebracht, bei der ihr zweiter Mann gestorben sein soll.

2012 tauchte ihr Name auch im Zusammenhang mit Terrorermittlungen in Großbritannien auf. Laut der „Sunday Times“ vermutete die Polizei sie hinter geplanten Attentaten auf Hotels sowie die Eliteschule Eton . Lewthwaite werden auch Verbindungen zu dem Briten Jermaine Grant nachgesagt, der derzeit in Kenia wegen Terrorverdachts vor Gericht steht.

Zu fassen bekam die junge Frau bislang niemand. Die Zeitung „Daily Nation“ schrieb unter Berufung auf Sicherheitskreise, Extremisten in Kenia würden Lewthwaite „Dada Muzungu“ nennen, was auf Suaheli „weiße Schwester“ bedeutet. Dem Blatt zufolge entkam sie Anfang 2012 Fahndern in der Stadt Mombasa nur knapp.

Sie sei in den vergangenen Jahren fast schon zu einem „mythischen“ Wesen geworden, sagt der britische Terrorexperte Raffaello Pantucci vom Forschungsinstitut Royal United Services Institute. Dass ihr Name in Zusammenhang mit dem Überfall auf das Einkaufszentrum in Nairobi genannt werde, „ist nicht überraschend“.

Interview: "Auch Deutsche kämpfen für Al Shabaab

Der Terror-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik über die westlichen Rekruten der somalischen Al-Shabaab-Miliz.

Woher kommen die ausländischen Kämpfer der Shabaab?

Guido Steinberg: In der ersten Welle kamen nach der Gründung der Organisation 2005/2006 westliche Staatsbürger somalischer Abstammung, überwiegend aus den USA. In einer zweiten Welle kamen Amerikaner anderer Abstammung, aber auch Europäer aus Österreich, Großbritannien und Dänemark. Auch Deutsche kämpfen für Al Shabaab.

In Frankfurt am Main läuft derzeit ein Prozess gegen einen Mann, dem vorgeworfen wird, für die Shabaab gekämpft zu haben.

Steinberg: Ja, und ein deutscher Konvertit namens Andreas Khaled Müller soll noch als Shabaab-Kämpfer in Somalia sein.

Welche Rolle spielen die Islamisten aus dem Westen?

Steinberg: Die Shabaab besteht überwiegend aus Somaliern. Kämpfer aus dem Westen haben einen schweren Stand. Sie müssen erst mal eine Sicherheitsüberprüfung überstehen, bevor sie aufgenommen werden. Der amerikanischstämmige Chef-Propagandist der Organisation wurde offenbar vor wenigen Wochen nach einer internen Auseinandersetzung hingerichtet.

Warum gehen Dschihadisten aus dem Westen nach Somalia?

Steinberg: Das stärkste Motiv für Dschihadis ist immer noch die Besetzung muslimischen Territoriums durch nicht-muslimische Mächte. Das hat zunächst Afghanistan und dann Irak so attraktiv gemacht. Im Fall Somalia waren das Eingreifen von Äthiopien im Jahr 2006 und dann der Afrikanischen Union der Auslöser.

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