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12:45 09.10.2019
Aktivisten der Umweltbewegung Extinction Rebellion haben am frühen Morgen die Marschallbrücke besetzt. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Am dritten Tag der Klimaproteste haben Anhänger von Extinction Rebellion um 3 Uhr morgens mit der Blockade der Marschallbrücke in der Nähe des Kanzleramts begonnen. Mehrere Hundert Menschen seien auf der Brücke, teilte die Berliner Polizei am Mittwochmorgen mit. Zudem wurde auch die Mühlendammbrücke in MItte blockiert.

"Es ist so wie in den letzten Tagen auch", sagte eine Beamtin. "Es sind friedliche Personen, die dort sitzen." Mehrere Hundert Aktivisten übernachteten zudem erneut am Großen Stern im Stadtteil Tiergarten. Am Mittwochmittag war dieser Knotenpunkt nach zwei Tagen wieder frei.

Die Berliner Polizei erhält jetzt auch Unterstützung von außerhalb: Rund 250 Beamte aus Niedersachsen, Brandenburg und von der Bundespolizei helfen dabei, die Demonstrationen zu begleiten und Blockaden zu räumen. Der Einsatzleiter bedankt sich in einem Schreiben für das bisher Geleistete und lobte die "professionelle Gelassenheit".

Berlin: Klimaaktivisten planen auch am dritten Tag Blockaden

Aufgrund der Blockade an der Brücke hatte die Polizei die Zufahrten ab der Wilhelm- und Margarete-Steffin-Straße in beiden Richtungen gesperrt. Auch der Schiffbauerdamm war auf unbestimmte Zeit gesperrt worden. Für den Mittwoch waren außerdem Aktionen am Kurfürstendamm geplant.

"Sobald die Politik auf unsere Forderungen reagiert, würden wir die Brücke freigeben", erklärte XR-Aktivist Marco Gergele. Ansonsten bleibe man so lange vor Ort, wie man schaffe.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter erklärte Extinction Rebellion, am 30. Jahrestag der friedlichen Revolution rebelliere man wieder friedlich gegen ein ungerechtes System: "Klimapakete wie sie die Bundesregierung verabschiedet hat, reichen nicht. Deshalb rebellieren wir."

Vor Ort war die Stimmung nach Angaben eines dpa-Fotografen in der Früh entspannt. Zahlreiche Demonstranten hatten sich in Wärmefolien gehüllt, um sich gegen die kühlen Temperaturen in der Nacht zu schützen. Auf dem Boden lagen Transparente mit Aufschriften wie "Climate Justice" oder "Tell the truth". Auch wurde eine Art Floß aufgebaut, auf dessen Segel stand: "Wir sitzen alle im selben Boot - und die Crew spielt um unseren Tod."

Gegen 8.30 Uhr zog eine Gruppe Aktivisten in Richtung Kanzleramt. Gemeinsam mit der NGO Campact protestierten sie gegen das "große Versagen" des Klimakabinetts, das zur gleichen Zeit das umstrittene Klimaschutzpaket verabschiedete. Da die Polizei den Vorplatz des Kanzleramts zuvor großräumig absperrte, versammelten sich die Aktivisten auf der Wiese vor dem Reichstag.

Inken Berhmann von Campact sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): "Uns wurde von Vizekanzler Olaf Scholz der große Wurf versprochen. Bekommen haben wir ein Klimapaketchen." Campact fordert von der Regierung ein neues Klimapaket oder sie müsse die Konsequenzen ziehen aus ihrem Versagen.

Den zivilen Ungehorsam der Bewegung Extinction Rebellion könne sie nachvollziehen: "Die Regierung kriegt es nicht hin, wirksamen Klimaschutz zu beschließen. Die Menschen sind sauer, weshalb solche Formen des Protests nachvollziehbar sind." In einer symbolischen Protestaktion, dem sogenannten Die-In, bei dem sich die Aktivisten auf den Boden legten und tot stellten, verdeutlichten sie aufs Neue ihr Anliegen - das Aussterben des Lebens zu verhindern. Nach etwa einer Stunde zogen sie zur weiterhin blockierten Marschallbrücke und unterstützten die dortige Blockade.

Derweil hat die Polizei nach der blockierten Altonaer Straße am Mittwochvormittag auch den Spreeweg in Berlin-Tiergarten geräumt. Unterdessen besetzten Demonstrantendie Mühlendammbrücke in Mitte, wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Aktivisten hatten die Altonaer Straße, den Spreeweg und weitere Zufahrtsstraßen zum Großen Stern seit Montagmorgen besetzt. Der westliche Teil der Straße des 17. Juni in Richtung Großer Stern und die Hofjägerallee in Richtung Süden waren zuvor wieder frei. Die Mühlendammbrücke verbindet die Fischerinsel mit dem Molkenmarkt auf dem nordöstlichen Spreeufer.

Extinction Rebellion hat für die ganze Woche Aktionen in der Hauptstadt angekündigt. Die Umweltschutzbewegung will in Berlin und anderen Großstädten in aller Welt auf eine drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. Extinction Rebellion (XR) heißt übersetzt etwa: Aufstand gegen das Aussterben.

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RND/dpa/epd/fbo

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