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Politik Katarina Barley: Vom Nobody zur Hoffnungsträgerin
Nachrichten Politik Katarina Barley: Vom Nobody zur Hoffnungsträgerin
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19:16 17.10.2018
Bundesjustizministerin Katarina Barley: „Wir stehen am Scheideweg“. Quelle: dpa
Berlin

Der Tag, an dem Katarina Barley zum ersten Mal auf der Bühne im Atrium des Willy-Brand-Hauses stand, ist noch gar nicht so lange her. Vor ziemlich genau 3 Jahren präsentierte der damalige Parteichef Sigmar Gabriel die Bundestagsabgeordnete als Nachfolgerin für die scheidende Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Barley war bis dato völlig unbekannt – und Gabriel verstolperte prompt ihren Namen. Als „Karitta Barrei“ stellte er die Frau an seiner Seite vor, und die staunende Hauptstadtpresse fragte: Katarina wer?

Als Barley am Mittwochmittag mit langen Schritten durch das Foyer der SPD-Parteizentrale schreitet, muss sie niemandem mehr erklären, wer sie ist. In weniger als drei Jahren ist die 49-Jährige vom Nobody zur Hoffnungsträgerin der Sozialdemokratie avanciert. Generalsekretärin, Familienministerin, Arbeitsministerin, Justizministerin – und nun Spitzenkandidatin für die Europawahl im kommenden Jahr. Die Blitzkarriere sagt viel über die Qualitäten Barleys aus. Und manches über die Personaldecke der SPD.

Doch darüber möchte an diesem Mittwoch niemand reden. Es soll ein positives Signal ausgesendet werden, ein Zeichen des Aufbruchs. Applaus brandet auf, als Barley die Stufen zum Mikrofon erklimmt. Es sind die Mitarbeiter des Willy-Brand-Hauses, die der ehemaligen Chefin einen warmen Empfang bereiten. Die ehemalige Hausherrin der SPD-Parteizentrale hat hier noch viele Freunde.

Zwei Gründe gaben den Ausschlag

Parteichefin Andrea Nahles, die mit der Personalie einen kleinen Coup gelandet hat, ist voll des Lobes. „Es kann keine bessere Wahl geben, sagt sie. Barley sei eine „geborene Europäerin“. Dann rattert sie die Fakten runter, die inzwischen hinreichend bekannt sind: die multinationale Familie, die vier Sprachen, die Promotion über das Europarecht. Barley sei ihre erste Wahl gewesen, betont Nahles. Sie selbst habe deshalb mit „keinem anderen Sozialdemokraten“ über eine Kandidatur gesprochen.

Der Satz ist nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Nach RND-Informationen hatte Nahles mindestens einer Person außerhalb der SPD die Kandidatur angetragen. Die Bereitschaft von Juso-Chef Kevin Kühnert wiederum hatte nicht Nahles persönlich, sondern SPD-Europapolitiker Udo Bullmann ausgetestet – wohl kaum, ohne sich mit der Chefin abzustimmen.

Bullmann steht an diesem Tag neben den beiden Frauen auf dem Podium. Er bekommt den zweiten Listenplatz nach Barley, legt allerdings Wert auf die Formulierung „Spitzenduo“.

Barley macht kein Geheimnis daraus, dass sie gezögert habe, die Kandidatur anzunehmen. Es sei ein Entscheidungsprozess mit unterschiedlichen „Pegelständen“ gewesen, sagt sie. Am Ende hätten zwei Gründe den Ausschlag gegeben: Sie wolle Verantwortung übernehmen - für Europa und für ihre Partei.

„Diese nächste Wahl ist eine Schicksalswahl“, sagt die Juristin und verweist auf den Siegeszug der Populisten und Nationalisten auf dem Kontinent. „Wir stehen am Scheideweg“. Und auch die SPD befinde sich in einem schwierigen Fahrwasser. „Ich liebe diese Partei“, sagt Barley. „Und ich möchte einen Beitrag leisten, dass die SPD in Europa den Platz bekommt, den sie verdient.“

Fast gibt es eine Panne

Bei der Suche nach einer Nachfolgerin im Justizministerium kann sich Nahles Zeit lassen. Bis zur Wahl Ende Mai will Barley das Amt weiter ausüben. Sie werde definitiv nach Brüssel wechseln, gibt sie zu Protokoll, aber vorher habe sie noch wichtige Aufgaben in ihrem Ressort zu erledigen, viele davon mit direktem Bezug zu Europa.

Die Strategen in der SPD sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Ministerin mehr Durchschlagskraft haben könnte und besser zu inszenieren sei, als eine freischwebende Spitzenkandidatin. Es ist auch eine Erfahrung des letzten Bundestagswahlkampfes von Martin Schulz, dem die große Bühne in der Tagespolitik fehlte.

Das wird bei Barley anders sein: Schon am 29. Oktober reist sie nach Paris, wo ein Treffen mit ihrer französischen Amtskollegin Nicole Belloubet und ein Bürgerdialog an der Hochschule Sorbonne anstehen. In der Woche drauf nimmt sie an den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Warschau teil.

Eine Sache hat Barley schon erreicht: Es ist ein Hauch von Aufbruchstimmung in der SPD zu spüren, zum ersten Mal seit Monaten. Die Stimmung bei ihrer Vorstellung ist gelöst, fast schon zuversichtlich.

Nur an einer Stelle der ansonsten gelungen Vorstellungen halten die SPD-Mitarbeiter die Luft an: Als ein Windstoß die große Europafahne in Barleys Rücken erfasst, und es einmal kräftig rumst. Ein herabstürzendes Europabanner – dieses Symbol hätte der SPD gerade noch gefehlt. Doch es geht alles gut. Die Fahne hält, und die Sozialdemokraten atmen auf.

Manchmal muss man eben auch Glück haben.

Von Andreas Niesmann/RND

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