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Politik Friedrich Merz – Teamplayer oder heimlicher Kanzlerkandidat?
Nachrichten Politik Friedrich Merz – Teamplayer oder heimlicher Kanzlerkandidat?
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13:59 19.05.2019
Der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz gilt weiter als Anwärter auf einen Ministerposten. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Jena/Berlin

Friedrich Merz soll gleich kommen, aber der Saal ist vielleicht doch etwas groß. Gut 100 Leute sind in die Sparkassenarena in Jena gekommen, sie verteilen sich sehr locker im Raum. „Wir können ein bisschen zusammenrücken“, sagt eine Frau im weißen Blazer in ein Mikrofon. Es beginnt etwas Geruckel, Kaffeetassen klirren. Merz kommt durch die Tür, erst merkt es keiner so richtig. Als der Applaus beginnt, hat er seine zwei Meter bereits auf einen der wenigen Stühle gefaltet.

Vor einem halben Jahr wäre Merz fast Parteichef geworden. In Thüringen ist er angekündigt als „prominenter Gast“ und künftiger Vize-Chef des CDU-nahen Wirtschaftsrats. Er kommt auch als Wahlkämpfer. Europawahl und Kommunalwahl stehen an und im Herbst die Landtagswahl.

Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik

„Gut, dass wir das nicht alleine machen müssen“, sagt Parteichef Mike Mohring und überlässt Merz das Pult. „Aufbruch 2019“ steht auf einer blau-orange-farbenen Stellwand hinter dem Podium.

„Wir sind wieder an einem Punkt, wo sich die Welt fundamental verändert“, beginnt er und zählt auf: Krim, Brexit, Trump, Flüchtlinge, China. Er wirbt eindringlich für die Europawahl und warnt vor Nationalisten.

Von da kommt er zur Flüchtlingspolitik, es war bei der Bundestagswahl eines der Mobilisierungsthemen der AfD. Kanzlerin Angela Merkel wurde zum Feindbild. Deutschland habe „wahrscheinlich einen überproportionalen Beitrag geleistet zu der Krise“, sagt Merz. „Es war alles gut gemeint, aber nicht alles gut gemacht.“ Den Namen Merkel erwähnt er nicht extra. Das Publikum applaudiert laut.

Keiner aus dem Publikum wird später nach diesem Thema fragen, die Leute erkundigen sich nach Russland, dem Soli, der Zinspolitik, der Grundsteuer. Ein Mann fordert einen toleranten Umgang mit Homosexuellen. Merz empfiehlt, Widerspruch einzulegen gegen Steuerbescheide, die den Soli noch beinhalten. Er bemängelt die Uneinigkeit der EU im Umgang mit der russischen Gaspipeline North Stream II. Er fordert die Regierung auf, die Europäische Zentralbank in die Schranken zu weisen. So richtig gut kommt Merkels Koalition wirklich nicht weg.

Die Gesellschaftspolitik gibt Merz weiter an CDU-Chef Mohring.

Die verlorenen Machtkämpfe

Merz hatte sich einige Monate lang zurückgezogen nach seiner Niederlage um den CDU-Vorsitz gegen Annegret Kramp-Karrenbauer. Es war sein zweiter verlorener Machtkampf in der Bundespolitik, Angela Merkel hatte ihm vor über 15 Jahren den Unions-Fraktionsvorsitz streitig gemacht. Merz wechselte in die Wirtschaft. In der Union heißt es, die Auseinandersetzung mit Merkel wirke immer noch nach.

Seit einer Weile ist der 63-Jährige wieder präsent: Er hält Reden und gibt Interviews, er macht ein bisschen Wahlkampf.

Merkel ist immer ein Thema. Ihr Verzicht auf mehr als zwei Auftritte im Europawahlkampf? „Ich hätte mir eine andere Antwort vorstellen können“, sagt Merz in einem Fernsehinterview. Klimapolitik? Seit 15 Jahre stelle die Union die Klimakanzlerin. Als offen kann man das bezeichnen oder als Nadelstiche.

Merz sagt, er wolle die CDU unterstützen, und mit Kramp-Karrenbauer habe er guten Kontakt. Die Parteichefin bemüht sich um Einbindung: Sie ist Mitte April zum Europawahlkampfauftakt der NRW-CDU ins Sauerland gekommen, Merz‘ Heimat. „Ich möchte, dass Annegret Kramp-Karrenbauer erfolgreich ist“, hat der dort beteuert.

Merz’ künftige Rolle

Aber die Umfragewerte der CDU sind schlecht, die von Kramp-Karrenbauer sinken. Aus dem Wirtschaftsflügel der Union drängen manche nach einem Austausch von Ministern, mindestens. Wenn nicht gleich auch die Kanzlerin.

Merz hätte vermutlich nichts dagegen. Was wird dann seine Rolle? Wirtschaftsminister unter einer Kanzlerin Kramp-Karrenbauer? Seine Unterstützer weisen darauf hin, dass er ja nur sehr knapp verloren habe gegen die Saarländerin. Das Rennen um die Kanzlerkandidatur sei nicht eröffnet, hat Merz in einem Fernsehinterview gesagt. Die Aktie Merz sei allerdings auch nicht auf dem Markt. Das hat sich allerdings schon mal sehr schnell geändert.

Zeit der Ungewissheit

An einem regnerischen Tag steht Merz in Berlin an einem Rednerpult. Durch große Glasfenster ist der Reichstag zu sehen, dazwischen liegt die Spree. Es ist ein Empfang zum 70. Geburtstag des CSU-Wirtschaftspolitikers Hans Michelbach, ein paar Dutzend Gäste sind gekommen.

Merz erzählt, wie er in den 90er Jahren als Abgeordneter in den Bundestag eigenzogen sei, in der letzten Wahlperiode von Helmut Kohl: „Ich fühle mich manchmal an diese Zeit der Ungewissheit und des Umbruchs erinnert.“ Im Übrigen gebe es in der Politik zu wenig Leute, die auch in der Wirtschaft erfolgreich seien, sagt Merz, der Unternehmensberater. Wie Michelbach, sagt er. Aber es klingt auch wie eine Bewerbung.

Von Daniela Vates/RND

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