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Nachrichten Politik Jeder siebte Brandenburger über 60 leidet an Demenz
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06:10 05.04.2017
Quelle: dpa
Potsdam

Immer mehr Brandenburger leiden an Demenz. Das geht aus dem Pflegereport der AOK Nordost 2017 hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Demnach ist jeder siebte Brandenburger über 60 Jahren demenzkrank, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 war es noch jeder achte.

Die Kasse ist für die Bundesländer Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zuständig. In keinem der Länder sei die Demenzquote so stark gestiegen wie in der Mark. Grundlage des Reports sind die Abrechnungsdaten aller Pflegeleistungen der Jahre 2011 bis 2015. Die höchste Demenzquote in Brandenburg wurde für die Stadt Müncheberg (Märkisch-Oderland), die niedrigste für Neuzelle im Landkreis Oder-Spree ermittelt.

Nur jeder vierte Angehörige nutzt entlastende Angebote

Im Jahr 2015 hatte dem Report zufolge jeder vierte demenzkranke Brandenburger noch keine Pflegestufe. Nach Einschätzung der Kasse sei mit der Neuregelung der Pflegestufen in diesem Jahr mit einem deutlichen Anstieg der Demenzkranken mit Pflegegrad zu rechnen.

Fast zwei Drittel der an Demenz erkrankten über 60 Jahre alten Brandenburger werden zu Hause gepflegt. Pflegende Angehörige bringen dem Bericht zufolge dabei eine immense Arbeitsleistung auf. Nur jeder vierte Angehörige nutzte entlastende Angebote im Fall der Erkrankung eines pflegenden Angehörigen. „Ambulante Pflegeangebote werden zu selten genutzt“, resümiert Gabriele Rähse, Sprecherin der AOK-Nordost.

Angst vor Ablehnung

Ähnliches beobachtet Birgitta Neumann vom Kompetenzzentrum Demenz im Land Brandenburg. Zwar gebe es in den Landkreisen viele Beratungsangebote für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Auch die Pflegestützpunkte seien ein guter Ansprechpartner. „Doch viele nehmen Hilfe nicht an, weil damit eine Angst oder Scham verbunden ist, von der Gesellschaft abgelehnt zu werden“, erklärt sie. Ein weiterer Grund sei, dass die familiären Helfer ihre pflegebedürftigen Angehörige nur ungern „fremden Händen“ überlassen. „Sie können sich nicht vorstellen, dass Außenstehende besser mit den Besonderheiten dieser Krankheit umgehen können.“ Jedoch könnten externe Helfer Angehörige bei alltäglichen Dingen wie beim Einkaufen, Spazierengehen oder gemeinsamen Kochen wesentlich entlasten. Auch die Tagespflege, also Einrichtungen in denen Demenzerkrankte ihren Tag verbringen, würden zu selten genutzt. „Dabei wird die Tagespflege gut finanziert und es ist viel Geld im System.“

Debatte im Landtag

Laut Pflegereport wurde die Tagespflege häufiger in Anspruch genommen als noch vor sechs Jahren. Doch auch in dem Bereich gebe es noch Nachholbedarf, zumal sich die Angebote vor allem in den Städten befinden.

Insgesamt leben in der Mark zurzeit 55 000 Demenzerkrankte. In den kommenden 13 Jahren soll die Zahl der an Demenz leidenden Brandenburger auf mehr als 87 000 steigen, was das Land vor große Herausforderungen stellt. Zumal es vielerorts an qualifizierten Pflegekräften fehlt. Über dieses Problem wollen auch die Landtagsabgeordneten am Donnerstag debattieren. Unter dem Titel „Gute Arbeit auch in der Pflege“ hat die Fraktion Die Linke eine Aktuelle Stunde beantragt.

Von Diana Bade

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