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09:00 29.06.2019
Neuwahlen? Jamaika? Minderheitsregierung? Sie bereitet sich auf alle Szenarien vor: Annegret Kramp-Karrenbauer, seit Dezember 2018 Bundesvorsitzende der CDU. Quelle: Foto: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Warum sitzen die beiden Frauen da schon so lange beieinander? Warum scherzen sie so viel und lachen so auffällig? Alle Augen folgten Annegret Kramp-Karrenbauer und Katrin Göring-Eckardt.

Es war bei einem der vielen Sommerfeste der Bundesländer, zu denen derzeit wieder in Berlin eingeladen wird. AKK, CDU-Vorsitzende, und KGE, Fraktionschefin der Grünen, wollten jetzt mal eine Weile unter sich sein, etwas trinken, eine Bratwurst essen.

Doch gerade in diesem Rückzug lag das Auffällige. Die Zeiten sind im Moment so in Berlin. „Flirtet hier Schwarz-Grün?“, fragte RTL.de.

Es ist die Zeit der Szenarien für den Fall der Fälle

Die Spekulationen jedenfalls blühen, und die Berliner Republik hat ihr Sommerthema: Wann und wie könnte Kanzlerin Angela Merkel abgelöst werden? Fünf Szenarien machen die Runde:

Merkel meldet sich krank: In diesem Fall würde Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) die Kabinettssitzungen leiten, zumindest für eine Übergangszeit.

Schwarz-Rot mit AKK: Kramp-Karrenbauer könnte versuchen, sich mithilfe der SPD zur Ersatzkanzlerin wählen zu lassen. Die SPD will dies aber nicht, eine öffentliche Debatte könnte in Richtung Neuwahlen gehen.

Neuwahlen werden vor allem von den Grünen gefordert – die in den Umfragen besser dastehen denn je. Offen ist allerdings, ob der Bundespräsident zustimmt.

Als weitere Varianten gelten eine Minderheitsregierung, nur von der CDU geführt, bis zur regulären Wahl im Jahr 2021 oder eine Neuauflage von Jamaika, also des Versuchs, Union, Grüne und FDP in ein Bündnis zu bekommen.

AKK hat Schlüsselrolle

In allen Konstellationen fällt einer Frau eine Schlüsselrolle zu, die in den letzten Wochen von Pleiten, Pech und Pannen verfolgt wurde: Kramp-Karrenbauer. Manche sehen in der Saarländerin schon die überforderte Provinzpolitikerin. Doch genau dies könnte sich als optische Täuschung entpuppen.

AKK bereitet sich auf alle Szenarien vor. Aufmerksam hat sie regis­triert, wie die sich andeutende Krise Merkels Themen und Tonlage in den Berliner Korridoren verändert. Plötzlich ist nicht mehr so viel von Umfragen, Stilfragen und Youtubern die Rede. Stattdessen wird etwas ganz Klassisches neu entdeckt: die Mechanik der Macht.

AKK, viele hatten das übersehen, ist bis Ende 2020 die Vorsitzende der CDU. In dieser Funktion kann sie mehr Einfluss entfalten als jeder andere Spieler in Berlin. Sie könnte sogar nach dem Kanzleramt greifen. Zwar würde das zu kontroversen Debatten führen. Fest steht aber: Ein anderer aus der Union wird nicht Kanzler, außer durch ihre Hilfe. Dies erklärt die zarten Töne, die die parteiinternen Wahlverlierer Friedrich Merz und Jens Spahn ihr gegenüber anschlagen.

So integriert die CDU-Vorsitzende

Von der Öffentlichkeit unbemerkt hat AKK in ihrer Union ein Netz gewoben, über das Insider staunen. So lobten vergangene Woche putzigerweise der Chef des Wirtschaftsflügels und der Chef des Arbeitnehmerflügels am gleichen Tag die Vorsitzende. „Frau Kramp-Karrenbauer macht das sehr gut“, sagte Carsten Linnemann. Sie mache „einen klasse Job“, sagte Karl-Josef Laumann. Beide kommen aus NRW, ebenso wie CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus, der bereits öffentlich über Kramp-Karrenbauer sagte: „Sie wird unsere nächste Kanzlerkandidatin sein.“

AKK integriert viel. Es ist eine Arbeit hinter den Kulissen, für die es wenig Aufmerksamkeit gibt. Annalena Baerbock geht bei den Grünen ähnlich vor. Auf diese Art entstehen neue Geflechte mit neuer Tragfähigkeit.

Den Streit mit der CSU zum Beispiel, der monatelang die Republik in Atem hielt, hat AKK zu Ende gebracht. Mit Markus Söder pflegt sie inzwischen ein nicht nur freundliches, sondern systematisches Zusammenwirken; es gibt wieder Schaltkonferenzen mit München.

Es ist der längere, leisere Weg zur Macht. Aber genau diese Methode könnte sich am Ende für AKK auszahlen. Ihre Kühle werde unterschätzt, sagen Insider. Letztlich sehe sie auch das Nein zu jeder Form von Zusammenarbeit mit der AfD als Machtfrage. Als ein Präsidiumsmitglied warnte, sie solle es nicht übertreiben, schoss AKK zurück: Niemand werde im Bund mit einer CDU koalieren, die auf Landesebene mit der AfD koaliert. Wer sich also für die AfD öffne, erzwinge Rot-Rot-Grün im Bund. Verblüfft von so viel Schärfe wichen die Kritiker zurück.

AKK, so scheint es, will in der Lage bleiben, sich auch künftig mit Göring-Eckardt entspannt zu einer Bratwurst zusammenzusetzen.

Von Matthias Koch/RND

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