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Politik Friedman bei „Hart aber Fair“: „Nur ein unsichtbarer Jude ist ein sicherer Jude“
Nachrichten Politik Friedman bei „Hart aber Fair“: „Nur ein unsichtbarer Jude ist ein sicherer Jude“
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07:03 15.10.2019
Ein Mann mit einer Kippa bei einer Demonstration gegen Antisemitismus und rechten Terror nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle. Quelle: imago images/snapshot
Berlin

Nach dem Anschlag in Halle auf eine Synagoge ist die Debatte über den Antisemitismus wieder allgegenwärtig in Deutschland. Aber war der Antisemitismus je weg oder hat der Täter Stephan B. lediglich für alle offensichtlich gemacht, dass Judenhass auch nach dem Ende der Nazi-Herrschaft bis heute stets Teil der deutschen Kultur war? Dieser Frage ging Frank Plasberg bei „Hart aber Fair“ am Montagabend nach.

Die Gäste

Der jüdische Gastwirt Uwe Dziuballa ist regelmäßig antisemitischen Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt. Vor gut einem Jahr wurde sein Lokal „Shalom“ in Chemnitz angegriffen – vermutlich von Neonazis. Für ihn ist klar: „Judenhass ist eine Konstante, nur die Sensibilität ist mittlerweile größer.“ Dziuballa berichtet von Menschen, die vor seinem Lokal in den vergangenen Jahren immer wieder den Hitlergruß gezeigt hätten. Was ihn jedoch mindestens ebenso schockierte: Dass die Polizei diese und andere Vorfälle missachtet hätte. „Ich hatte zwischenzeitlich nicht mehr an die Gewaltenteilung geglaubt“, sagt er.

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„Wir diskutieren seit Jahrzehnten über Antisemitismus in Deutschland“, sagt der Journalist Michel Friedman. Neu sei allerdings, dass Judenhass und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Form der AfD das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik im Bundestag demokratisch repräsentiert und legitimiert sei. Für ihn ist klar: „Wer die AfD wählt, stärkt die Macht des Hasses.“

Ein Vertreter der AfD war an diesem Montagabend nicht bei „Hart aber Fair“. Die Partei war jedoch in der Diskussion omnipräsent. Der zweite Journalist in der Runde, Georg Mascolo, machte deutlich, dass viele AfD-Mitglieder mit Antisemitismus oder Rassismus nichts am Hut hätten. Er warf der Partei allerdings vor, die rechtsradikalen Mitglieder und Äußerungen innerhalb der Partei zu tolerieren.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und die Linken-Politikerin Janine Wissler komplettierten die Runde. Die beiden Politiker blieben jedoch weitgehend bei Floskeln und inhaltlichen Allgemeinplätzen (Pistorius: „Das war ein Angriff auf uns alle“; Wissler: „Wir müssen endlich mehr gegen Rechtsradikalismus tun.“

Der einprägendste Satz

Als Plasberg ein Zitat des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung einspielte, wonach dieser Juden davon abrät, „jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen“, platzte Friedman der Kragen. „Das ist ein Offenbarungseid“, sagte er und kam zu der Schlussfolgerung: „Nur ein unsichtbarer Jude ist ein sicherer Jude.“

Die bitterste Wahrheit

Um die verbale Eskalation im Netz gegenüber Juden oder anderen Menschen zu verdeutlichen, suchte die „Hart aber Fair“-Redaktion am Montagabend offenbar absichtlich Zuschauermeinungen aus, die dies untermauern sollten. Und sie fanden entsprechende Beispiele.

Unter ihrem Klarnamen schrieb eine Zuschauerin: „Vielleicht sollte man allmählich das Judenthema etwas zurücknehmen, denn genau das schürt Hass.“ Und weiter: „Die Kinder bekommen es in der Schule auch eingetrichtert und gut ist's.“

Fazit

Die geschilderten Erlebnisse des jüdischen Gastwirtes gepaart mit den Äußerungen einiger Zuschauer zeigen: Der Antisemitismus in Deutschland ist nach wie vor in Deutschland präsent – und war es auch in den vergangenen Jahrzehnten. Die Sendung hat auch gezeigt: Judenhass beginnt nicht erst bei Taten wie denen von Stephan B.. Die Wurzel liegt tiefer. Doch diese Wurzel wurde von Frank Plasberg und seinen Gästen weitgehend unter der Erde gelassen.

Von Marcel Sacha/RND

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