Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik El Paso-Schütze sprach US-Präsidenten vor seiner Tat vorsorglich frei – redet aber genau wie er
Nachrichten Politik El Paso-Schütze sprach US-Präsidenten vor seiner Tat vorsorglich frei – redet aber genau wie er
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:49 05.08.2019
Patrick C. tötete in einem Einkaufszentrum in El Paso an der US-Grenze zu Mexiko 20 Menschen mit einer AK47. Quelle: imago images / UPI Photo
Washington

Etwa 20 Minuten bevor in einem Walmart-Geschäft in einer Mall in El Paso die ersten Schüsse fielen, wurde eine lange Abhandlung auf einer Art Schwarzen Brett im Internet veröffentlicht. Das Massaker sei eine Antwort auf eine „Invasion“ von Lateinamerikanern, die über die Südgrenze in die USA kommen.

Unter dem Titel „Die unbequeme Wahrheit“ wird darin gegen die angeblichen Gefahren der Masseneinwanderung gewettert und davor gewarnt, Latinos würden letztendlich die Wirtschaft und Regierung übernehmen. Der Autor argumentiert, der Angriff sei ein Weg, um zu „kämpfen“ und sein Land vor der Zerstörung zu bewahren.

Ermittler glauben, dass diese Worte von dem 21-jährigen Tatverdächtigen Patrick C. stammen, der sich kurz nach dem Massaker mit 20 Toten und 26 Verletzten am Samstag ergab. Die Ermittler erwägen eine Anklage wegen eines Hassverbrechen.

Eine Frau starb mit ihrem Baby im Arm

„Wir müssen ihm das Manifest direkt zuschreiben“, sagte der Polizeichef von El Paso, Greg Allen, während einer Pressekonferenz. „Also verfolgen wir diesen Weg.“

Bisher ist nicht klar, warum C. El Paso auswählte. Die Stadt spielte in der Einwanderungsdebatte eine prominente Rolle, der Einkaufskomplex ist nur wenige Kilometer von der Grenze zwischen den USA und Mexiko entfernt. Für den mutmaßlichen Schützen bedeutete das allerdings eine zehnstündige Autofahrt, und den Weg von einer Welt in eine andere. Er wuchs in einem grünen Vorort der gehobenen Mittelklasse bei Dallas auf.

Überwachungsvideos zeigen einen schlanken jungen Mann, der am Samstag den Haupteingang des Einzelhandelsgeschäfts betritt. Er trägt ein schwarzes T-Shirt, Khaki-Hosen und ein Sturmgewehr des Typs AK-47 mit einer erweiterten Magazinkapazität. Zeugen berichteten, er sei Gang für Gang durch den Laden gelaufen, der voller Leute gewesen sei, die zum Ende der Ferien Material für das kommende Schuljahr kauften. Unter den Toten sind mindestens drei Mexikaner, und eine Mutter von drei Kindern, die ihr zwei Monate altes Baby hielt, als sie erschossen wurde.

Die krude Verschwörungstheorie vom „Bevölkerungsaustausch“

Der erste Satz der Hetzschrift, die auf der Plattform „8chan“ hochgeladen wurde, äußerte Unterstützung für den Australier, der wegen der Ermordung von 51 Menschen in zwei Moscheen in Neuseeland angeklagt ist. In dem Fall hatte es vorab ein 74 Seiten langes „Manifest“ gegeben, in dem eine Verschwörungstheorie genannt wurde, nach der die Eliten der Welt die weiße Bevölkerung in Europa und in anderen Teilen der Welt mit nicht-weißen Einwanderern ersetzen wollen.

Die Online-Hetzschrift spricht von der „hispanischen Invasion von Texas“. „Sie sind die Unruhestifter, nicht ich“, heißt es darin. „Ich verteidige lediglich mein Land vor dem kulturellen und ethnischen Ersetzen durch eine Invasion.“

Auf einem Twitteraccount, der zu dem mutmaßlichen Täter zu gehören scheint, sind pro-Trump-Posts zu finden, die den Plan des US-Präsidenten zum Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko befürworten. Der Autor der Dokumentes schreibt, seine Ansichten zu Menschen unterschiedlicher Ethnien habe er bereits vor dem Wahlkampf Trumps gehabt, und jeder Versuch, den Präsidenten für sein Verhalten verantwortlich zu machen, seien „Fake News“.

Sohn eines Therapeuten und einer Krankenschwester

Ein Teil der Sprache schien jedoch eine Wiederholung Donald Trumps eigener Worte zu sein: Migranten aus Hispanoamerika seien Eindringlinge, die Amerikanern Jobs wegnähmen, steht da geschrieben, sowie der Aufruf, sie zurückzuschicken. Der Autor schrieb, er sei kein weißer Nationalist, im Dokument heißt es jedoch, die Vermischung von Menschen verschiedener Herkunft - er schreibt von „race mixing“ - zerstöre die Nation. Er empfiehlt, die USA sollten nach Ethnie in territoriale Enklaven aufgeteilt werden.

Der Autor schrieb, er habe eine AK-47, ein halbautomatisches Gewehr, und diskutiert Vor- und Nachteile der Waffe gegenüber anderen wie der AR-15, um damit so viele Menschen wie möglich zu töten.

C., Sohn eines Therapeuten und einer Krankenschwester, wurde auf Fotos in sozialen Medien während seines Jahres an der Plano High School gesehen. Auf seiner LinkedIn-Seite, die mittlerweile entfernt wurde, war ein Job als Einpacker von Lebensmitteln aufgelistet, und der Kommentar: „Ich bin nicht wirklich motiviert, mehr als das Nötigste zu machen, um über die Runden zu kommen. Arbeiten ist scheiße. ... Ich verbringe etwa acht Stunden jeden Tag am Computer, das zählt als Technikerfahrungen, denke ich.“ Unter Fähigkeiten schrieb er: „Nichts wirklich“.

Streit mit den Eltern: Nach 30 Minuten war er wieder zu Hause

C.s Heimatstadt ist Allen, einer Gemeinde mit 100 000 Einwohnern, gut 30 Kilometer nördlich von Dallas. Die Polizei dort teilte mit, es habe über die Jahre nur einen bedeutenden Kontakt mit ihm gegeben, als seine Eltern anriefen und mitteilten, dass er weggelaufen sei. Er kam damals nach 30 Minuten nach Hause.

Informationen einer Onlinedatenbank zeigen, dass C. sich zur Wahl 2016 registriert hatte, nicht lange nach seinem 18. Geburtstag. Er nannte eine Parteizugehörigkeit zu den Republikanern.

Collin College, nördlich von Dallas, bestätigte, dass C. von Herbst 2017 bis Frühjahr 2019 als Student eingeschrieben war.

Ein Twitteraccount unter seinem Namen, der augenscheinlich seit 2017 nicht aktualisiert worden war, zeigte ein Foto von Trump am Schreibtisch im Oval Office, und eine pro-Trump-Umfrage, bei der es um die beste Maßnahme ging, das Land zu sichern. Die möglichen Antworten waren die Hashtags #BuildTheWall (Baut die Mauer), #NoSanctuaryCities (Keine Zufluchtsstädte), #KeepGitmoOpen (Haltet Guantánamo offen) und #BanSyrianRefugees (Einreisesperre für syrische Flüchtlinge). C. antwortete, der Bau der Mauer sei bisher der beste Weg gewesen.

Mehrere Häuser wurden durchsucht

Mehr als ein Dutzend Beamte des Bundes, des Staates und der lokalen Polizeibehörden versammelten sich am Samstag an einem Haus in Allen. Eine Gruppe klopfte an der Tür des grauen Steinhauses und eine Frau öffnete. Die Beamten schienen kurz mit ihr zu sprechen, bevor sie das Haus betraten. FBI-Sprecherin Melinda Urbina sagte, Polizisten hätten am Sonntagmorgen drei Häuser durchsucht, in denen C. sich aufgehalten habe.

Gerichtsakten zeigen, dass C.s Mutter 2011 die Scheidung einreichte. Sie arbeitete seit 1990 als Krankenschwester in Texas. Sein Vater ist ein amtlich zugelassener Berater. Er war auch als Leiter eines Anti-Alkoholprogramms für Minderjährige tätig.

Lesen Sie auch: Mexiko will Auslieferung des El Paso-Schützen prüfen

Von RND/AP

Strengere Regeln für E-Roller? Das Fahren mit den neuen Elektro-Flitzern macht Spaß. Diese Form der Mobilität zu verteufeln, wäre grundverkehrt. Doch jeder Spaß hat seine Grenzen, kommentiert Rasmus Buchsteiner.

05.08.2019

Nach der Bluttat mit 20 Toten in El Paso spricht der mexikanische Außenminister von Terror. Das Land will eine Auslieferung des 21-jährigen Todesschützen prüfen. Ihm könnte aber auch in den USA die Todesstrafe drohen.

05.08.2019

Müssen strengere Regelungen für E-Roller in Deutschlands Städten her? Darüber ist nun in der Politik eine Debatte entbrannt. Dabei wird der Ruf nach „klareren Spielregeln“ immer lauter.

05.08.2019